{"id":18215,"date":"2014-08-09T17:48:54","date_gmt":"2014-08-09T16:48:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/?p=18215"},"modified":"2014-08-09T17:52:12","modified_gmt":"2014-08-09T16:52:12","slug":"die-entfuhrung-ella-rettet-in-schwabisch-hall-einen-schriftsteller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/?p=18215","title":{"rendered":"&#8222;Die Entf\u00fchrung&#8220; \u2013\u00a0Ella Fuchs rettet in Schw\u00e4bisch Hall einen verfolgten Schriftsteller"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zum Abschluss der Tagung des deutschen PEN-Clubs in Schw\u00e4bisch Hall 2014 lasen Antonia Michaelis, Andreas Steinh\u00f6fel und Paul Maar im Kino im Schafstall. Mit freundlicher Genehmigung der Autorin ver\u00f6ffentlicht Hohenlohe-ungefiltert die dort von Antonia Michaelis vorgetragene Kurzgeschichte. Sie handelt von einem &#8222;verfolgten Schriftsteller&#8220; und einer abenteuerlichen Rettung in Schw\u00e4bisch Hall.<\/strong><\/p>\n<p><em>Kurzgeschichte von Antonia Michaelis<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><strong>Bei Wasser und Brot<\/strong><\/p>\n<p><em><\/em>Es war gleich klar, dass der Schriftsteller gerettet werden musste. Na ja, fast. Zuerst sa\u00dfen sie nur in der vierten Reihe herum, und Jonas fragte, wieso sie in einem SCHAFSTALL sa\u00dfen.<br \/>\n\u201eDas ist nur historisch ein Schafstall, jetzt ist es ein Theater, und das wei\u00dft du ganz genau\u201c, fl\u00fcsterte Ella. \u201eAu\u00dferdem ist das hier eine Tagung des PEN-Clubs.\u201c<br \/>\n\u201eAch\u201c, sagte Jonas, \u201eund warum treffen die sich in einem Schafstall, wenn sie pennen wollen?\u201c<br \/>\n\u201ePssst!\u201c, sagt Ellas Mutter.<br \/>\nElla verdrehte die Augen. \u201eDie pennen nicht, die setzen sich f\u00fcr arme gefangene Schriftsteller ein! Schriftsteller, die nicht ihre Meinung sagen d\u00fcrfen. Schriftsteller, die bei Wasser und Brot in fiesen Diktaturen in dusteren Gef\u00e4ngniszellen vor sich hin &#8230; vor sich hin &#8230; na&#8230;\u201c<br \/>\n\u201eVor sich hin schreiben?\u201c, schlug Jonas vor.<br \/>\n\u201eRichtig\u201c, fl\u00fcsterte Ella. \u201eUnd jetzt lesen hier andere Schriftsteller was vor, damit man von den Einnahmen den gefangenen Schriftstellern mehr &#8230; Wasser und Brot besorgen kann. Glaube ich. Das wird total spannend.\u201c<\/p>\n<p><strong>Abenteuer lieber selbst erleben<\/strong><\/p>\n<p>Tiger g\u00e4hnte. Er war kein Tiger, sondern Jonas\u2019 schwarzer Hund. Beide besuchten Ella gerade, und beide kannten sich nicht besonders mit B\u00fcchern und Schriftstellern aus.<br \/>\nAls die Schriftsteller begannen, zu lesen, g\u00e4hnte auch Jonas. Ella versuchte, zuzuh\u00f6ren. Aber irgendwie l\u00f6sten sich die Worte in der Luft v\u00f6llig auf, und Ella tr\u00e4umte davon, wie sie letztes Jahr mit Jonas und Tiger in einem Zirkuswagen \u00fcber die Insel Usedom gefahren war.<br \/>\nEs war einfach so, dass sie alle die Abenteuer lieber erlebten, als von ihnen zu h\u00f6ren. Ella wollte gerade theatralisch seufzen \u2013 da trat ein sch\u00fcchterner junger Mann vors Mikro. Er r\u00e4usperte sich und sagte seinen Namen hinein, der \u00fcberdurchschnittlich viele Konsonanten enthielt, daf\u00fcr aber keine Vokale.<br \/>\n\u201eVon dem Typen habe ich noch nie geh\u00f6rt\u201c, fl\u00fcsterte Ellas Vater. \u201eDer ist sicher aus der Ukraine und sie haben ihn blo\u00df aus politischen Gr\u00fcnden eingela &#8230; mmpf, mmpf, mmpf.