{"id":15173,"date":"2012-12-27T18:07:51","date_gmt":"2012-12-27T17:07:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/?p=15173"},"modified":"2012-12-27T18:09:43","modified_gmt":"2012-12-27T17:09:43","slug":"einfache-sprache-statt-behorden-wirr-warr-uber-75-millionen-erwachsene-in-deutschland-sind-funktionale-analphabeten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/?p=15173","title":{"rendered":"&#8222;Einfache Sprache, statt Beh\u00f6rden-Wirr-Warr&#8220; \u2013\u00a0\u00dcber 7,5 Millionen Erwachsene in Deutschland sind funktionale Analphabeten"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eine &#8222;Kleine Anfrage&#8220; zum Sachstand zur F\u00f6rderung der Einfachen Sprache in Deutschland haben SPD-Bundestagsabgeordnete am 24. Oktober 2012 an die Bundesregierung gestellt (Deutscher Bundestag Drucksache 17\/11171). Hohenlohe-ungefiltert ver\u00f6ffentlicht den Inhalt der Kleinen Anfrage und weitere Informationen zum Thema &#8222;Einfache Sprache&#8220;.<\/strong><\/p>\n<p><em>Informationen zusammengestellt von Ralf Garmatter, Hohenlohe-ungefiltert<\/em><\/p>\n<p><strong>Deutscher Bundestag Drucksache 17\/11171<\/strong><\/p>\n<p>17. Wahlperiode 24. 10. 2012<\/p>\n<p><strong>Kleine Anfrage<\/strong><\/p>\n<p>der Abgeordneten Dr. Ernst Dieter Rossmann, Oliver Kaczmarek, Dr. Hans-Peter Bartels, Klaus Barthel, Willi Brase, Ulla Burchardt, Siegmund Ehrmann, Petra Ernstberger, Michael Gerdes, Iris Gleicke, Klaus Hagemann, Christel Humme, Daniela Kolbe (Leipzig), Angelika Kr\u00fcger-Lei\u00dfner, Ute Kumpf, Caren Marks, Thomas Oppermann, Florian Pronold, Ren\u00e9 R\u00f6spel, Marianne Schieder (Schwandorf), Ulla Schmidt (Aachen), Swen Schulz (Spandau), Dr. h.c. Wolfgang Thierse, Andrea Wicklein, Dagmar Ziegler, Brigitte Zypries, Dr. Frank-Walter Steinmeier und der Fraktion der SPD.<\/p>\n<p><strong>Sachstand zur F\u00f6rderung der Einfachen Sprache in Deutschland:<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00dcber 7,5 Millionen Erwachsene in Deutschland sind funktionale Analphabeten<\/strong><\/p>\n<p>Die Studie \u201eleo. \u2013 Level-One\u201c hat 2010 im Auftrag des Bundesministeriums f\u00fcr Bildung und Forschung als erste Studie in Deutschland die Gr\u00f6\u00dfenordnung des Analphabetismus unter der erwerbsf\u00e4higen Bev\u00f6lkerung zwischen 18 und 64 Jahren untersucht. Seit Anfang 2011 wissen wir, dass 7,5 Millionen Menschen in diesem Alter mindestens als funktionale Analphabeten eingestuft werden m\u00fcssen. Das sind 14,5 Prozent der Bev\u00f6lkerung zwischen 18 und 64 Jahren.<\/p>\n<p><strong>Entsprechende Angebote schaffen<\/strong><\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus ist aber auch zu beachten, dass weitere 13,3 Millionen Menschen nur langsam und\/oder sehr fehlerhaft lesen und schreiben k\u00f6nnen sowie das Lesen nach M\u00f6glichkeit generell vermeiden. Das sind rund 26 Prozent der erwerbsf\u00e4higen Bev\u00f6lkerung. Sie kommen \u00fcber das in der \u201eleo. \u2013 Level-One\u201c-Studie zu Grunde gelegte Alpha Level 4 nicht hinaus. Neben Analphabetinnen und Analphabeten im engeren Sinne und funktionalen Analphabetinnen und Analphabeten bilden diese Menschen eine weitere Gruppe, f\u00fcr die entsprechende Angebote geschaffen werden m\u00fcssen, um sie ansprechen bzw. erreichen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Einfache Sprache (Leichte Sprache) verwenden<\/strong><\/p>\n<p>Eine M\u00f6glichkeit liegt in dem Angebot der Einfachen Sprache (Leichte Sprache). Unter dem Begriff \u201eEinfache Sprache\u201c versteht man gut verst\u00e4ndliche einfache Texte in einer Sprache, die Fremdw\u00f6rter vermeidet und kurze S\u00e4tze beinhaltet. Durch solche niederschwelligen Leseangebote wird die Scheu vor dem Lesen \u00fcberwunden. Die Lesematerialien mit dem passenden Sprachniveau erm\u00f6glichen den Aufbau von Selbstvertrauen. Die Lesef\u00e4higkeit w\u00e4chst und es kann eine positive \u201eLesespirale\u201c entstehen. Im besten Fall f\u00fchrt dies dazu, dass diese Menschen aus der Einfachen Sprache herauswachsen und auf einem h\u00f6heren Niveau lesen lernen. Mit diesem Zugang zur Literalit\u00e4t kann die Erweiterung der gesellschaftlichen Teilhabe und der Aufbau von Weiterbildungs- und Besch\u00e4ftigungsf\u00e4higkeit einhergehen.