{"id":20697,"date":"2016-05-01T18:22:28","date_gmt":"2016-05-01T17:22:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/?p=20697"},"modified":"2016-05-01T18:24:17","modified_gmt":"2016-05-01T17:24:17","slug":"arbeitgeber-bieten-magerkost-kundgebungsredner-wolfgang-daeubler-kritisiert-in-schwaebisch-hall-unternehmer-und-fordert-mehr-solidaritaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/?p=20697","title":{"rendered":"&#8222;Arbeitgeber bieten Magerkost \u2013\u00a0Altersarmut im reichen Deutschland ist eine Schande&#8220; \u2013\u00a0Kundgebungsredner Wolfgang D\u00e4ubler kritisiert in Schw\u00e4bisch Hall die Reichen und fordert mehr Solidarit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p><strong>Hauptredner bei der Mai-Kundgebung 2016 in Schw\u00e4bisch Hall war\u00a0Professor Dr. Wolfgang D\u00e4ubler, Professor f\u00fcr Arbeitsrecht an der Universit\u00e4t Bremen. D\u00e4ubler sprach schon 1978 bei einer Mai-Feier in Schw\u00e4bisch Hall. Ein Leserbriefschreiber beschwerte sich anschlie\u00dfend \u00fcber &#8222;kommunistische Propaganda&#8220; in der Lokalzeitung.<\/strong><\/p>\n<p><em>Von\u00a0Wolfgang D\u00e4ubler, Redner am 1. Mai 2016 in Schw\u00e4bisch Hall<\/em><\/p>\n<p><strong>D\u00e4ublers Rede 2016 im Wortlaut:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Liebe Kolleginnen und Kollegen,<\/strong><\/p>\n<p>herzlichen Dank f\u00fcr die Einladung, hier auf dieser Kundgebung in Schw\u00e4bisch Hall sprechen zu k\u00f6nnen. Es ist das zweite Mal, dass ich als Mairedner hier bin. Das erste Mal war ich 1978 da. Die Schalmeienkapelle hat damals auch schon gespielt. Die Stimmung war gut, obwohl es seit 1974 in der Wirtschaft nicht mehr so ganz rund lief. Das Haller Tagblatt berichtete ganz objektiv \u00fcber das, was ich gesagt hatte. Doch da entsetzte sich ein Leserbriefschreiber: So viel kommunistische Propaganda habe er noch nie im Haller Tagblatt gelesen, das sei schlimmer als im Neuen Deutschland. Nun ja, es gab etliche Erwiderungen, auch vom damaligen DGB-Vorsitzenden Siedentopp. Die freie Presse blieb letztlich Sieger; irgendwie hat sich die Aufregung dann wieder gelegt.<\/p>\n<p><strong>Anerkennung und Solidarit\u00e4t f\u00fcr die Streikenden<\/strong><\/p>\n<p>Heute haben wir andere Sorgen als den angeblich so b\u00f6sen Feind im Osten. Die Gewerkschaftsbewegung hat eine nicht ganz einfache Zeit hinter sich. Zwischen dem Jahr 2000 und dem Jahr 2010 fielen die Reall\u00f6hne \u2013 netto und in Kaufkraft gemessen \u2013 im Durchschnitt um 3 Prozent. Die nominalen Tariferh\u00f6hungen wurden mit Zulagen verrechnet. Was \u00fcbrig blieb, fra\u00dfen Inflation, Steuern und Abgaben auf. Erst 2014 war das reale Niveau von 2000 wieder \u00fcberschritten \u2013 um ganze 1,4 Prozent. Die Kapitaleink\u00fcnfte hatten sich in derselben Zeit um 60 Prozent\u00a0erh\u00f6ht. Schon deshalb finde ich die 5-Prozent-Forderung der IG Metall in Ordnung: es besteht noch immer gewaltiger Nachholbedarf. Allein in Baden-W\u00fcrttemberg haben sich am Freitag mehr als 35.000 Besch\u00e4ftigte an Warnstreiks beteiligt \u2013 sie haben unsere Anerkennung und unsere Solidarit\u00e4t verdient.