{"id":19926,"date":"2015-09-24T14:23:33","date_gmt":"2015-09-24T13:23:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/?p=19926"},"modified":"2015-09-26T14:23:46","modified_gmt":"2015-09-26T13:23:46","slug":"oekokatastrophe-in-der-jagst-der-nabu-beantwortet-die-haeufigsten-fragen-und-fordert-konsequenzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/?p=19926","title":{"rendered":"\u00d6kokatastrophe in der Jagst \u2013 Der Nabu beantwortet die h\u00e4ufigsten Fragen und fordert Konsequenzen"},"content":{"rendered":"<p><strong>In der Jagst, einem Nebenfluss des Neckar, ist ein katastrophales Massensterben in Gang. Nach dem Brand einer M\u00fchle bei Kirchberg am Sonntag (23. August 2015) ist mit Kunstd\u00fcnger verseuchtes L\u00f6schwasser in den Fluss gelangt und t\u00f6tete dort viele tausend Fische und andere Tiere.<\/strong><\/p>\n<p><em>Informationen des Umweltschutzverbands NABU<\/em><\/p>\n<p><strong>Der NABU beantwortet h\u00e4ufig gestellte Fragen zur Umweltkatasrophe in der Jagst (Stand: 27. August 2015):<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wie schlimm ist es?<\/strong><\/p>\n<p>Bereits nach zwei Tagen waren vier Tonnen toter Fische geborgen worden. Tendenz: schnell steigend. Die Jagst ist von Kirchberg flussabw\u00e4rts praktisch fischfrei, denn die Konzentration des Giftes ist so hoch, dass kaum Fische \u00fcberleben konnten. Stellenweise wurden zu Anfang Werte gemessen, die 100 Mal h\u00f6her waren, als der Wert, ab dem die Konzentration f\u00fcr Fische t\u00f6dlich wirkt.<\/p>\n<p>Neben den Fischen trifft die Vergiftung die gesamte Tierwelt im und am Fluss: Von Insektenlarven, Bachflohkrebse, Schnecken und W\u00fcrmern bis hin zum Eisvogel und anderen Tieren, die sich von Fischen ern\u00e4hren. Ihnen ist bis auf weiteres die komplette Nahrungsgrundlage entzogen. Dass das Ungl\u00fcck ausgerechnet die Jagst trifft, ist besonders tragisch: Sie war bislang in einem \u00f6kologisch guten Zustand, weshalb auch viele Natura 2000- und Naturschutzgebiete dort eingerichtet wurden.<\/p>\n<p><strong>Welche Giftstoffe sind verantwortlich?<\/strong><\/p>\n<p>Mit dem L\u00f6schwasser sind gro\u00dfe Mengen landwirtschaftlichen Kunstd\u00fcngers in die Jagst gesp\u00fclt worden. Dieser wurde in der ehemaligen M\u00fchle in gr\u00f6\u00dferer Menge gelagert. Sobald der Kunstd\u00fcnger ins Flusswasser ger\u00e4t, beginnen chemische Reaktionen \u2013 abh\u00e4ngig von unterschiedlichen Faktoren wie Temperatur und ph-Wert. Dabei entstehen verschiedene Stoffe, so zum Beispiel Ammoniak, das f\u00fcr Fische \u00e4u\u00dferst giftig ist.<\/p>\n<p>[Aktualisierung vom 02.09.2015: Bislang teilten die Beh\u00f6rden mit, dass es sich bei dem Kunstd\u00fcnger um Ammoniumnitrat handelte. Das hatten wir an dieser Stelle so weitergegeben. Inzwischen gibt es neuere Meldungen, dass es sich stattdessen um Kalkammonsulfat gehandelt haben soll. Die Auswirkungen w\u00e4ren in beiden F\u00e4llen sehr \u00e4hnlich.]<\/p>\n<p><strong>Sind Menschen gef\u00e4hrdet?<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr Menschen geht nach derzeitigem Kenntnisstand keine Gefahr aus. Die Beh\u00f6rden haben ein Trink- und Bade-Verbot f\u00fcr die Jagst erlassen. Daran muss man sich auf jeden Fall halten. Es wird voraussichtlich in den kommenden Wochen relativ z\u00fcgig wieder aufgehoben werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Was wird derzeit getan, um den Schaden zu begrenzen? Und ist das sinnvoll?