<\/p>\n<p><strong>Verwaltungen sollen in einfacher Sprache schreiben<\/strong><\/p>\n<p>Einfache Sprache kann auch dort einen Beitrag leisten, wo Verwaltungshandeln oder der Wille des Gesetzgebers in komplexer Amtssprache verklausuliert ist. Einfache und adressatenorientierte Bescheide und Stellungnahmen sind ein Beitrag zu Transparenz und Nachvollziehbarkeit politischen und administrativen Handelns unabh\u00e4ngig von der Lesekompetenz.<\/p>\n<p><strong>Niederlande und Schweden als Vorreiter<\/strong><\/p>\n<p>In anderen L\u00e4ndern, wie z. B. in den Niederlanden oder in Schweden, wird die Einfache Sprache neben der Leichten Sprache gezielt gef\u00f6rdert, um allen Menschen mit oder ohne Behinderung und Schw\u00e4chen im Lesen und Schreiben zu helfen, ein ausreichendes Literalit\u00e4tsniveau zu erreichen.<\/p>\n<p><strong>Wir fragen die Bundesregierung:<\/strong><\/p>\n<p>1. Welcher wissenschaftlichen Definition von Einfacher Sprache im Vergleich zur Leichten Sprache folgt die Bundesregierung?<\/p>\n<p>2. Welche wesentlichen Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zum sozialen, beruflichen und bildungsbiographischen Hintergrund von lese- und schreibschwachen Menschen (Alpha Level 4) vor?<\/p>\n<p>3. Plant die Bundesregierung Forschungsprogramme, um diese Gruppe von lese- und schreibschwachen Menschen \u00e4hnlich der der funktionalen Analphabetinnen und Analphabeten genauer zu untersuchen?<\/p>\n<p>4. Wie sch\u00e4tzt die Bundesregierung die Auswirkungen mangelnder Lese- und Schreibkompetenz auf die Partizipation insbesondere am Erwerbsleben und an demokratischen Prozessen ein?<\/p>\n<p>5. Teilt die Bundesregierung die Einsch\u00e4tzung, dass vor dem Hintergrund des Fachkr\u00e4ftemangels eine Ansprache und gezielte F\u00f6rderung dieser Zielgruppe von Menschen mit Lese- und Rechtschreibschw\u00e4chen im wirtschaftlichen Interesse Deutschlands liegt?<\/p>\n<p>6. Wie sch\u00e4tzt die Bundesregierung die M\u00f6glichkeiten des Einsatzes von Einfacher Sprache ein, um die Literalit\u00e4t von Menschen zu erh\u00f6hen und sie somit besser in den Arbeitsmarkt und in die Gesellschaft zu integrieren?<\/p>\n<p>7. Unterst\u00fctzt die Bundesregierung aktuell Forschungsprojekte, die sich mit der Bedeutung, den M\u00f6glichkeiten und der Akzeptanz der Einfachen Sprache befassen?<\/p>\n<p>Wenn ja, welche und in welchem Umfang?<\/p>\n<p>Wenn nicht, ist die Bundesregierung bereit, im Rahmen einer erweiterten Nationalen Strategie gegen Analphabetismus auch Forschungsprojekte, die sich mit der Bedeutung und den M\u00f6glichkeiten der Einfachen Sprache befassen, zu f\u00f6rdern?<\/p>\n<p>8. Liegen der Bundesregierung Forschungsergebnisse von Studien in anderen europ\u00e4ischen Staaten zu diesem Thema vor?<\/p>\n<p>9. Sind der Bundesregierung Initiativen und Instrumente in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern zur Ansprache und Weiterbildung von Betroffenen mit schwachen Lese- und Rechtschreibkompetenzen bekannt?<\/p>\n<p>Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus diesen f\u00fcr ihre Politik?<\/p>\n<p>10. Ist die Bundesregierung bereit, neben der aktuellen \u00d6ffentlichkeitskampagne zum Thema funktionaler Analphabetismus auch eine Kampagne zur Ansprache der rund 13,3 Millionen Menschen mit starken Schreib- und Leseschw\u00e4chen zu initiieren und zu f\u00f6rdern?<\/p>\n<p>11. Sind der Bundesregierung Verlage oder Initiativen bekannt, die in Deutschland Erzeugnisse (Zeitungen, Magazine, digitale Medien) in Einfacher Sprache anbieten bzw. f\u00f6rdern?<\/p>\n<p>12. Welche M\u00f6glichkeiten der F\u00f6rderung solcher Initiativen\/Verlage sieht die Bundesregierung durch den Bund, die L\u00e4nder, die Kommunen und andere Tr\u00e4ger in Wirtschaft und Zivilgesellschaft, damit die Einfache Sprache als Instrument zu mehr Literalit\u00e4t breiter eingesetzt werden kann?<\/p>\n<p>13. Plant die Bundesregierung eigene Initiativen in der Verantwortung des Bundes, und auf welche Bereiche und Ma\u00dfnahmen richten sich diese Initiativen?<\/p>\n<p>14. Sind der Bundesregierung Bestrebungen \u00f6ffentlicher Verwaltungen bzw. Beh\u00f6rden oder auch privater Unternehmen bekannt, die Einfache Sprache verst\u00e4rkt zu nutzen, um Menschen mit geringer Literalit\u00e4t zu erreichen?