<\/p>\n<p><strong>Ein lachhaftes Tarif-Angebot<\/strong><\/p>\n<p>Die Arbeitgeber bieten bei einer Laufzeit von zwei Jahren 2,1 Prozent\u00a0an, das hei\u00dft pro Jahr 1,05 Prozent. Das ist Magerkost, besser: Hungerk\u00fcnstlerdi\u00e4t, im Grunde ein lachhaftes Angebot. Klar, dass es da zu\u00a0 Streiks kommen muss. Und wir m\u00fcssen uns f\u00fcr einen Streik \u00fcberhaupt nicht entschuldigen, liebe Kolleginnen und Kollegen. Das Recht auf Streik ist ein Grundrecht, nicht anders als die Meinungsfreiheit und das Recht auf Demonstration.<\/p>\n<p><strong>Zwei Drittel der Forderungen durchzusetzen, sind ein normales Ergebnis<\/strong><\/p>\n<p>Die deutschen Gewerkschaften haben in den letzten 50 Jahren von ihrem Streikrecht nur einen sehr sparsamen Gebrauch gemacht. Das versteht man, wenn es auch ohne Streik aufw\u00e4rts geht, wie das in der Tat lange der Fall war. Man versteht es auch, wenn die Arbeitgeber wie in der chemischen Industrie so klug sind, Angebote zu machen, mit denen man gut leben kann. Wenn aber Grund besteht, sich zu emp\u00f6ren, und wenn dann nichts geschieht \u2013 dann gehen die Kollegen von der Fahne, und die, die dabei bleiben, sind entt\u00e4uscht und k\u00f6nnen niemanden mehr motivieren und zum Beitritt bewegen. Als Gewerkschaftsmitglied will man sicher sein, dass man gemeinsam mit anderen etwas f\u00fcr seine Interessen tun kann, dass man eine loyale F\u00fchrung hat, die zu ihren Idealen steht, und dass sie auch zum Kampf bereit ist. Deshalb ist es gut, wenn es jetzt zu breiten Warnstreiks kommt. Bevor man dann abschlie\u00dft, sollte man sich zudem an Otto Brenner erinnern, der mal gesagt hat: Zwei Drittel der Forderungen durchzusetzen, sind ein normales Ergebnis. Ich habe gerechnet: Zwei Drittel von 5 Prozent sind 3,33 Prozent. Das muss mindestens herauskommen, sonst hat sich die Sache nicht gelohnt; 2,5 Prozent w\u00fcrden nicht gen\u00fcgen.<\/p>\n<p><strong>Unser Motto f\u00fcr den 1. Mai 2016 lautet: \u201eZeit f\u00fcr mehr Solidarit\u00e4t\u201c. Das regt zum Nachdenken an.<\/strong><\/p>\n<p>\u201eZeit\u201c fehlt den allermeisten von uns. Wir haben eine tarifliche Arbeitszeit von 35 Stunden bei Metall und Druck; im Durchschnitt aller Branchen liegt die Wochenarbeitszeit bei 37,5 Stunden. Die tats\u00e4chliche Arbeitszeit bel\u00e4uft sich aber auf etwa 42 Stunden. Dazu kommen inoffizielle \u00dcberstunden. Fast 40 Prozent aller Besch\u00e4ftigten m\u00fcssen auch in ihrer Freizeit jederzeit f\u00fcr ihren Chef oder f\u00fcr Kunden erreichbar sein. Eine wachsende Zahl von Besch\u00e4ftigten arbeitet auch zu Hause oder auf dem Weg \u2013 in der Bahn, auf Dienstreise im Hotel, beim Warten auf dem Flughafen. Von mobiler Arbeit ist die Rede, die dem Arbeitszeitkonto nur selten gutgeschrieben wird. Eine empirische Untersuchung ergab, dass 73 Prozent der Befragten nichts extra bekamen. Alles muss immer schneller gehen: Wenn man eine E-Mail nicht gleich beantwortet, kommt die besorgte Nachfrage: Hast du meine E-Mail bekommen? Ich habe sie eigentlich immer gekriegt, aber die Frage ist ja auch nicht unbedingt w\u00f6rtlich gemeint, sondern will sagen: Jetzt r\u00fchr dich doch endlich!