\u201c<br \/>\nLetzeres sagte er, weil Ellas Mutter ihm den Riemen ihrer Handtasche in den Mund gestopft hatte. \u201eIst doch eine sch\u00f6ne Chance f\u00fcr den \u00c4rmsten\u201c, sagte sie.<\/p>\n<p><strong>Streunender Tagtraum eines Vagabunden<\/strong><\/p>\n<p>Der nerv\u00f6se junge Schriftsteller warf einen Blick in die erste Reihe, zu ein paar M\u00e4nnern in Anz\u00fcgen, die sehr ernst aussahen.<br \/>\n\u201eMeine Geschichte hei\u00dft: Die Entf\u00fchrung\u201c, hauchte er und r\u00fcckte seine Brille zurecht. \u201eDie Nacht war sternenhell, und der klare Schatten der Mondb\u00e4ume lag \u00fcber dem Dorf wie der streunende Tagtraum eines Vagabunden. Die K\u00fche schliefen auf ihren Stangen &#8230; \u00e4h &#8230; und die Kinder schliefen tief vergraben in ihre Federbetten wie unter geheimen Maulwurfsh\u00fcgeln. Da pirschte sich eine d\u00fcnne Gestalt durch das Dunkeldorf heran, in der Tasche einen alten Kanten Brot &#8230;\u201c Er sah wieder unsicher zu den M\u00e4nnern in den Anz\u00fcgen \u2013 und auf einmal begriff Ella. Sie begriff, warum der junge Mann so sch\u00fcchtern war und warum er dauernd zu den M\u00e4nnern blickte. Und warum er so einen Unsinn vorlas.<br \/>\nEr war einer von den armen, rechtlosen Schriftstellern, die im Gef\u00e4ngnis von \u201eBrotkanten\u201c lebten. Der PEN-Club hatte sich f\u00fcr ihn eingesetzt, so dass er heute hier lesen durfte, er hatte einen Tag lang Freigang. Aber am Abend w\u00fcrden die M\u00e4nner in den Anz\u00fcgen ihn zur\u00fcck in seine dusteres Gef\u00e4ngnisloch &#8230; werfen.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Wir m\u00fcssen ihn retten&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>\u201eJonas\u201c, fl\u00fcsterte Ella. \u201eDas ist einer von den gefangenen Autoren! Die M\u00e4nner da bewachen ihn! Und er redet von K\u00fchen und Federbetten, weil er das, was er wirklich sagen will, nicht sagen darf! Wir m\u00fcssen ihn &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eSag jetzt nicht retten\u201c, sagte Jonas.<br \/>\n\u201eRetten\u201c, sagte Ella.<br \/>\nElla Fuchs war nicht ganz unbekannt daf\u00fcr, dass sie gerne Leute rettete. Sie hatte dazu bereits einen Zirkus gegr\u00fcndet und auf einem Kreuzfahrtschiff Hamlet gespielt, und es war GROSSARTIG gewesen. Jedenfalls hinterher.<br \/>\n\u201eWir ENTF\u00dcHREN ihn\u201c, fl\u00fcsterte sie. \u201eDann k\u00f6nnen sie ihn nicht zur\u00fcck ins Gef\u00e4ngnis stecken. Meine Eltern haben eine Ferienwohnung an einem See, da kann er hin. Er &#8230;\u201c<br \/>\n\u201ePsst\u201c, machte Ellas Mutter.<\/p>\n<p><strong>Durchs Fenster<\/strong><\/p>\n<p>Der Schriftsteller sprach weiter vom Mond. Er schien der Meinung zu sein, der Mond w\u00e4re blau, und die Kinder aus seiner Geschichte planten, den Mann im Mond zu entf\u00fchren. Das Ganze, dachte Ella, war ein Hilferuf. Der Schriftsteller WOLLTE entf\u00fchrt werden.<br \/>\nElla tippte vorsichtig ihre Mutter an. \u201eIch muss mal raus, mir ist so &#8230; komisch\u201c, wisperte sie und machte ein Gesicht, als m\u00fcsste sie sich \u00fcbergeben. Jonas und Tiger folgten ihr.<br \/>\nDrau\u00dfen vor der h\u00fcbschen Fachwerkwand des Schafstalls, der kein Schafstall war, erkl\u00e4rte Ella den Anderen ihren Plan. Jonas erkl\u00e4rte Ella seinen Plan, und Tiger rannte davon, so dass sie ihm nachrennen mussten und TIGERS Plan nahmen.