<\/p>\n<p>15. Wie sch\u00e4tzt die Bundesregierung die M\u00f6glichkeiten und den Aufwand ein, ein regelm\u00e4\u00dfiges Informationsangebot des Bundes in Einfacher Sprache zu entwickeln, zum Beispiel bei der Information und Pr\u00e4sentation der Regierungsarbeit auf den Homepages und in den Printmedien der Bundesministerien und des Bundeskanzleramtes?<\/p>\n<p>16. Welche M\u00f6glichkeiten der Einbeziehung Einfacher Sprache in Bescheide und Stellungnahmen der Bundesregierung, die zu Petitionen abgegeben werden, erw\u00e4gt die Bundesregierung, um diese verst\u00e4ndlich und adressatenorientiert zu gestalten?<\/p>\n<p>17. Unterst\u00fctzt die Bundesregierung das Ziel, dass Zeitungen und andere Publikationen in Einfacher Sprache in Beh\u00f6rden und \u00c4mtern (z. B. auch in Jobcentern und Arbeitsagenturen) fl\u00e4chendeckend angeboten werden sollten?<\/p>\n<p>18. In welcher Form kann sich die Bundesregierung die Unterst\u00fctzung einer solchen Zielsetzung vorstellen?<\/p>\n<p>Welche Initiativen wird die Bundesregierung zur Unterst\u00fctzung dieser Zielsetzung ergreifen?<\/p>\n<p>19. Unterst\u00fctzt die Bundesregierung die Entwicklung eines Qualit\u00e4tssiegels f\u00fcr Leseprodukte in Einfacher oder Leichter Sprache, und in welcher Form ist die Bundesregierung gegebensfalls bereit, eine solche Entwicklung zu unterst\u00fctzen?<\/p>\n<p>20. Ist der Bundesregierung bekannt, wie gro\u00df die Zahl der Fachleute in Deutschland ist, die die notwendige Ausbildung und Qualifikation aufweisen, um normal verfasste Schriftst\u00fccke in die Einfache oder in die Leichte Sprache zu \u00fcbersetzen?<\/p>\n<p>21. Welche Einrichtungen, Vereinigungen oder sonstigen Tr\u00e4ger von Angeboten zur Ausbildung und Qualifkation solcher Fachleute sind der Bundesregierung in Deutschland bekannt?<\/p>\n<p>22. H\u00e4lt die Bundesregierung die Zahl, die Qualifikation und die Strukturen zur Aus- und Weiterbildung solcher Fachleute gegenw\u00e4rtig f\u00fcr ausreichend, und welche Erfordernisse sieht die Bundesregierung f\u00fcr die Zukunft?<\/p>\n<p>Berlin, den 24. Oktober 2012<\/p>\n<p>Dr. Frank-Walter Steinmeier und Fraktion<\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen und Kontakt:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/leichtesprache.org\/\" target=\"_blank\">http:\/\/leichtesprache.org\/<\/a><\/p>\n<p><strong>Fachinformationen \u201efunktionaler Analphabetismus in Deutschland\u201c<\/strong><\/p>\n<p><strong>Zahlen:<\/strong><\/p>\n<p>Jahrelang gab es nur eine Sch\u00e4tzung des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung e.V.. Danach k\u00f6nnten in Deutschland etwa vier Millionen Menschen nicht ausreichend lesen und schreiben. Anfang 2011 offenbarte die LevelOne-Studie (\u201eleo\u201c), dass das Problem in Deutschland auch von Experten eher untersch\u00e4tzt wurde: 7,5 Millionen Menschen zwischen 18 und 64 Jahren lesen auf dem Niveau eines Grundsch\u00fclers oder schlechter.<\/p>\n<p><strong>Definition der Bundesregierung<\/strong><\/p>\n<p>Im Rahmen des BMBF-F\u00f6rderschwerpunktes \u201eForschung und Entwicklung in der Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener\u201c ist eine gemeinsame Definition entstanden, die aus den Ergebnissen der verschiedenen Projekte hervorgeht: \u201eFunktionaler Analphabetismus ist gegeben, wenn die schriftsprachlichen Kompetenzen von Erwachsenen niedriger sind als diejenigen, die minimal erforderlich sind und als selbstverst\u00e4ndlich vorausgesetzt werden, um den jeweiligen gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden. Diese schriftsprachlichen Kompetenzen werden als notwendig erachtet, um gesellschaftliche Teilhabe und die Realisierung individueller Verwirklichungschancen zu er\u00f6ffnen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Die Lesef\u00e4higkeit entspricht Grundschulniveau<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wie lesen Analphabeten?<\/strong><\/p>\n<p>Sie sind nicht oder kaum in der Lage:<br \/>\n\u2022 Formulare auszuf\u00fcllen<br \/>\n\u2022 amtliche Schreiben oder Briefe zu lesen<br \/>\n\u2022 Gebrauchsanweisungen zu verstehen<br \/>\n\u2022 finanzielle Angelegenheiten zu regeln (z.B. Rechnungen lesen, Geld abheben)<br \/>\n\u2022 ihren Kindern vorzulesen.