<\/p>\n<p><strong>Psychische Erkrankungen nehmen zu<\/strong><\/p>\n<p>Viel Arbeit, die schnell zu erledigen ist: Das ist die Situation der meisten Kolleginnen und Kollegen. Wenn ich bei Betriebsr\u00e4teseminaren die Teilnehmer frage, welche Themen sie gerne behandelt h\u00e4tten, so steht an erster Stelle der Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. \u201eMan ist nie fertig\u201c, bekomme ich da zu h\u00f6ren, \u201eman kann nur die gr\u00f6\u00dften L\u00f6cher stopfen\u201c, aber auch am Freitagnachmittag bleiben immer eine Menge Sachen, die noch zu erledigen w\u00e4ren. Und diese Situation h\u00e4lt nicht jeder und nicht jede durch: Die harmloseren Symptome sind R\u00fcckenschmerzen und h\u00e4ufige Erk\u00e4ltungen oder Hexenschuss, die schlimmeren sind Burn-out und psychische Erkrankungen. Psychische Erkrankungen waren 2001 f\u00fcr 6,6 Prozent der Arbeitsunf\u00e4higkeitstage verantwortlich, im Jahre 2012 waren es schon 15,5 Prozent.<\/p>\n<p><strong>Was tun? Mit einem Appell, sich mehr Zeit zu nehmen, ist es nicht getan. Man muss nach den Ursachen fragen.<\/strong><\/p>\n<p>Wir leben in einer Wettbewerbsgesellschaft, wo jeder unter dem Druck steht, immer besser und immer schneller zu arbeiten. Wenn ich mir die Diskussionen um TTIP und CETA anschaue, so gibt es viel berechtigte Kritik. Vorausgeschickt wird aber immer: \u201eWir sind nat\u00fcrlich f\u00fcr den Freihandel. Wir finden es gut, wenn die letzten Zollbarrieren fallen.\u201c Mehr Freihandel hei\u00dft aber mehr Wettbewerb. Und das schl\u00e4gt sich unmittelbar in der Arbeitssituation vieler Kolleginnen und Kollegen nieder. Der Wettbewerb ist keine schlechte Sache, weil er zu neuen Ideen zwingt. Aber es ist wie mit einem Medikament: Wenn man zuviel davon nimmt, wirkt es wie Gift und schadet statt zu nutzen. Durch die EU und viele Handelsabkommen haben wir heute schon gen\u00fcgend Konkurrenz und Leistungsdruck: Noch mehr davon k\u00f6nnen wir nicht brauchen. Schon deshalb: <strong>Weg mit TTIP und CETA<\/strong>.<\/p>\n<p><strong>Betriebsrat kann Leistungsdruck f\u00fcr alle reduzieren<\/strong><\/p>\n<p>Aber was tun, um die konkrete Situation im Betrieb zu verbessern? Es gibt Besch\u00e4ftigte, die \u201enein\u201c sagen k\u00f6nnen, weil sie gesuchte Fachkr\u00e4fte sind und nichts bef\u00fcrchten m\u00fcssen, wenn der Chef die Stirn runzelt. Das sind leider nicht alle, aber aufgrund der demographischen Entwicklung w\u00e4chst ihre Zahl.