<\/strong><\/p>\n<p>Es wird versucht, belastetes Wasser aus der Jagst abzupumpen. Dieses Wasser kann entweder in Kl\u00e4ranlagen aufbereitet oder auf Feldern ausgebracht werden. Eine weitere Ma\u00dfnahme ist, das belastete Wasser zu verd\u00fcnnen, etwa mit sauberem Wasser aus dem Kocher. Dieses Vorgehen kann den nat\u00fcrlichen Verd\u00fcnnungsprozess unterst\u00fctzen und helfen, die Konzentrationen schneller zu senken.<\/p>\n<p>Zudem wird versucht, Sauerstoff ins Gew\u00e4sser zu bringen. Da die Jagst derzeit wenig Wasser f\u00fchrt und dieses relativ warm ist, ist der Sauerstoffgehalt im Wasser niedrig. Mehr Sauerstoff beschleunigt zum einen das Bakterienwachstum, das wiederum den Abbau der Giftstoffe f\u00f6rdert. Zum anderen unterst\u00fctzt der Sauerstoff die \u00fcberlebenden Fische und anderen Tiere direkt. Deshalb kann auch diese Ma\u00dfnahme dabei helfen, den Schaden zu begrenzen.<\/p>\n<p><strong>Das belastete Wasser wird auf Felder gepumpt. Vergiftet das nun die \u00c4cker?<\/strong><\/p>\n<p>Nein. Da der im Wasser gel\u00f6ste Kunstd\u00fcnger sowieso auf \u00c4cker der Region h\u00e4tte ausgebracht werden sollen, entsteht kein zus\u00e4tzlicher Schaden. Die verheerende Giftwirkung entfaltet der Stoff in Gew\u00e4ssern.<\/p>\n<p><strong>Wann erreicht das belastete Wasser den Neckar?<\/strong><\/p>\n<p>Das h\u00e4ngt sehr stark von der Flie\u00dfgeschwindigkeit ab, die nicht konstant ist. Daher kann noch niemand vorhersehen, wann das giftige Wasser den Neckar erreicht. Aufgrund der derzeitigen Flie\u00dfgeschwindigkeit gehen die Fachleute davon aus, dass das Wasser Anfang der kommenden Woche (31.8.15) den Neckar erreicht. Es besteht Hoffnung, dass die Giftwelle bis dahin so weit verd\u00fcnnt ist, dass es im Neckar zu keinem Massensterben kommen wird \u2013 sicherlich aber zu einer ernsten Belastung des \u00d6kosystems.<\/p>\n<p><strong>Wann wird sich der Zustand der Jagst normalisiert haben?<\/strong><\/p>\n<p>Das belastete Wasser flie\u00dft relativ z\u00fcgig ab. Am Unfallort selbst ist die Belastung mittlerweile deutlich abgeklungen, wenn auch bei weitem noch nicht verschwunden. Das giftige Wasser flie\u00dft weiter flussabw\u00e4rts. Unklar ist, ob sich dauerhaft Giftstoffe etwa in der Sohle absetzen. Die Giftwelle l\u00e4sst einen fast tierfreien Fluss zur\u00fcck. Dieser wird in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren wieder besiedelt werden. Bis jedoch der Fischreichtum und das \u00fcbrige tierische Leben wieder so vielf\u00e4ltig und stabil sind wie vor dem Unfall, werden voraussichtlich f\u00fcnf bis zehn Jahre vergehen.<\/p>\n<p><strong>Welche Konsequenzen fordert der NABU?<\/strong><\/p>\n<p>Die M\u00f6glichkeiten, die Sch\u00e4den jetzt noch zu minimieren, sind leider sehr begrenzt. Umso wichtiger ist, dass in den kommenden Wochen intensiv erforscht wird, wie es zu diesem Ungl\u00fcck kommen konnte, ob Fehler gemacht wurden und ob gegebenenfalls Vorschriften ge\u00e4ndert werden m\u00fcssen. So ist es nach derzeitigem Stand f\u00fcr den NABU schwer nachvollziehbar, wieso derart gew\u00e4ssergef\u00e4hrdende Stoffe so nah an einem Fluss gelagert werden d\u00fcrfen. Die Ursachen des Ungl\u00fccks m\u00fcssen restlos aufgekl\u00e4rt werden, um die richtigen Konsequenzen daraus ziehen zu k\u00f6nnen. Daf\u00fcr setzt sich der NABU bei den Beh\u00f6rden intensiv ein.<\/p>\n<p><strong>Danke f\u00fcr Notfall-Hilfe!