<br \/>\n\u2022 Sie verstehen nur einfache Anweisungen und Mitteilungen.<br \/>\n\u2022 Sie brauchen bekannte W\u00f6rter und kurze S\u00e4tze.<br \/>\n\u2022 Sie sind abh\u00e4ngig von Informationen, die ohne Vorwissen zu verstehen sind.<\/p>\n<p><strong>Ursachen f\u00fcr funktionalen Analphabetismus<\/strong><\/p>\n<p>\u2022 Allgemeine Lern- und Verhaltensprobleme (Konzentrations- und Sprachschw\u00e4che, Legasthenie).<br \/>\n\u2022 Ein allgemeiner Sprachr\u00fcckstand aufgrund einer anderen Muttersprache.<br \/>\n\u2022 Aufwachsen in einer \u201cspracharmen\u201d Umgebung.<br \/>\n\u2022 Schlechter Zugang zu Bildung (z.B. durch Krankheit, k\u00f6rperliche\u00a0 Behinderung, Schule<br \/>\nschw\u00e4nzen, vorzeitigen Abbruch des Schulbesuches oder h\u00e4ufige Umz\u00fcge).<br \/>\n\u2022 Zu wenig Aufmerksamkeit und Unterst\u00fctzung in der Schule.<br \/>\n\u2022 Nachlassen der F\u00e4higkeiten durch mangelnde \u00dcbung. Gerade f\u00fcr Lesen und Schreiben gilt das Motto \u201cuse it or loose it\u201d.<\/p>\n<p><strong>Lesef\u00e4higkeiten<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sie werden in sechs Niveaustufen eingeteilt:<\/strong><\/p>\n<p>A1 und A2 bezeichnet Leseanf\u00e4nger.<br \/>\nB1 und B2 sind unabh\u00e4ngige Leser.<br \/>\nC1 und C2 erreichen ge\u00fcbte Leser.<\/p>\n<p><strong>Forschungsergebnisse f\u00fcr Deutschland:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Pisa 2010<\/strong><\/p>\n<p><strong>15-J\u00e4hrige in Deutschland: 18,5 Prozent k\u00f6nnen nicht ausreichend lesen<\/strong><\/p>\n<p>18,5 Prozent der 15-j\u00e4hrigen haben keine ausreichenden Lesef\u00e4higkeiten. Nur 7,6 Prozent der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler k\u00f6nnen sehr gut lesen. In Deutschland ist der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und mangelnder Leseleistung signifikant: Der Abstand zwischen der Leseleistung von Kindern mit Migrationshintergrund und deutschst\u00e4mmigen Kindern hat sich\u00a0 seit der ersten Pisastudie von 65 auf 44 Punkte verringert.<\/p>\n<p>Quelle: DIE ZEIT. Nr. 0 vom 9.12.2010.<\/p>\n<p><strong>leo-Studie 2011<\/strong><\/p>\n<p><strong><\/strong>Die LevelOne-Studie (\u201eleo\u201c) wurde vom Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung in Auftrag gegeben und von der Universit\u00e4t Hamburg durchgef\u00fchrt. Sie hat zum ersten Mal \u00fcberhaupt wisschenschaftlich gesicherte Erkenntnisse \u00fcber die Gr\u00f6\u00dfenordnung des funktionalen Analphabetismus in Deutschland gebracht. Die Studie teilt die Lesekenntnisse in \u201eAlpha Level\u201c ein. Untersucht wurden die Lesekenntnisse der erwerbsf\u00e4higen Bev\u00f6lkerung zwischen 18 und 64 Jahren. Dabei kamen 14,5 Prozent nicht \u00fcber \u201eAlpha Level 3\u201c hinaus. \u201eAlpha Level 3\u201c bedeutet, dass eine Person zwar die Buchstaben kennt und einzelne W\u00f6rter oder auch S\u00e4tze lesen kann. Von einfachen zusammenh\u00e4ngenden Texten ist die Person jedoch \u00fcberfordert. 14,5 Prozent der erwerbsf\u00e4higen Bev\u00f6lkerung, das entspricht 7,5 Millionen Menschen. Weitere 13,3 Millionen Menschen erreichen \u201eAlpha Level 4\u201c. Auf diesem Niveau werden einfache Texte zwar verstanden, lesen und schreiben gelingt aber auch bei gebr\u00e4uchlichen Worten nur fehlerhaft.<\/p>\n<p><strong>Regeln f\u00fcr einfache Sprache<\/strong><\/p>\n<p>Aus jahrelanger Erfahrung hat Eenvoudig Communiceren Regeln f\u00fcr einfache Sprache festgelegt und entwickelt diese immer weiter. Inzwischen gibt es etwa 50, an die sich die AutorInnen halten. Neben einigen allgemeinen Richtlinien betreffen sie die Textstruktur, den Satzbau, die Wortwahl und Formatierung.<\/p>\n<p><strong>Einige Beispiele:<\/strong><br \/>\n\u2212 Haupt- und Nebenaussagen werden voneinander getrennt.<br \/>\n\u2212 Die S\u00e4tze sind so kurz wie m\u00f6glich.<br \/>\n\u2212 Bilder, Redewendungen und Metaphern werden vermieden, z.B. \u201eIn Berlin schieben sich alle gegenseitig den Schwarzen Peter zu.\u201c<br \/>\n\u2212 Fremdw\u00f6rter werden vermieden oder dort, wo sie unumg\u00e4nglich sind, erkl\u00e4rt.z.B. \u201eEin<br \/>\nManager ist jemand, der&#8230;\u201c<br \/>\n\u2212 Wir schreiben in Alltagssprache, z.B. \u201eProblem\u201c statt \u201eProblematik\u201c<\/p>\n<p><strong>Interview mit Ralf Beekveldt, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Spa\u00df am Lesen, Deutschland, und Eenvoudig Communiceren\u201d, Niederlande. Die Fragen stellte Daniela Kaminski im April 2011.