\u00a0Ein Betriebsrat kann eine Menge tun, um den Leistungsdruck f\u00fcr alle zu reduzieren. Viele setzen eine so genannte Gef\u00e4hrdungsbeurteilung durch, die heute auch die psychischen Belastungen einbeziehen muss. Der Betriebsrat muss dabei einen langen Atem haben und gerade dann aktiv bleiben, wenn das Ergebnis der Gef\u00e4hrdungsbeurteilung vorliegt: Er muss alles tun, um die empfohlenen Verbesserungen zu realisieren. Auch die Einstellung neuer Arbeitskr\u00e4fte kann man manchmal durchsetzen, es gibt Beispiele daf\u00fcr!<\/p>\n<p><strong>Man kann die Arbeitshetze reduzieren, man kann Zeit gewinnen. Auch Zeit f\u00fcr mehr Solidarit\u00e4t.<\/strong><\/p>\n<p>Was hei\u00dft \u201emehr Solidarit\u00e4t\u201c? Ich hatte mal einen Gesamtbetriebsrat zu beraten, als es um die Schaffung eines Verhaltenskodex f\u00fcr das Unternehmen ging. Die Arbeitgeberseite wollte das Leistungsprinzip festschreiben, im Sinne von noch mehr Effizienz und noch besserem Output. Wir haben dagegen gesetzt: Leistung besteht auch darin, einer Kollegin oder einem Kollegen zu helfen, der mit seiner Arbeit in Schwierigkeiten ger\u00e4t oder pers\u00f6nliche Probleme hat. Wer hierf\u00fcr Zeit er\u00fcbrigt, verdient die besondere Anerkennung des Unternehmens, schrieben wir in unseren Entwurf. Das war \u00fcberhaupt nicht nach dem Geschmack des Arbeitgebers, aber so richtig dagegen wollte er auch nicht sein: Also hat er auf den gesamten Abschnitt \u00fcber Leistung verzichtet.<\/p>\n<p><strong>Ehrenamtliche Helfer f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge<\/strong><\/p>\n<p>Solidarit\u00e4t ist im zwischenmenschlichen Bereich angesiedelt. Als vor einigen Monaten zahlreiche Fl\u00fcchtlinge hier ankamen, fanden sich unheimlich viele ehrenamtliche Helfer. Sie hatten alle pl\u00f6tzlich Zeit, und ich habe mich gefragt, warum so viele Leute hinter dem Ofen hervorgekommen sind. Vermutlich war es der Gedanke, hier mal etwas ganz konkret N\u00fctzliches tun zu k\u00f6nnen, eine Sache, die ihren unbestreitbaren Eigenwert hat. Das ist nicht Alltagsroutine wie sonst, bei der man sich fragen muss, wo eigentlich der Nutzen liegt und wem er zugute kommt. Die Helfer verdienen unser aller Anerkennung.<\/p>\n<p><strong>Haben wir in Afghanistan wirklich nur Brunnen gebohrt?<\/strong><\/p>\n<p>Die Aufnahme von rund einer Million Fl\u00fcchtlingen hat auch viele Besorgnisse ausgel\u00f6st. In der aktuellen Situation wird leider viel zu selten nach den Ursachen der Fluchtbewegung gefragt. Hat nicht vielleicht auch die deutsche Au\u00dfenpolitik ihren Anteil daran, dass bestimmte L\u00e4nder destabilisiert wurden? Dass die Lebensbedingungen dort unertr\u00e4glich wurden? Denn man verl\u00e4sst seine Heimat nur, wenn man wirklich keine andere Alternative hat, wenn einem das Wasser zum\u00a0 Halse steht. Ich frage mich immer: Haben wir in Afghanistan wirklich nur Brunnen gebohrt oder Kurse in Buchhaltung angeboten? Wie war und ist es mit unserer Neutralit\u00e4t im syrischen B\u00fcrgerkrieg? Warum m\u00fcssen pl\u00f6tzlich deutsche Truppen ins Baltikum? Gut, wird man sagen, wir sind nun mal im westlichen B\u00fcndnis, und das ist mit Pflichten verbunden. Aber gehen sie wirklich so weit? M\u00fcssen wir den Weltoberpolizisten wirklich