<\/strong><\/p>\n<p>Allen Helferinnen und Helfern \u2013 vor allem den vielen hundert Feuerwehrleuten sowie den Mitgliedern von Fischereivereinen und Naturschutzgruppen \u2013 dankt der NABU f\u00fcr den gro\u00dfen Einsatz, den sie in dieser akuten Notsituation erbringen.<\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen im Internet:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/baden-wuerttemberg.nabu.de\/natur-und-landschaft\/gewaesser\/19411.html\" target=\"_blank\">https:\/\/baden-wuerttemberg.nabu.de\/natur-und-landschaft\/gewaesser\/19411.html<\/a><\/p>\n<p><strong>Jagst: LNV und NABU fordern Konsequenzen<\/strong><\/p>\n<p><strong> Beh\u00f6rden waren anfangs \u00fcberfordert<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bei Landesnaturschutzverband (LNV) und NABU herrscht Entsetzen \u00fcber das Ausma\u00df der Umweltkatastrophe an der Jagst. NABU und LNV fordern strengere Auflagen und Kontrollen bei der Lagerung gew\u00e4ssertoxischer Stoffe und einen Ma\u00dfnahmenplan f\u00fcr die \u00f6kologische Gesundung der Jagst.<\/strong><\/p>\n<p><em>Informationen des NABU vom\u00a027. August 2015<\/em><\/p>\n<p><strong>Ma\u00dfnahmenplan f\u00fcr \u00f6kologische Gesundung gefordert<\/strong><\/p>\n<p>Es sei zu bef\u00fcrchten, dass der sehr hohe Artenreichtum dieses baden-w\u00fcrttembergischen Naturschutzjuwels \u2013 mit zahlreichen Schutzgebieten dekoriert \u2013 auf absehbare Zeit verloren sei. NABU und LNV fordern strengere Auflagen und Kontrollen bei der Lagerung gew\u00e4ssertoxischer Stoffe und einen Ma\u00dfnahmenplan f\u00fcr die \u00f6kologische Gesundung der Jagst.<\/p>\n<p><strong>Hilfsbereitschaft ist beeindruckend<\/strong><\/p>\n<p>Beeindruckt sind die beiden Naturschutzverb\u00e4nde von der Einsatzbereitschaft der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. \u201eWas die Freiwilligen von Feuerwehren, Fischereivereinen und Naturschutzgruppen hier leisten, ist absolut beeindruckend. F\u00fcr diesen gro\u00dfen Einsatz danken wir im Namen der Natur ganz herzlich\u201c, sagt der NABU-Landesvorsitzende Andre Baumann.<\/p>\n<p><strong>Beh\u00f6rden lie\u00dfen wertvolle Zeit verstreichen<\/strong><\/p>\n<p>Von den Beh\u00f6rden indes habe man den Eindruck, dass sie insbesondere zu Beginn der Gew\u00e4sserkatastrophe \u00fcberfordert waren. Weil lange unklar war, welche Ma\u00dfnahmen die richtigen sind, ging wertvolle Zeit verloren. \u201eWir stellen daher die Frage, ob man sich bei Katastrophen- und Brandschutz\u00fcbungen zu sehr auf Schadensf\u00e4lle im Verkehrs- und Siedlungsbereich konzentriert hat und daher auf solche Umweltkatastrophen zu wenig vorbereitet ist\u201c, sagt der LNV-Vorsitzende Gerhard Bronner. Das gelte es f\u00fcr die Zukunft nachzubessern. Inzwischen l\u00e4uft der Gro\u00dfeinsatz nach Einsch\u00e4tzung von LNV und NABU zufriedenstellend. Es gebe Hoffnung, dass wenigstens der Unterlauf der Jagst sowie der Neckar geringeren Schaden erleide.<\/p>\n<p><strong>NABU und LNV fordern Konsequenzen:<\/strong><\/p>\n<p>LNV und NABU legen gr\u00f6\u00dften Wert darauf, dass aus den gesamten Ereignissen Konsequenzen gezogen werden. \u201eDie der Katastrophe zugrunde liegenden Vorg\u00e4nge m\u00fcssen in v\u00f6lliger Offenheit analysiert werden\u201c, fordern Bronner und Baumann. Dies beginne bereits bei der Bau- und Betriebsgenehmigung des Lagergeb\u00e4udes und bei der Frage, welche Informationen \u00fcber Gefahrgut und Wasserableitung auf dem Betriebsgel\u00e4nde der Feuerwehr beim Einsatz vorlagen.