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Seit wann gibt es Ihren Verlag in den Niederlanden und was sind Ihre Angebote dort?<\/strong><\/p>\n<p>Seit 1994 ist der Verlag aktiv. Das Angebot besteht aus ca. 120 Titeln, angefangen bei der Klassikerserie (Welt-)geschichten \u00fcber moderne Literatur bis hin zu Ratgeberb\u00fcchern \u00fcber Themen wie Gesundheit, Geschichte und Sozial- und Arbeitskompetenzen. Unser Flagschiff sind die sechs Zeitungen in einfacher Sprache, die wir f\u00fcr unsere Hauptzielgruppen machen. Die Zeitungen erscheinen einmal im Monat, im Tabloidformat. Sie regen die Zielgruppe zum Lesen an und machen sie mit dem Medium Zeitung vertraut.<\/p>\n<p><strong>Woher kommt Ihr Engagement f\u00fcr dieses Thema?<\/strong><\/p>\n<p>Das \u201cEngagement\u201d ist zweigeteilt: F\u00fcr einen Verleger ist es eine gro\u00dfe Herausforderung, Lesematerialien f\u00fcr Menschen mit Leseschwierigkeiten herauszugeben. Stellen Sie sich einen Unternehmer vor, der eine Disco f\u00fcr Schwerh\u00f6rige oder Geh\u00f6rlose betreibt oder ein Kino f\u00fcr Sehbehinderte. Au\u00dferdem ist es ein sehr idealistisches Engagement: Lesen und Schreiben sind in unseren entwickelten L\u00e4ndern fast so wichtig wie Atmen und Essen. Ohne diese F\u00e4higkeiten ist man rettungslos verloren und f\u00e4llt schnell aus dem Boot der Gesellschaft heraus. Man hat viel weniger Chancen \u2013 in beruflicher und sozialer Hinsicht gleicherma\u00dfen. Um den Menschen diese Chancen zu bieten, geben wir Lesematerial heraus, das an das Niveau schwacher Leser angepasst ist. Dadurch bieten wir ihnen die M\u00f6glichkeit, am Zusammenleben teilzuhaben und hoffen, auf diese Weise als Verlag einen kleinen Beitrag zu leisten.<\/p>\n<p><strong>Wie hat sich Ihr Unternehmen entwickelt? Was waren wichtige Schritte?<\/strong><\/p>\n<p>Es gab mehrere wichtige Stufen und Schritte: Urspr\u00fcnglich haben wir als Verlag Material f\u00fcr geistig behinderte Menschen entwickelt. Doch ziemlich schnell wurde klar, dass vereinfachte Informationen auch f\u00fcr andere Zielgruppen sinnvoll sind. So haben wir unsere Ziele und unser Angebot erweitert und begonnen, Material f\u00fcr alle Menschen zu machen, die M\u00fche mit dem Lesen haben. Wir konnten uns zus\u00e4tzlich als Herausgeber allgemeiner Informationen profilieren, denn wir geben neben Zeitungen auch informative B\u00fccher, Klassiker, Comicromane und zeitgen\u00f6ssische Literatur in einfacher Sprache heraus.<\/p>\n<p>Ein ebenfalls wichtiger Schritt war auch der Beginn unserer inhaltlichen Zusammenarbeit mit der Stiftung Lesen und Schreiben von Prinzessin Laurentien. Mit Hilfe des k\u00f6niglichen Hauses nahm die gesellschaftliche Aufmerksamkeit am Thema \u201cfunktionaler Analphabetismus\u201d enorm zu. Mit Unterst\u00fctzung der Stiftung geben wir die Serie \u201cLeeslicht\u201d (etwa: Leseleicht) heraus, eine Serie f\u00fcr Erwachsene mit vereinfachten Erz\u00e4hlungen bekannter niederl\u00e4ndischer Autoren.<\/p>\n<p><strong>Welche Strukturen unterst\u00fctzen Ihre Arbeit in den Niederlanden noch?<\/strong><\/p>\n<p>Wir wurden nicht finanziell unterst\u00fctzt, aber weil wir schon so lange im Gesch\u00e4ft sind, ist unser Name inzwischen unter den relevanten Bildungsinstitutionen sehr bekannt. Wir haben es geschafft, uns eine gro\u00dfe, treue Leserschaft aufzubauen. Sehr wichtig ist die bereits erw\u00e4hnte inhaltliche Zusammenarbeit mit der k\u00f6niglichen Stiftung Lesen und Schreiben.<\/p>\n<p><strong>Welche Erfahrungen aus Ihrem Heimatland konnten Sie \u00fcbertragen und was ist in Deutschland anders?<\/strong><\/p>\n<p>Der gro\u00dfe Unterschied zu Deutschland ist, dass es hier noch sehr wenige Angebote f\u00fcr Menschen mit Leseschwierigkeiten gibt. Und die vorhandenen Angebote sind auf verschiedene \u2013 und getrennte \u2013 Zielgruppen aufgeteilt, z.B. Menschen mit Migrationshintergrund und geistig behinderte Menschen. Das Thema als solches ist in Deutschland noch nicht so bekannt, damit auch nicht so im Bewusstsein und nicht so akzeptiert. In Deutschland erschwert es die L\u00e4nderstruktur zu einem einheitlichen L\u00f6sungsansatz zu kommen. Die zwingende Rolle einer zentralen Obrigkeit fehlt hier beim Thema Bildung, was es schwer macht, mit einer einheitlichen Politik zu einer strukturellen L\u00f6sung zu kommen.