bei allen seinen Aktionen unterst\u00fctzen? Sind wir so eine Art Hilfssheriff? Gleiche Rechte haben wir sowieso nicht. Man muss sich nur mal \u00fcberlegen, was passiert w\u00e4re, wenn der BND das Handy von Obama abgeh\u00f6rt h\u00e4tte? Ob er dann wohl auch als freundlicher Onkel auf Abschiedstour gekommen w\u00e4re? Man h\u00e4tte sich vermutlich f\u00fcnf mal entschuldigt f\u00fcr so ein schreckliches Versehen ganz unbedeutender unterer Instanzen. Vielleicht h\u00e4tte aber auch die Regierung zur\u00fccktreten m\u00fcssen. Wie hat George Orwell mal geschrieben? Alle sind gleich, aber einige sind noch gleicher.<\/p>\n<p><strong>Die deutsche Au\u00dfenpolitik geh\u00f6rt auf den Pr\u00fcfstand<\/strong><\/p>\n<p>Doch zur\u00fcck zu den Fl\u00fcchtlingen. Unsere Gesellschaft ist nicht nur auf schnellen Output gepolt, sondern sie vergisst auch schnell. Nach 1990 sind mehr als zwei Millionen \u00dcbersiedler aus der fr\u00fcheren Sowjetunion und Osteuropa zu uns gekommen. Sie kamen als so genannte Volksdeutsche, obwohl manche nicht viel mehr Deutsch konnten als \u201ebitte\u201c und \u201edanke\u201c sagen. Das machte am Anfang einige Probleme, aber heute sind das keine mehr. Die Zuwanderer sind integriert, die Deutsch-Kurse hatten Erfolg. Warum soll dies jetzt anders sein?<\/p>\n<p><strong>Je geringer der Ausl\u00e4nderanteil, umso gr\u00f6\u00dfer die Ausl\u00e4nderfeindlichkeit<\/strong><\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich taucht die These auf, die deutsche Bev\u00f6lkerung werde zur Minderheit im eigenen Land, \u00fcberall w\u00fcrden Moscheen gebaut. Mit Realit\u00e4t l\u00e4sst sich das nicht begr\u00fcnden: Wie soll eine Minderheit von nicht mal zehn Prozent pl\u00f6tzlich in unserer Gesellschaft den Ton angeben? Doch \u00c4ngste sind oft irrational: Je geringer der Ausl\u00e4nderanteil, umso gr\u00f6\u00dfer die Ausl\u00e4nderfeindlichkeit. Und noch eines: Deutschland war schon immer ein Einwanderungsland, was mit seiner wirtschaftlichen St\u00e4rke zusammenh\u00e4ngt. Woher kommen denn die vielen Namen polnischen Ursprungs, die Kowalskis, Kwiatkowskis und Lojewskis, im Ruhrgebiet und anderw\u00e4rts? Sind das denn keine Deutschen geworden? Di Fabio hei\u00dft ein bekannter Verfassungsrichter, \u00fcbrigens Sohn italienischer Gastarbeiter. Wo liegt das Problem? Wir haben im Gegenteil eine schlechte Bev\u00f6lkerungspyramide mit viel zu wenig jungen Menschen: Durch die Zuwanderung wird dies ein St\u00fcck weit ausgeglichen.<\/p>\n<p><strong>Keine Arbeitenden erster und zweiter Klasse zulassen<\/strong><\/p>\n<p>Solidarit\u00e4t bezieht sich nicht nur auf Menschen, die unmittelbar Hilfe brauchen. Es geht auch darum, in den Betrieben keine Arbeitenden erster und zweiter Klasse zuzulassen. Ich meine damit die Leiharbeitnehmer und die Besch\u00e4ftigten, die auf Grund von Werkvertr\u00e4gen in die Betriebe kommen. Im Koalitionsvertrag der Regierungsparteien hei\u00dft es, dass man die Stellung der Leiharbeiter verbessern und auch die Werkvertr\u00e4ge regeln wolle. Das Arbeitsministerium hat zun\u00e4chst einen Gesetzentwurf vorgelegt, der genau das umsetzen wollte, was im Koalitionsvertrag drinstand. Doch der CSU war dies schon zu viel und sie legte ihr Veto ein. Nunmehr haben wir einen verd\u00fcnnten Entwurf, der zwischen den Ministerien kursiert. Ob er es auch nur zum Regierungsentwurf bringt, ist fraglich; noch mehr muss man zweifeln, ob er vom Parlament verabschiedet wird.