<br \/>\nEr rannte hinunter, um das Geb\u00e4ude herum, und bellte, und sie sahen nach oben. \u201eDas ist das Fenster des Lesungsraumes\u201c, sagte Ella. \u201eWir m\u00fcssen &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eDurchs Fenster kommen und sie \u00fcberraschen\u201c, meinte Jonas. \u201eDa dr\u00fcben ist eine Malerleiter.\u201c<br \/>\nVorne hatte der Schafstall eine Art niedrigeren Vorbau mit einem kleinen Dach. Dort hingen Kinoplakate, denn der Schafstall war auch ein Kino.<br \/>\nAber garantiert, dachte Ella, machten die Kinder in den Filmen nicht halb so gef\u00e4hrliche Sachen wie Jonas und sie.<br \/>\n\u201eMan br\u00e4uchte jetzt nur noch &#8230; Masken\u201c, meinte Ella, schon auf dem Weg die Leiter hinauf. \u201eBankr\u00e4uber haben Strumpfmasken &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eKein Problem\u201c, sagte Jonas grinsend. \u201e\u201cIch habe Maskenstr\u00fcmpfe.\u201c Er kickte seine Turnschuhe von den F\u00fc\u00dfen, zog die Kniestr\u00fcmpfe aus und hielt sie Ella vor die Nase. Sie waren schwarz. Und relativ geruchsintensiv.<br \/>\n\u201eDie gehen niemals \u00fcber unsere K\u00f6pfe\u201c, sagte Ella. Aber die Str\u00fcmpfe gingen um ihre K\u00f6pfe herum, wenn man sie hinten verknotete. Sie bohrten L\u00f6cher f\u00fcr die Augen hinein und kletterten weiter \u2013 und Ella dachte kurz dar\u00fcber nach, dass sie eher wie Turtles Krieger aussahen als wie Bankr\u00e4uber.<\/p>\n<p><strong>Die b\u00f6sen Anzugm\u00e4nner<\/strong><\/p>\n<p>Das Fenster, bei dem sie gleich darauf ankamen, stand halb offen, was schade war, weil es viel beeindruckender gewesen w\u00e4re, es einzuschlagen.<br \/>\nAuf den Gesichtern des Publikums drinnen lag eine wattige M\u00fcdigkeit. Ellas Vater spielte mit seinem Handy. Ellas Mutter blickte den sch\u00fcchternen Schriftsteller verz\u00fcckt, aber schl\u00e4frig an. \u201eDer Arme!\u201c, dachte Ella. Sicher w\u00fcrde er gerne feurige Texte \u00fcber Krieg und Tod und Weltfrieden schreiben, aber die b\u00f6sen Anzugm\u00e4nner kontrollierten jede seiner Silben. Und die n\u00e4chste Nacht w\u00fcrde er wieder im modrigen Kerzenschein einer einsamen Petroleumlampe verbringen, aus der Ratten und Kakerlaken tropften &#8230;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Es lebe die Meinungsfreiheit&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>\u201eElla\u201c, wisperte Jonas. \u201eTr\u00e4umst du?\u201c<br \/>\n\u201eNein, nein\u201c, sagte Ella. \u201eEins, zwei \u2013 drei!\u201c<br \/>\nBei \u201edrei\u201c sprangen durch das Fenster des Lesungsraums zwei schwarz maskierte Gestalten \u2013 oder, na ja, zwei Gestalten mit schwarzen Socken im Gesicht. Das Publikum schrie. Der Schriftsteller schrie ebenfalls. Er machte einen Schritt r\u00fcckw\u00e4rts, stie\u00df an das Wasserglas auf dem Tisch, das an die Wasserkaraffe stie\u00df und sie mit sich in die Tiefe riss, und der Inhalt beider ergoss sich \u00fcber den Schriftsteller. Er sah jetzt so aus, als h\u00e4tte er in die Hosen gemacht. Ella jedoch lie\u00df sich nicht ablenken, sie st\u00fcrmte mit wildem Kriegsgebr\u00fcll vorw\u00e4rts und packte den Schriftsteller. Dabei brachten sie leider das Mikrostativ zu Fall, Mikrophon, Stativ und Schriftsteller segelten in Richtung Boden, verhedderten sich kurzfristig ineinander, und Jonas schaffte es gerade so, sie wieder zu ent-heddern.<br \/>\n\u201eEs lebe die Meinungsfreiheit!\u201c, rief Ella, riss Jonas und den nassen Schriftsteller mit sich und schob beide durchs Fenster hinaus.