<\/p>\n<p><strong>Pisa hat bei uns zwar eine Besserung bei der Lesef\u00e4higkeit der 15-j\u00e4hrigen ermittelt, allerdings ist immer noch jeder sechste Jugendliche potentieller Kunde Ihres Verlages. Wie sieht es bei Ihnen aus?<\/strong><\/p>\n<p>In den Niederlanden ist es ungef\u00e4hr die gleiche Situation. Wir glauben, dass man nicht untersch\u00e4tzen sollte, wie schlecht die Lesef\u00e4higkeiten z.B. in der Hauptschule oft sind. Die Ziele der Stiftung \u201eLezen &amp; Schrijven\u201c f\u00fcr Ihr Heimatland sind u.a. die Verringerung der Zahl der funktionalen Analphabeten unter den Berufst\u00e4tigen um 60 Prozent und die strukturelle Verankerung eines Bildungssystems f\u00fcr Erwachsenenalphabetisierung in den Betrieben.<\/p>\n<p><strong>Wie funktioniert das? Wie eruieren Sie Ihre Erfolge?<\/strong><\/p>\n<p>Die Mission der Stiftung Lezen &amp; Schrijven ist, das Problem des funktionalen Analphabetismus strukturell zu l\u00f6sen. Um das zu schaffen, arbeitet die Stiftung mit Einzelpersonen, Unternehmen, Beh\u00f6rden und gesellschaftlichen Organisationen zusammen. Die Stiftung hilft ihnen dabei, ein Bewusstsein f\u00fcr ihre aktive Verantwortung und ihre konkrete Rolle bei der Bek\u00e4mpfung von Analphabetismus zu bekommen. Mit dem Projekt \u201cTaalkracht voor bedrijven\u201d (etwa: Kraft der Sprache in Unternehmen) unterst\u00fctzt die Stiftung Branchenorganisationen und gro\u00dfe Betriebe dabei, ihre eigenen L\u00f6sungen zu finden. Die Zeitarbeitsbranche hat den Kampf gegen Analphabetismus in ihre Tarifvertr\u00e4ge aufgenommen und auch andere Branchen, z.B. die Reinigungs- und die Baubranche, haben Absprachen zu Sprachschulungen am Arbeitsplatz in ihre Tarifvertr\u00e4ge aufgenommen. Daneben gibt es eine ganze Reihe gro\u00dfer Firmen, die im Kampf gegen funktionalen Analphabetismus sehr aktiv sind, z.B. KLM, HEMA, Floraholland und CSU. Diese gro\u00dfen Unternehmen haben eine Vorbildfunktion f\u00fcr andere Betriebe, eine \u00e4hnliche Arbeit zu starten.<\/p>\n<p><strong>Erwachsene sind die Hauptzielgruppe Ihrer Schriften. Wie erreichen Sie diese Zielgruppe?<\/strong><\/p>\n<p>Erwachsene, aber eigentlich vor allem junge Erwachsene. Wir erreichen sie vor allem \u00fcber das Bildungssystem.<\/p>\n<p><strong>Warum das?<\/strong><\/p>\n<p>Weil wir es f\u00fcr sehr wichtig halten, das Problem bei der Wurzel zu packen. Je \u00e4lter Menschen werden und je l\u00e4nger sie der Bildung fern sind, desto schwieriger wird es, sie zu erreichen.<\/p>\n<p><strong>Kann ich in den Niederlanden Ihre B\u00fccher in jedem Buchladen kaufen?<\/strong><\/p>\n<p>Planen Sie einen Vertrieb \u00fcber den Fachhandel f\u00fcr Deutschland? Ja, unsere B\u00fccher sind \u00fcber den Buchhandel erh\u00e4ltlich. Sie sind nicht immer vorr\u00e4tig, aber sie k\u00f6nnen auf jeden Fall bestellt werden. In Deutschland haben wir daf\u00fcr vorl\u00e4ufig keine Pl\u00e4ne, aber wir schlie\u00dfen es nicht aus, dass das f\u00fcr die Zukunft m\u00f6glich ist. Vorl\u00e4ufig klappt der Vertrieb \u00fcber das Internet gut und wir haben, was das betrifft, noch Zeit.<\/p>\n<p><strong>Welches sind die absoluten Renner Ihres Verlages?<\/strong><\/p>\n<p>Die absoluten Renner sind: Unsere Jugendserien \u00fcber gesellschaftliche Themen, die Jugendliche betreffen wie Magersucht, Drogen, die Krimis und die B\u00fccher von ber\u00fchmten Autoren bzw. verfilmte oder im Theater aufgef\u00fchrte B\u00fccher.<\/p>\n<p><strong>Welche Werke planen Sie f\u00fcr Deutschland als n\u00e4chstes?<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr Deutschland planen wir vor allem ein Buch eines zeitgen\u00f6ssischen deutschen Autors. Mehr k\u00f6nnen wir dar\u00fcber aber noch nicht sagen.<\/p>\n<p><strong>Wie muss ich mir das vorstellen, wenn Sie das Werk eines zeitgen\u00f6ssischen Schriftstellers auf die einfache Sprache umstellen wollen? Sind die dann nicht schon bei der Anfrage beleidigt?