<\/p>\n<p><strong>Im Zweifel ist bei der SPD &#8222;Einknicken&#8220; angesagt<\/strong><\/p>\n<p>Mit der SPD ist es wie fr\u00fcher mit den Gewerkschaften: Man hat nicht den Eindruck, dass sie f\u00fcr ihre Vorstellungen wirklich k\u00e4mpft. Dabei geht es mir nicht um Personen: ich w\u00fcrde von Andrea Nahles nach einigem Nachdenken durchaus einen Gebrauchtwagen kaufen, mir allerdings die letzte T\u00dcV-Diagnose sehr genau ansehen oder einen Experten mitnehmen. Es geht mir um die Politik der Gesamtorganisation: Im Zweifel ist \u201eEinknicken\u201c angesagt. In den Wahlen gibt\u00b4s dann die Quittung. Dennoch macht man weiter wie bisher; die Lernf\u00e4higkeit dieser Organisation ist nicht besonders ausgepr\u00e4gt \u2013 um es diplomatisch zu formulieren.<\/p>\n<p><strong>Kurt Tucholsky: Du glaubst, du tust was f\u00fcr den sozialen Fortschritt, aber mit der Partei kommt er nie<\/strong><\/p>\n<p>Regeln allein f\u00fcr die Leiharbeit zu machen und bei Werkvertr\u00e4gen nur ein Informationsrecht des Betriebsrats vorzusehen \u2013 wie es der Entwurf vorsieht \u2013\u00a0bringt nichts. Viele T\u00e4tigkeiten von Leiharbeitnehmern lassen sich auch \u00fcber Werkvertr\u00e4ge erledigen. Solange man diese nicht gleichwertig mitregelt, sind die ganzen Bem\u00fchungen umsonst, weil der Arbeitgeber automatisch in Werkvertr\u00e4ge ausweicht. Fr\u00fcher gab es mal einen Tarifvertrag im Bergbau, der gerade die Werkvertr\u00e4ge erfasste: Der Arbeitgeber durfte zwar weiterhin Aufgaben nach au\u00dfen vergeben, aber nur unter einer Bedingung: Die f\u00fcr den anderen Unternehmer Arbeitenden mussten nach Tarifvertrag bezahlt werden. Das k\u00f6nnte heute noch ein Vorbild sein: Vielleicht in der n\u00e4chsten Metall-Tarifrunde? Es von der Arbeitsministerin zu erwarten, ist so, wie wenn man Gerechtigkeit vom J\u00fcngsten Gericht erwartet. Frei nach Kurt Tucholsky: Du glaubst, du tust was f\u00fcr den sozialen Fortschritt, aber mit der Partei kommt er nie.<\/p>\n<p><strong>Altersarmut im reichen Deutschland ist eine Schande<\/strong><\/p>\n<p>Was wir brauchen ist eine breite soziale Bewegung f\u00fcr faire Arbeitsbedingungen und weniger Ungleichheit in der Gesellschaft. Der Mindestlohn war ein richtiger Schritt, und er kam nur, weil es in der Bev\u00f6lkerung wie in der \u00d6ffentlichkeit eine breite Mehrheit daf\u00fcr gab. Das ist ein Beispiel, das uns Mut machen kann. Wir sollten nicht mehr weiter zuschauen, wie die Renten immer mehr abgeschmolzen werden. Heute liegt das Rentenniveau im Durchschnitt bei 46 Prozent, in 14 Jahren soll es nur noch bei 39 Prozent des aktiven Gehalts liegen. Altersarmut wird so f\u00fcr viele Realit\u00e4t. F\u00fcr ein so reiches Land wie die Bundesrepublik ist das eine Schande.