<\/p>\n<p><strong>Auf dem Dach eines Kinoschafstalls<\/strong><\/p>\n<p>Drau\u00dfen wartete die Malerleiter, von Tiger getreulich bewacht. Aber Tiger war sehr weit unten, er konnte die Leiter schlecht festhalten. Und au\u00dferdem war er gerade woandershin weggegangen. Der durchs Fenster geschobene Schriftsteller platzierte reflexartig einen Fu\u00df auf der Leiter. Die Leiter fiel um. F\u00fcr Sekunden standen Ella, Jonas und der Schriftsteller sehr gedr\u00e4ngt auf dem Au\u00dfenfensterbrett.<br \/>\nDrinnen waren die Leute aufgesprungen, aber sie versteinert stehen geblieben, offenbar unschl\u00fcssig, ob sie das Ganze nur tr\u00e4umten.<br \/>\n\u201eWas &#8230;\u201c, keuchte der Schriftsteller, \u201emacht ihr hier?\u201c<br \/>\n\u201eWir retten Sie\u201c, keuchte Ella.<br \/>\nDer Schriftsteller wankte, bekam die Dachrinne zu fassen, an der sich Leute in Romanen immer auf D\u00e4cher ziehen \u2013 und zog sich auf das Dach.<br \/>\nDort gab es eine weitere, fest angebrachte Leiter, die wohl f\u00fcr Schornsteinfeger gedacht war. Der Schriftsteller hielt sich daran fest und half Jonas und Ella hinauf.<br \/>\nSekunden sp\u00e4ter waren sie gemeinsam unterwegs in Richtung Schornstein, und dort sa\u00dfen sie schlie\u00dflich schwer atmend. Auf dem Dach eines Kinoschafstalls, in Schw\u00e4bisch Hall, mit einem wunderbaren Ausblick.<\/p>\n<p><strong>Freiheit<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDas\u201c, sagte Ella mit gro\u00dfer Geste zu dem Schriftsteller, \u201eist sie.\u201c<br \/>\n\u201eWer?\u201c, fragte er verwirrt.<br \/>\n\u201eDie Freiheit\u201c, antwortete Ella. \u201eWir schenken sie Ihnen.\u201c<br \/>\n\u201eAch was\u201c, sagte der Schriftsteller. (Er hatte vielleicht etwas zu viel Loriot gelesen.)<br \/>\nUnten reckten sich jetzt zaghaftte K\u00f6pfe aus dem Fenster. Ella zog den Schriftsteller zur\u00fcck in den Schutz des Schornsteins.<br \/>\n\u201eWarum schenkt Ihr mir die Freiheit?\u201c, fragte er \u2013 der Schriftsteller, nicht der Schornstein. \u201eIch verstehe gar nichts.\u201c<br \/>\n\u201eWir haben Sie entf\u00fchrt\u201c, erkl\u00e4rte Ella. \u201eSie m\u00fcssen nie wieder zur\u00fcck ins Gef\u00e4ngnis zu Wasser und Brot, wo Sie dahin vegetabilisieren. Wir werden Sie in eine Ferienwohnung bringen, die liegt neben einer netten kleinen B\u00e4ckerei an einem See &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eNa, dann gibt es da ja wenigstens Wasser und Brot\u201c, sagte der Schriftsteller.<br \/>\n\u201eElla? Wie kommen wir von hier aus weiter?\u201c, fragte Jonas. \u201eRufst du den privaten Hubschrauber-Schriftsteller-Rettungsdienst, oder was?\u201c<br \/>\n\u201eWir warten, bis die Nacht hereinbricht\u201c, erkl\u00e4rte Ella. \u201eIch habe Tiger einen Zettel ans Halsband gemacht, damit er Hilfe holt. Das ist in den B\u00fcchern auch immer so.\u201c<br \/>\n\u201eStimmt\u201c, sagte der Schriftsteller. \u201eAber in den B\u00fcchern haben eigentlich immer Hunde die Botschaften am Halsband, keine Tiger &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eTiger IST doch ein Tiger\u201c, sagte Ella. \u201e\u00c4h, ich meine, Tiger ist doch ein Hund. Er holt die Feuerwehr. Aber die werden glauben, hier s\u00e4\u00dfe eine verirrte Katze. Das steht n\u00e4mlich auf dem Zettel. Na ja, bis Tiger die Feuerwehr von Schw\u00e4bisch Hall gefunden hat, ist sowieso Nacht, und dann sehen sie nicht richtig, wen sie retten &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eMiau\u201c, sagte der Schriftsteller.