<\/p>\n<p><strong>Regelm\u00e4\u00dfige Kontrolle gew\u00e4hrleisten<\/strong><\/p>\n<p>Da es zum einen landesweit zahlreiche \u00e4hnliche Konstellationen gibt, wo an Fl\u00fcssen liegende M\u00fchlen auch Handel mit D\u00fcnger und Pflanzenschutzmitteln betreiben, es zum anderen in M\u00fchlen relativ h\u00e4ufig brennt, m\u00fcsse auch grunds\u00e4tzlich \u00fcber die Lagerung von hoch gew\u00e4ssertoxischen Stoffen in Flussn\u00e4he nachgedacht werden. Zur Diskussion stehe ein grunds\u00e4tzliches Verbot der Lagerung in Gew\u00e4ssern\u00e4he oder eine besonders abgeschirmte, v\u00f6llig brandsichere Lagerung, wie sie heute schon f\u00fcr bestimmte Pflanzenschutzmittel gilt. Im \u00dcbrigen gelte diese Problematik auch f\u00fcr Landwirtschaftsbetriebe, die gr\u00f6\u00dfere Vorr\u00e4te solcher D\u00fcnger in Gew\u00e4ssern\u00e4he lagern. Die regelm\u00e4\u00dfige Kontrolle der ordnungsgem\u00e4\u00dfen Lagerung, der Brandschutzeinrichtungen und der Oberfl\u00e4chenentw\u00e4sserung f\u00fcr D\u00fcnger- und Gefahrstofflagerst\u00e4tten m\u00fcsse gew\u00e4hrleistet sein.<\/p>\n<p><strong>Selbstheilungskraft des Gew\u00e4ssersystems st\u00e4rken<\/strong><\/p>\n<p>LNV und NABU fordern, sich bereits jetzt Gedanken zu machen, wie dem \u00d6kosystem Jagst am besten geholfen werden kann. \u201eBevor man dar\u00fcber nachdenkt, Fische einzusetzen, m\u00fcssen die Kleinstlebewesen als Basis der Nahrungskette aus Seitengew\u00e4ssern und Oberlauf der Jagst wieder einwandern sowie die nat\u00fcrliche Zuwanderung von Fischen gef\u00f6rdert werden\u201c, sagen Bronner und Baumann. Die Zufl\u00fcsse zur Jagst und ihr Oberlauf spielen daher eine entscheidende Rolle bei der Wiederbesiedlung. \u201eZiel muss es sein, die Selbstheilungskraft des Gew\u00e4ssersystems zu st\u00e4rken\u201c, betonen die Vorsitzenden. Mit einem Monitoring m\u00fcsse die Entwicklung \u00fcberwacht werden. LNV und NABU sehen dazu das Regierungspr\u00e4sidium in der Pflicht, die Koordination f\u00fcr einen solchen Ma\u00dfnahmenplan zu \u00fcbernehmen und bieten ihre Mitwirkung an.<\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen im Internet:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/baden-wuerttemberg.nabu.de\/natur-und-landschaft\/gewaesser\/19412.html\" target=\"_blank\">https:\/\/baden-wuerttemberg.nabu.de\/natur-und-landschaft\/gewaesser\/19412.html<\/a><\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen zur \u00d6kokatastrophe in der Jagst von der Internetseite des Umweltschutzverbands Greenpeace:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Giftiges L\u00f6schwasser in der Jagst bedroht Lebensr\u00e4ume in Fl\u00fcssen im S\u00fcdwesten Deutschlands.\u00a0Verseuchtes Wasser macht den Nebenfluss des Neckars zur Todesfalle f\u00fcr Tausende Fische. Beh\u00f6rden warnen vor Kanufahren und Baden, Angler kritisieren das Krisenmanagement.