{"id":15040,"date":"2012-11-27T09:26:12","date_gmt":"2012-11-27T08:26:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/?p=15040"},"modified":"2012-11-27T09:32:22","modified_gmt":"2012-11-27T08:32:22","slug":"die-opfer-mahnen-uns-heute-zu-toleranz-und-humanitat-rede-von-jochen-durr-bei-einer-gedenkfeier-fur-die-opfer-von-faschismus-und-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/?p=15040","title":{"rendered":"&#8222;Die Opfer mahnen uns heute zu Toleranz und Humanit\u00e4t&#8220; \u2013 Rede von Jochen D\u00fcrr bei einer Gedenkfeier f\u00fcr die Opfer von Faschismus und Krieg"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eine Rede bei der Gedenkfeier in Pforzheim f\u00fcr die Opfer von Faschismus und Krieg hat der Schw\u00e4bisch Haller Jochen D\u00fcrr am 25. November 2012 gehalten. D\u00fcrr ist Landessprecher der VVN\/BdA Baden-W\u00fcrttemberg. Hohenlohe-ungefiltert ver\u00f6ffentlicht die Rede in voller L\u00e4nge.<\/strong><\/p>\n<p><em>Rede von Jochen D\u00fcrr aus Schw\u00e4bisch Hall, Landessprecher der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes \u2013 Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) Baden-W\u00fcrttemberg<\/em><\/p>\n<p><strong>Viele wurden ins KZ Gurs verschleppt<\/strong><\/p>\n<p>Liebe Mitb\u00fcrgerinnen und Mitb\u00fcrger, liebe Kameradinnen und Kameraden, wir gedenken heute wie jedes Jahr am Totensonntag der Opfer von Krieg und Faschismus:<\/p>\n<p>\u2022 Wir erinnern an die badischen, pf\u00e4lzer und saarl\u00e4ndischen Juden, die vor 72 Jahren in das Internierungslager Gurs am Rand der franz\u00f6sischen Pyren\u00e4en deportiert wurden. Unter ihnen befanden sich 200 Pforzheimer B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger, M\u00e4nner, Frauen und Kinder.<\/p>\n<p>\u2022 Wir gedenken heute, stellvertretend f\u00fcr alle Opfer des faschistischen Terrorregimes, der 41 Menschen, deren Namen hier auf den Grabplatten stehen. Sie sind Opfer aus\u00a0 Konzentrationslagern und \u201eEuthanasie\u201c-Mordanstalten.<\/p>\n<p>\u2022 Wir gedenken der 18 000 Toten des furchtbaren Luftangriffs vom 23. Februar 1945, der Pforzheim fast vollst\u00e4ndig zerst\u00f6rt hatte. Unter den Opfern waren auch zahlreiche franz\u00f6sische Zwangsarbeiter aus La Bresse in den Vogesen, die in der Pforzheimer R\u00fcstungsindustrie besch\u00e4ftigt waren.<\/p>\n<p>Die Gedenktafeln und Grabsteine auf diesem Friedhof mahnen uns heute zu Toleranz und Humanit\u00e4t. So ist es auf der Gedenktafel am Eingang zum Neuen J\u00fcdischen Friedhof zu lesen. Was Menschen anderen Menschen an Leid und Grausamkeit zuf\u00fcgen k\u00f6nnen, ist tief in das individuelle wie in das gemeinschaftliche Ged\u00e4chtnis der Menschen in Europa eingepr\u00e4gt.<\/p>\n<p><strong>Nie wieder Krieg \u2013 nie wieder Faschismus<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Wunsch pr\u00e4gte das Denken und Handeln der meisten Menschen nach 1945. Doch wo stehen wir heute? Nicht allein die Morde des sogenannten \u201eNationalsozialistischen Untergrundes\u201c , deren T\u00e4terInnen und Motiv erst nach Jahren ans Tageslicht kamen, beweisen den gewaltt\u00e4tigen und terroristischen Charakter faschistischer und neofaschistischer Ideologie und Politik. Auch in Baden-W\u00fcrttemberg zeigte sich dieser terroristische Charakter in den letzten Jahren besonders deutlich zum Beispiel im gerade noch verhinderten Bombenanschlag eines NPD-Jugendfunktion\u00e4rs in L\u00f6rrach 2009, im Brandanschlag von Winterbach oder beim Mordversuch im s\u00fcdbadischen Riegel, wo ein Nazi einen Antifaschisten mit dem Auto anfuhr und lebensgef\u00e4hrlich verletzte. Im gesamten Bundesgebiet starben seit 1990 182 Menschen als Opfer faschistischer Gewalt.