<\/strong><\/p>\n<p>Nein, nicht beleidigt. Wir sagen zuerst, dass die bearbeitete Version anders wird als das urspr\u00fcngliche Werk. Wir zeigen Beispiele schon bearbeiteter B\u00fccher. Au\u00dferdem ist es uns wichtig zu betonen, dass das bearbeitete Werk nicht in Konkurrenz zum urspr\u00fcnglichen Buch stehen wird. Die Zielgruppe besteht aus Menschen, f\u00fcr die das \u201cechte\u201d Buch zu schwer, unerreichbar und uninteressant ist. F\u00fcr manche fungiert das bearbeitete Buch sogar als Zwischenschritt, um das echte Buch ein bisschen sp\u00e4ter ganz zu lesen.<\/p>\n<p><strong>Es gibt jetzt ein 26 Millionen-Lernf\u00f6rderungsprogramm \u201eLesestart \u2013 drei Meilensteine f\u00fcr das Lesen\u201c der Bundesregierung als Kooperationsprojekt des BMBF und der Stiftung Lesen. Was halten Sie davon? Welche Ma\u00dfnahmen w\u00e4ren Ihrer Meinung nach sinnvoll?<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt durchaus interessante Ans\u00e4tze der Politik bei der Lesef\u00f6rderung. Das Projekt \u201eLesestart\u201c ist sicher einer davon. Dieses Projekt richtet sich an Kinder, die von Haus aus wenig Kontakt zu B\u00fcchern h\u00e4tten und will sie ans Lesen heranf\u00fchren. Dabei werden auch die Eltern einbezogen. Das ist sicher sinnvoll. Bei aller Bedeutung, die Lesef\u00f6rderung im Kindesalter hat, darf man aber nicht vergessen, dass Jugendliche und Erwachsene, die selbst Leseschwierigkeiten haben, von einem solchen Programm nicht sehr stark profitieren. Und gerade an diese Personengruppe wenden wir uns ja. Insofern ist ein solches Programm begr\u00fc\u00dfenswert, die Schnittpunkte zu unserer Arbeit sind aber eher gering. Es gibt andere Ma\u00dfnahmen der Politik, die f\u00fcr unseren Verlag noch interessanter sind. So gibt es z.B. einen F\u00f6rderschwerpunkt des BMBF namens \u201eForschungs- und Entwicklungsvorhaben zur Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsene\u201c im Rahmen der UN-Weltalphabetisierungsdekade. Dort wird seit 2008 ganz wichtige Grundlagenarbeit geleistet. Wir stehen in diesem Bereich noch sehr am Anfang. Es ist ja bezeichnend, dass wir vor wenigen Tagen das erste Mal wissenschaftlich gesicherte Zahlen zur Gr\u00f6\u00dfenordnung des Problems bekommen haben. Allerdings ist dieser F\u00f6rderschwerpunkt auf die Jahre 2008 bis 2012 beschr\u00e4nkt. Es w\u00e4re also sehr zu begr\u00fc\u00dfen, solche Bem\u00fchungen auch \u00fcber das Jahr 2012 hinaus fortzuf\u00fchren und zu intensivieren.<\/p>\n<p><strong>Welche Entwicklungen w\u00fcrden Sie sich f\u00fcr die n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahre w\u00fcnschen?<\/strong><\/p>\n<p>Wir sollten uns w\u00fcnschen, dass in den kommenden f\u00fcnf Jahren das Thema Lesef\u00f6rderung in Deutschland viel mehr Aufmerksamkeit bekommt. Wichtig ist, dass bei Staat und Schulen ein Prozess des Bewusstwerdens beginnt, dass gut lesen nicht f\u00fcr jeden selbstverst\u00e4ndlich ist. Und die Erkenntnis, dass funktionaler Analphabetismus negative Folgen hat: F\u00fcr die funktionalen Analphabeten selbst, z.B. Isolation, Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt und viel gr\u00f6\u00dfere Gesundheitsrisiken, aber auch f\u00fcr die Allgemeinheit: weniger Wirtschaftswachstum, h\u00f6here Kosten im Gesundheitssystem, h\u00f6here Kriminalit\u00e4t und weniger soziales Engagement und Zusammenhalt. Das alles kostet die Gesellschaft viel Geld. Deshalb ist es unverzichtbar, das Problem des funktionalen Analphabetismus so schnell wie m\u00f6glich anzupacken und zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p><strong>Spa\u00df am Lesen vermitteln als gesellschaftliche Aufgabe<\/strong><\/p>\n<p><strong>Zahlen in Deutschland schrecken auf<\/strong><\/p>\n<p>leo hei\u00dft L\u00f6we und der ist bekanntlich zum F\u00fcrchten, wenn man ihm begegnet. leo steht auch f\u00fcr Level-One Studie \u2013 und auch deren Ergebnisse lassen erschaudern. Die Studie legt neue Zahlen zur Literalit\u00e4t, sprich: zu den Lesef\u00e4higkeiten der Deutschen vor. Bisher ging die Fachwelt gesch\u00e4tzt von einer Zahl von 4 Millionen funktionalen Analphabeten aus, Menschen, deren Lesef\u00e4higkeit auf Grundschulniveau liegen. leo legt offen: \u00dcber 14 Prozent der erwerbsf\u00e4higen Bev\u00f6lkerung, also 7,5 Millionen Menschen in Deutschland sind funktionale Analphabeten. Das bedeutet, dass sie mit ihren Lese- und Schreibkenntnissen im Alltag nicht auskommen.