<\/strong><\/p>\n<p><em>Von der Deutschen Presseagentur (Stand: 25. August 2015)<\/em><\/p>\n<p><strong>Schon tausende tote Tiere<\/strong><\/p>\n<p>Kirchberg an der Jagst (dpa) \u2013\u00a0L\u00f6scharbeiten bei einem M\u00fchlenbrand in Baden-W\u00fcrttemberg haben eine Umweltkatastrophe ausgel\u00f6st. \u00dcber das L\u00f6schwasser wurde giftiges Ammonium in den Fluss Jagst gesp\u00fclt, der in den Neckar m\u00fcndet. Fischvereine holten schon tausende tote Tiere aus dem Wasser. Das Landratsamt Schw\u00e4bisch Hall bem\u00fcht sich laut einer Sprecherin darum, die Giftkonzentration zu verringern. \u00abDas ist eine \u00f6kologische Katastrophe. Das ist das Aus f\u00fcr die Lebewesen in der Jagst\u00bb, sagte sie am Dienstag. Aus Sicht von Achim Thoma vom Angelsportverein Jagst Langenburg hat die Beh\u00f6rde viel zu sp\u00e4t reagiert. Er sieht das gesamte \u00d6kosystem in Gefahr. Wie weit sich das Gift im Wasser noch verbreitet, ist nicht absehbar.<\/p>\n<p><strong>Sauberes Wasser hineinspritzen<\/strong><\/p>\n<p>Bei dem Gro\u00dfbrand in der Nacht zum Sonntag in Kirchberg an der Jagst war auch ein Geb\u00e4ude betroffen, in dem gr\u00f6\u00dfere Mengen D\u00fcngemittel lagerten. Darin ist Ammonium enthalten. Trotz Vorsichtsma\u00dfnahmen der Feuerwehr gelangte verunreinigtes L\u00f6schwasser in die Jagst. Eine\u00a0Beh\u00f6rdensprecherin erkl\u00e4rte, die Feuerwehr erh\u00f6he den Sauerstoffgehalt im Fluss durch Zuspritzen sauberen Wassers. Das solle den Schadstoffabbau beschleunigen. Andererseits werde belastetes Wasser an einem Wehr in Langenburg in eine Kl\u00e4ranlage gepumpt. Landwirte transportierten verseuchtes Wasser ab und verteilten es auf Feldern. Ein Speicherbecken wurde ge\u00f6ffnet, um Frischwasser in die Jagst zu leiten.<\/p>\n<p><strong>Wasser flie\u00dft nur langsam<\/strong><\/p>\n<p>Dennoch flie\u00dfe kontaminiertes Wasser flussabw\u00e4rts, sagte die Sprecherin. In rund einer Woche k\u00f6nnte es die Neckarm\u00fcndung erreichen. Mit einer Flie\u00dfgeschwindigkeit von 400 Metern pro Stunde sei der Fluss dieser Tage vergleichsweise ruhig. Das Landratsamt im benachbarten Hohenlohekreis rechnete f\u00fcr den Abend damit, dass belastetes Wasser in seinem Zust\u00e4ndigkeitsbereich ankommt. Die Freiwilligen Feuerwehren st\u00fcnden zur Bel\u00fcftung bereit.<\/p>\n<p><strong>Kritischen Wert 200-fach \u00fcberschritten<\/strong><\/p>\n<p>Je nach Fischart sei eine Ammonium-Konzentration von 0,5 bis 1 Milligramm pro Liter f\u00fcr die Tiere t\u00f6dlich, hatte das Landratsamt Schw\u00e4bisch Hall mitgeteilt. Der kritische Wert wurde nach fr\u00fcheren Angaben anfangs an einigen Stellen bis zum 200-Fachen \u00fcberschritten. Am Dienstag habe eine Probe in der Schadstoffblase 23 Milligramm pro Liter ergeben, sagte die Sprecherin. \u00abDas ist zwar deutlich weniger \u2013\u00a0aber nat\u00fcrlich immer noch viel zu viel.\u00bb<\/p>\n<p><strong>&#8222;Krisenmanagement des Landratsamts ist sehr schlecht&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Die Sprecherin r\u00e4umte ein, die Beh\u00f6rde sei anfangs davon ausgegangen, die Ma\u00dfnahmen zur Verd\u00fcnnung des Wassers griffen schneller. Der Angelvereinsvorsitzende Thoma sagte: \u00abDas Krisenmanagement des Landratsamts ist sehr schlecht.\u00bb Die einzige wirksame Ma\u00dfnahme sei es, die Jagst komplett zu sperren und das Wasser abzupumpen.<\/p>\n<p><strong>Gro\u00dfer Schaden an der Natur<\/strong><\/p>\n<p>\u00abDas ist ein \u00f6kologisches Desaster\u00bb, sagte Thoma. Zum einen seien in der Jagst gesch\u00fctzte Fischarten wie M\u00fchlkoppe, Schneider und Nase beheimatet. Zum anderen seien von der Vergiftung auch andere Lebewesen betroffen wie etwa unmittelbar Bachflohkrebse oder infolge des Fischsterbens auch der Eisvogel. \u00abDer frisst lebende Fische. Nun werden ganze Populationen abziehen\u00bb, sagte Thoma. \u00abEs werden viele Jahre n\u00f6tig sein, um das \u00d6kosystem wieder aufzubauen.