<\/p>\n<p><strong>Zum Wesen des Faschismus geh\u00f6ren Sozialdarwinismus<\/strong><\/p>\n<p>Zum Wesen des Faschismus geh\u00f6ren Sozialdarwinismus, Volksgemeinschaft, F\u00fchrerprinzip, Rassismus und Antisemitismus, Sexismus, Demokratiefeindlichkeit, Gewalt und Krieg. Wo sich FaschistInnen \u201eglobalisierungskritisch\u201c und \u201esozialkritisch\u201c geben, kn\u00fcpfen sie an die soziale und vermeintlich antikapitalistische Demagogie ihres historischen Vorbildes NSDAP an. Auch in Baden-W\u00fcrttemberg haben die Aktivit\u00e4ten offener faschistischer Kr\u00e4fte in den letzten Jahren zugenommen und haben ein besorgniserregendes Ausma\u00df erreicht. Es ist ein weitverzweigtes Netzwerk von sogenannten freien oder autonomen Kameradschaften, \u201eSt\u00fctzpunkten der JN\u201c, Internetseiten und Internetvers\u00e4nden, Verlagen, omin\u00f6sen Vereinen und Gemeinschaften entstanden.<\/p>\n<p><strong>Den Kern bildet die NPD<\/strong><\/p>\n<p>Den Kern dieses Netzwerkes bildet weiterhin die NPD, die das Parteienprivileg genie\u00dft, staatliche Wahlkampfzusch\u00fcsse erh\u00e4lt, in einigen Bundesl\u00e4ndern \u00fcber Landtagsmandate und auch in einigen Gemeinden in Baden-W\u00fcrttemberg \u00fcber Kommunalmandate verf\u00fcgt. Wir wollen uns auch weiterhin nicht damit abfinden, dass diese menschenfeindliche Ideologie weiter Fu\u00df fasst.<\/p>\n<p><strong>Wir fordern das Verbot der NPD und anderer Nazistrukturen<\/strong><\/p>\n<p>Deshalb fordern wir mit Nachdruck weiterhin das Verbot der NPD und anderer Nazistrukturen. Dazu geh\u00f6rt auch das Abschalten aller V-Leute der Geheimdienste (nicht nur wie bereits geschehen jener in den Vorst\u00e4nden) und damit ein Ende der staatlichen Finanzierung und Unterst\u00fctzung faschistischer Strukturen und Aktivit\u00e4ten. Wir arbeiten als VVN-BdA in diesen B\u00fcndnissen mit und machen uns daf\u00fcr stark, Aktionen zu entwickeln, die geeignet sind, die Aufm\u00e4rsche und Veranstaltungen zu verhindern. Dazu geh\u00f6ren Initiativen zum Verbot solcher Aufm\u00e4rsche, die Organisation von antifaschistischen Veranstaltungen, Kundgebungen und Demonstrationen sowie Aktionen des zivilen Ungehorsams einschlie\u00dflich gewaltfreier Blockaden.<\/p>\n<p><strong>Fremdenfeindlichkeit ist weit verbreitet<\/strong><\/p>\n<p>Die offen faschistischen Auftritte sind nicht die einzige und nicht unbedingt die gef\u00e4hrlichste Erscheinungsform faschistischer Ideologie. Sie tritt im gesellschaftlichen Alltag oft weit weniger spektakul\u00e4r in Erscheinung. Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Sexismus und Homophobie sind gesellschaftlich leider weit verbreitet. Scheinbar seri\u00f6s wirkende Parteien, Vereine, Internetseiten und Verlage in gro\u00dfer Zahl verbreiten und unterst\u00fctzen solche menschenverachtenden Haltungen. Oftmals fungieren Mandatstr\u00e4ger demokratischer Parteien als Stichwortgeber oder greifen die Stichworte populistisch auf. Rechtspopulistische Parteien haben Konjunktur.<\/p>\n<p><strong>Generalverdacht des Terrorismus<\/strong><\/p>\n<p>Zunehmend machen sich solche Haltungen auch an weit verbreiteten Vorurteilen und in der Diskriminierung der muslimischen Bev\u00f6lkerung fest. Unter dem Stichwort \u201eIslamismus\u201c wird diese unter den Generalverdacht des Terrorismus gestellt oder der Unterwanderung der wahlweise \u201echristlich-abendl\u00e4ndischen\u201c oder christlich-j\u00fcdischen\u201c Kultur verd\u00e4chtigt und entsprechend diskriminiert.