<br \/>\n\u201e&#8230; und unten nehmen wir am Morgen einen Bus zu dem Ort mit der Ferienwohnung &#8230;\u201c<\/p>\n<p><strong>Alle riefen und winkten<\/strong><\/p>\n<p>In diesem Moment ergoss sich die gesamte Menschenmenge aus der Lesung unten auf den Hof. Alle riefen und winkten.<br \/>\n\u201eDa, seht sie euch an, die b\u00f6sen Anzugsm\u00e4nner!\u201c, wisperte Ella. \u201eWie nett sie tun beim Winken! Ihre Gef\u00e4ngnisbewacher.\u201c<br \/>\n\u201eAber &#8230;\u201c Der Schriftsteller beugte sich vorsichtig nach vorn. \u201eDas sind &#8230; die Leute, die hier die Lesungen organisieren.\u201c<br \/>\nIn diesem Augenblick begann es, zu regnen. Es blitzte und donnerte auch ein bisschen. Ella hatte das schlechte Wetter nicht kommen sehen. Es schien ihr ung\u00fcnstig, bei Blitz und Donner auf einem Dach zu sitzen.<br \/>\n\u201eWo sind denn DANN die Gef\u00e4ngnisw\u00e4rter?\u201c, fragte sie bibbernd. \u201eSie &#8230; Sie wohnen doch im Gef\u00e4ngnis?\u201c<br \/>\n\u201eIch wohne in einer Zweiraumwohnung in einem M\u00fcnchner Vorort\u201c, sagte der Schriftsteller. \u201eMit meiner Frau. Bisweilen haben wir unsre Probleme, aber DAS als Gef\u00e4ngnis zu bezeichnen &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eSie sind nicht aus der Ukraine?\u201c<br \/>\n\u201eUkraine?\u201c, fragte der Schriftsteller.<br \/>\n\u201eDas ist ein Land\u201c, sagte Ella hilfreich.<br \/>\n\u201eEs war ein Land\u201c, sagte Jonas.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Die Ukraine war ein Land&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Ella h\u00f6rte nicht zu. \u201eAber Sie &#8230; warum haben Sie dann so unsicher zu den M\u00e4nnern geguckt? Warum haben Sie von K\u00fchen und blauen Monden erz\u00e4hlt, statt von richtigen Sachen?\u201c<br \/>\n\u201eIch &#8230; bin wohl etwas sch\u00fcchtern\u201c, sagte der Schriftsteller. \u201eDie anderen, die hier lesen, sind alle so bekannt &#8230; und ich gar nicht &#8230;. irgendwie kaufen nicht so viele Leute meine B\u00fccher. Und die K\u00fche &#8230; na ja, ich mag K\u00fche &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eOje\u201c, sagte Ella. \u201eSie leben also &#8230; mittellos und verarmt in einer winzigen Wohnung, mit Ihrer kranken Ehefrau &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eDass sie krank ist, ist mir neu\u201c, sagte der Schriftsteller.<br \/>\nElla lie\u00df sich nicht beirren. \u201eUnd jemand muss dringend Ihre Buchverk\u00e4ufe steigern!\u201c, rief sie. \u201eUm sie zu retten!\u201c<br \/>\n\u201eAber &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eAu\u00dferdem werden Sie furchtbar krank!, rief Ella. \u201eArme Leute kriegen immer gleich Lungenentz\u00fcndung, wenn es regnet! Wir m\u00fcssen Sie unbedingt auch vor der Lungenentz\u00fcndung retten.\u201c<br \/>\nDa traf ein Blitz die drei.<br \/>\nEr schlug genau in sie ein, und Ella erwartete gelassen den Tod. Mehr oder weniger gelassen. Kann sein, sie kniff die Augen zusammen und schrie.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Was zum Teufel ist hier los?&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Als sie die Augen wieder \u00f6ffnete, war sie jedoch noch immer lebendig. Obwohl es weiterblitzte. Die Blitze kamen von unten. Dort photographierten die Leute jetzt den nassen Schriftsteller auf dem Dach. Mit Blitzlicht. Soeben bog auch ein Feuerwehrauto um die Ecke und fuhr seine Leiter aus. Der Feuerwehrmann, der gleich darauf zu ihnen geklettert kam, sah ungehalten aus.