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Fische in die\u00a0Tierk\u00f6rperbeseitigungsanlage<\/strong><\/p>\n<p>Wie hoch der Schaden und die Kosten f\u00fcr den Einsatz sind, l\u00e4sst sich derzeit weder aus Sicht von Thoma noch vonseiten der Beh\u00f6rde beziffern. Allein in Kirchberg habe der Fischverein schon sechs bis acht Tonnen tote Fische aus dem Wasser geholt, sagte Thoma. In Langenburg w\u00fcrden es sch\u00e4tzungsweise ebenso viele. Die Kadaver sollen laut Landratsamt in einer Tierk\u00f6rperbeseitigungsanlage entsorgt werden. Hunderte Helfer sind im Einsatz.<\/p>\n<p><strong>Nicht baden, fischen und kein Wasser entnehmen<\/strong><\/p>\n<p>Das Landratsamt im benachbarten Heilbronn machte auf Gefahren auch f\u00fcr Menschen aufmerksam und riet dringend davon ab, in der Jagst zu baden, zu fischen, Wasser zu entnehmen oder Kanu zu fahren. Die Warnung gilt bis Montag.\u00a0Das Feuer in dem M\u00fchlenbetrieb hat einen Schaden in Millionenh\u00f6he angerichtet. Die Brandursache war am Dienstag zun\u00e4chst unklar.<\/p>\n<p><strong>Info zu Kunstd\u00fcnger:<\/strong><\/p>\n<p>Ammonium (NH4+) ist eine ionisierte, positiv geladene Form der Chemikalie Ammoniak (NH3), das wiederum eine gasf\u00f6rmige Verbindung von Stickstoff (N) und Wasserstoff (H) ist. In Verbindung mit anderen Stoffen bildet Ammonium laut Gesellschaft deutscher Chemiker feste Salze. Diese sind typischer Bestandteil in D\u00fcngemitteln.<\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen auf der Internetseite von Greenpeace:\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.greenpeace-magazin.de\/tickerarchiv\/giftiges-loeschwasser-bedroht-lebensraeume-fluessen-suedwesten-von-nico-andel-und-marco\" target=\"_blank\">https:\/\/www.greenpeace-magazin.de\/tickerarchiv\/giftiges-loeschwasser-bedroht-lebensraeume-fluessen-suedwesten-von-nico-andel-und-marco<\/a><\/p>\n<div class=\"pdf24Plugin-cp\"> \t<form name=\"pdf24Form0\" method=\"post\" action=\"https:\/\/doc2pdf.pdf24.org\/wordpress.php\" target=\"pdf24PopWin\" onsubmit=\"var pdf24Win = window.open('about:blank', 'pdf24PopWin', 'resizable=yes,scrollbars=yes,width=600,height=250,left='+(screen.width\/2-300)+',top='+(screen.height\/3-125)+''); pdf24Win.focus(); if(typeof pdf24OnCreatePDF === 'function'){void(pdf24OnCreatePDF(this,pdf24Win));}\"> \t\t<input type=\"hidden\" name=\"blogCharset\" value=\"Cw1x07UAAA==\" \/><input 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Nach dem Brand einer M\u00fchle bei Kirchberg am Sonntag (23. August 2015) ist mit Kunstd\u00fcnger verseuchtes L\u00f6schwasser in den Fluss gelangt und t\u00f6tete dort viele tausend Fische und andere Tiere. Informationen des Umweltschutzverbands NABU Der NABU beantwortet h\u00e4ufig gestellte Fragen zur Umweltkatasrophe [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,9,2,4,3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19926"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=19926"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19926\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19970,"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19926\/revisions\/19970"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=19926"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=19926"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=19926"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}