<\/p>\n<p><strong>Die Reichen zur Kasse bitten \u2013 Eigentum verpflichtet<\/strong><\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen uns das nicht gefallen lassen. Wir k\u00f6nnen das oberste Prozent der Bev\u00f6lkerung zur Kasse bitten, dem ein Drittel des ganzen Volksverm\u00f6gens geh\u00f6rt. Oder noch besser: Das oberste Promille, also rund 80.000 Menschen, hat 16 mal mehr Verm\u00f6gen als die ganze untere H\u00e4lfte der Gesellschaft. Im Grundgesetz hei\u00dft es nicht: Das Eigentum ist heilig. Vielmehr hei\u00dft es: Das Eigentum verpflichtet.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen uns wehren und wir m\u00fcssen zusammen stehen: Dann erreichen wir wirkliche Reformen und eine bessere Gesellschaft.<\/p>\n<div class=\"pdf24Plugin-cp\"> \t<form name=\"pdf24Form0\" method=\"post\" action=\"https:\/\/doc2pdf.pdf24.org\/wordpress.php\" target=\"pdf24PopWin\" onsubmit=\"var pdf24Win = window.open('about:blank', 'pdf24PopWin', 'resizable=yes,scrollbars=yes,width=600,height=250,left='+(screen.width\/2-300)+',top='+(screen.height\/3-125)+''); pdf24Win.focus(); if(typeof pdf24OnCreatePDF === 'function'){void(pdf24OnCreatePDF(this,pdf24Win));}\"> \t\t<input type=\"hidden\" name=\"blogCharset\" value=\"Cw1x07UAAA==\" \/><input type=\"hidden\" name=\"blogPosts\" value=\"MwQA\" \/><input type=\"hidden\" name=\"blogUrl\" value=\"yygpKSi20tcvLy\/Xy8jPSM3LARK6pXnpqWmZOSWpRSV6KakA\" \/><input type=\"hidden\" name=\"blogName\" value=\"88jPSM3LARK6pXnpqWmZOSWpRSUA\" \/><input type=\"hidden\" 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\/> \t\t<a href=\"https:\/\/www.pdf24.org\" target=\"_blank\" title=\"www.pdf24.org\" rel=\"nofollow\"><img src=\"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/wp-content\/plugins\/pdf24-post-to-pdf\/img\/pdf_32x32.png\" alt=\"\" border=\"0\" height=\"32\" \/><\/a> \t\t<span class=\"pdf24Plugin-cp-space\">&nbsp;&nbsp;<\/span> \t\t<span class=\"pdf24Plugin-cp-text\">Sende Artikel als PDF<\/span> \t\t<span class=\"pdf24Plugin-cp-space\">&nbsp;&nbsp;<\/span> \t\t<input class=\"pdf24Plugin-cp-input\" style=\"margin: 0px;\" type=\"text\" name=\"sendEmailTo\" placeholder=\"Emailadresse\" \/> \t\t<input class=\"pdf24Plugin-cp-submit\" style=\"margin: 0px;\" type=\"submit\" value=\"Senden\" \/> \t<\/form> <\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hauptredner bei der Mai-Kundgebung 2016 in Schw\u00e4bisch Hall war\u00a0Professor Dr. Wolfgang D\u00e4ubler, Professor f\u00fcr Arbeitsrecht an der Universit\u00e4t Bremen. D\u00e4ubler sprach schon 1978 bei einer Mai-Feier in Schw\u00e4bisch Hall. Ein Leserbriefschreiber beschwerte sich anschlie\u00dfend \u00fcber &#8222;kommunistische Propaganda&#8220; in der Lokalzeitung. Von\u00a0Wolfgang D\u00e4ubler, Redner am 1. 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