<br \/>\n\u201eWas zum Teufel ist hier los?\u201c, fragte er. \u201eWir haben einen Hund erhalten mit der Nachricht, hier s\u00e4\u00dfe eine Katze. Und wir sollten uns trotz der tiefen Nacht nicht wundern, dass die Katze auss\u00e4he wie drei Personen. Ich meine, es ist Tag und &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eDas geh\u00f6rte alles zu der Lesung\u201c, erkl\u00e4rte Jonas rasch.\u201c Da ging es um eine Entf\u00fchrung. Das hier ist die Theatereinlage. Wussten Sie nicht, dass der Schafstall ein Theater ist?\u201c<br \/>\n\u201eKunst und so, Sie verstehen\u201c, sagte Ella. \u201eDen Schaden zahlt der PEN-Club. Die setzen sich sehr f\u00fcr Kunst und Kultur ein.\u201c<br \/>\n\u201eSch\u00f6n\u201c, seufzte der Feuerwehrmann und sah den Schriftsteller an. \u201eAber jetzt kommen Sie runter da. Unten stehen drei Reporter. Und zweihundert Leute, die ein Buch von Ihnen kaufen wollen, weil Sie so ein komischer Typ sind, der auf D\u00e4cher klettert. Vielleicht k\u00f6nnen Sie mir auch gleich eines signieren &#8230;?\u201c<\/p>\n<p><strong>Tiger leckt<\/strong><\/p>\n<p>Ein paar Minuten sp\u00e4ter fiel Ella unten ihren Eltern in die Arme, w\u00e4hrend Tiger dem Schriftsteller vor der Kamera eines Fernsehreporters das Gesicht ableckte.<br \/>\n\u201eElla hat nur eben einen Schriftsteller gerettet\u201c, erkl\u00e4rte Jonas.<br \/>\n\u201eWovor?\u201c, fragte Ellas Vater.<br \/>\n\u201eAch, das habe ich jetzt vergessen\u201c, sagte Ella. \u201eEs hat sich so oft ge\u00e4ndert, seit wir auf dem Dach sa\u00dfen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen im Internet \u00fcber die Schriftstellerin Antonia Michaelis:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Antonia_Michaelis\" target=\"_blank\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Antonia_Michaelis<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.antonia-michaelis.de\/startseite\/#\" target=\"_blank\">http:\/\/www.antonia-michaelis.de\/startseite\/#<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.antonia-michaelis.de\/buch\/ella-fuchs-und-der-hochgeheime-mondscheinzirkus\/buchseite\/1\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.antonia-michaelis.de\/buch\/ella-fuchs-und-der-hochgeheime-mondscheinzirkus\/buchseite\/1\/<\/a><\/p>\n<div class=\"pdf24Plugin-cp\"> \t<form name=\"pdf24Form0\" method=\"post\" action=\"https:\/\/doc2pdf.pdf24.org\/wordpress.php\" target=\"pdf24PopWin\" onsubmit=\"var pdf24Win = window.open('about:blank', 'pdf24PopWin', 'resizable=yes,scrollbars=yes,width=600,height=250,left='+(screen.width\/2-300)+',top='+(screen.height\/3-125)+''); pdf24Win.focus(); if(typeof pdf24OnCreatePDF === 'function'){void(pdf24OnCreatePDF(this,pdf24Win));}\"> \t\t<input type=\"hidden\" name=\"blogCharset\" value=\"Cw1x07UAAA==\" \/><input type=\"hidden\" name=\"blogPosts\" value=\"MwQA\" \/><input type=\"hidden\" name=\"blogUrl\" value=\"yygpKSi20tcvLy\/Xy8jPSM3LARK6pXnpqWmZOSWpRSV6KakA\" \/><input type=\"hidden\" name=\"blogName\" 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Mit freundlicher Genehmigung der Autorin ver\u00f6ffentlicht Hohenlohe-ungefiltert die dort von Antonia Michaelis vorgetragene Kurzgeschichte. Sie handelt von einem &#8222;verfolgten Schriftsteller&#8220; und einer abenteuerlichen Rettung in Schw\u00e4bisch Hall. 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