<\/p>\n<p><strong>Lesef\u00f6rderung+Lesemotivation= Lesef\u00e4higkeit<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDas erschreckende Ergebnis ist auch Resultat verpasster Chancen,\u201c zu dem Ergebnis kommt Ralf Beekveldt. Er ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer eines international t\u00e4tigen Verlages, der Lesematerial f\u00fcr Jugendliche und Erwachsene \u201eNichtleser\u201c herausgibt. \u201eIch bin froh, dass in Deutschland jetzt die realen Zahlen offen liegen,\u201c so der engagierte Unternehmer, der seit 16 Jahren in Sachen Lesef\u00f6rderung unterwegs ist. Sein Credo: wir m\u00fcssen die Leselust f\u00f6rdern gerade bei denen, die nicht lesen k\u00f6nnen. Die bisherigen Angebote richten sich im Allgemeinen an Menschen, die ganz gute Grundkenntnisse haben. \u201eWenn das Thema enttabuisiert wird, die Menschen aus ihrer Nische heraustreten k\u00f6nnen und die Gesellschaft ihnen Hilfen und Unterst\u00fctzung, geeignete Materialien und einen akzeptierten Raum anbieten, dann kann sich wirklich etwas \u00e4ndern.\u201c<\/p>\n<p><strong>Lesen k\u00f6nnen hat pers\u00f6nlichen und gesellschaftlichen Nutzen<\/strong><\/p>\n<p>Leo best\u00e4tigt: Menschen ohne Lesekenntnisse sind, werden und bleiben eher arbeitslos (Quote: 16,7 Prozent) und bekommen weniger Ausbildungschancen oder ergreifen sie nicht. Bemerkenswert ist, dass M\u00e4nner 60,3 Prozent der funktionalen Analphabeten ausmachen. Neben den pers\u00f6nlichen Nachteilen wie mangelnde Anerkennung, fehlendes Einkommen und Schwierigkeiten im Alltag, ist auch der volkswirtschaftliche Schaden immens: \u00f6ffentliche Unterst\u00fctzung, Fachkr\u00e4ftemangel, Krankheitskosten \u2013 die Liste ist lang, die Kosten nicht bezifferbar.<\/p>\n<p><strong>Gezielte Produkte motivieren zum Lesen<\/strong><\/p>\n<p>Die Produktpalette des Verlags, der in Deutschland unter dem Label \u201eSpa\u00df am Lesen\u201c auf dem Markt agiert, wendet sich an erwachsene und jugendliche funktionale Analphabeten \u201eEs ist ein Zumutung, wenn Erwachsene \u00fcber Kinderb\u00fccher lesen lernen sollen,\u201c so Beekveldt. \u201eEs geht uns um einfache Sprache, das hei\u00dft aber nicht, dass die Inhalte stupide oder naiv sind.\u201c Die Skepsis, die einfacher Sprache entgegenschl\u00e4gt, grenzt oft an Arroganz und betrifft Beh\u00f6rden, Medien und Betriebe gleicherma\u00dfen. \u201eDas macht es den Betroffenen noch schwerer, am \u00f6ffentlichen Leben teilzuhaben.\u201c<\/p>\n<p><strong>Einfaches, kontinuierliches Trainingsprogramm<\/strong><\/p>\n<p>In den Niederlanden hat sein Verlag besonders mit Jugendb\u00fccher und Zeitschriften Erfolg. Darin werden aktuelle Themen aus Gesellschaft, Politik und Kultur aufgegriffen und in einfacher Sprache vermittelt. Lesen lernt man durch Lesen und wer nicht liest, verliert auch seine vorhandenen F\u00e4higkeiten, das ist belegt. Daher pl\u00e4diert Beekveldt f\u00fcr ein einfaches, kontinuierliches Trainingsprogramm. \u201eDreimal in der Woche, besser jeden Tag 15 Minuten lesen, hilft bereits.\u201c so Beekveldt. Und nicht nur der Lesef\u00e4higkeit an sich, denn Lesenk\u00f6nnen steigert zugleich das Selbstbewusstsein, ist ein wichtiger Baustein f\u00fcr gesellschaftliche Integration und berufliche Chancen.<\/p>\n<p><strong>Lesef\u00f6rderung braucht gesellschaftliche und politische R\u00fcckendeckung<\/strong><\/p>\n<p>Aus seiner internationalen Arbeit wei\u00df der Unternehmer, dass nur gesellschaftliches Engagement und politische Unterst\u00fctzung eine reale \u00c4nderung bewirken k\u00f6nnen. \u201eIch hoffe, der leo-Schock wird ein heilsamer und f\u00fchrt neue und alte Akteure zusammen, z.B. auch Betriebe, Gewerkschaften, Verb\u00e4nde und Unternehmen.\u201c Die Fakten liegen jetzt auf dem Tisch, jetzt muss gehandelt werden.<\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen und Kontakt:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/leichtesprache.org\/\" target=\"_blank\">http:\/\/leichtesprache.org\/<\/a><\/p>\n<div class=\"pdf24Plugin-cp\"> \t<form name=\"pdf24Form0\" method=\"post\" 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