<\/p>\n<p><strong>Aufr\u00fcstung und milit\u00e4rische Interventionen<\/strong><\/p>\n<p>Rechtspopulistische Parteien wie die Pro-Bewegung stehen f\u00fcr diese neuere Variante des Rassismus. Seine Funktion ist es, sowohl innenpolitisch als auch au\u00dfenpolitisch Feindbilder zu schaffen, die von den wirklichen Problemen und ihren L\u00f6sungen ablenken, im Inneren Sozial- und Demokratieabbau und im \u00c4u\u00dferen Aufr\u00fcstung und milit\u00e4rische Interventionen plausibel erscheinen zu lassen.<\/p>\n<p><strong>Einsatz der Bundeswehr im Innern<\/strong><\/p>\n<p>Wir stellen uns als Aufgabe, auch solchen Erscheinungen faschistischer Ideologie in der Mitte der Gesellschaft entgegen zu treten und dar\u00fcber aufzukl\u00e4ren. Wie das Jahr 1933 beweist, bedeutet Faschismus die Zerschlagung der Demokratie und der demokratischen Rechte. Eine zentrale Aufgabe jedes antifaschistischen Handelns ist es daher f\u00fcr Erhaltung und St\u00e4rkung der Demokratie und der demokratischen Rechte einzutreten. Im Jahr 2012 hat das Bundesverfassungsgericht mit seinem Urteil zum Einsatz der Bundeswehr im Innern nun den vielen politischen Versuchen der letzten Jahre nachgegeben, bewaffnete Bundeswehreins\u00e4tze im Innern zu erm\u00f6glichen. Die in diesem Urteil gemachten Einschr\u00e4nkungen k\u00f6nnen nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass entsprechende Katastrophenszenarien f\u00fcr einen solchen Einsatz schnell konstruiert werden k\u00f6nnen, wie dies auch die Geschichte zeigt. Die H\u00fcrden die Bundeswehr auch als innenpolitisches Machtinstrument zu missbrauchen, sind damit dramatisch gesenkt worden.<\/p>\n<p><strong>Keine Bundeswehr-Begleitung f\u00fcr Patriot-Raketen<\/strong><\/p>\n<p>Aktuell muss auch zu dem Bestreben, Patriotraketen der Bundeswehr an der Grenze der T\u00fcrkei zu Syrien einzusetzen, etwas gesagt werden. Au\u00dfenminister Westerwelle erkl\u00e4rte am Mittwoch dieser Woche im Bundestag, wenn ein NATO-Partner um Hilfe bittet, dann m\u00fcssten schon \u201esehr gute Gr\u00fcnde\u201c vorliegen, einer solchen Bitte nicht zu entsprechen. \u201eSolche Gr\u00fcnde sehe ich nicht.\u201c Dabei liegen sie auf der Hand. Aus der vorliegenden au\u00dfen- und sicherheitspolitischen Expertise lassen sich Gr\u00fcnde anf\u00fchren, die eindeutig gegen eine Stationierung der angeforderten Patriot-Systeme mit entsprechender Bundeswehr-Begleitung sprechen.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Wir m\u00f6gen den Krieg nicht&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Von t\u00fcrkischer Seite werden Drohungen ausgesto\u00dfen und Interventionsabsichten gegen Syrien ge\u00e4u\u00dfert. Am weitesten geht der von der Regierung im t\u00fcrkischen Parlament eingebrachte und mit gro\u00dfer Mehrheit verabschiedete Kriegsvorratsbeschluss vom 4. Oktober 2012. Darin wird die Regierung Erdogan zum \u201eeinj\u00e4hrigen Einsatz der t\u00fcrkischen Streitkr\u00e4fte im Ausland\u201c erm\u00e4chtigt, \u201ederen Rahmen, Zahl und Zeit von der Regierung festgelegt werden\u201c. Einen Tag sp\u00e4ter erkl\u00e4rte Ministerpr\u00e4sident Erdogan offen, dass er zum Krieg r\u00fcste: \u201eWir m\u00f6gen den Krieg nicht, aber wir sind auch nicht weit davon entfernt. Es gibt eine Redewendung, die besagt, dass man sich f\u00fcr den Krieg vorbereiten soll, wenn man den Frieden will. So wird der Krieg zum Schl\u00fcssel f\u00fcr den Frieden.\u201c<\/p>\n<p><strong>Innersyrischer bewaffneter Konflikt zwischen Armee und Aufst\u00e4ndischen<\/strong><\/p>\n<p>Alle sicherheitspolitisch relevanten Vorf\u00e4lle der letzten Monate an der syrisch-t\u00fcrkischen Grenze tragen die Handschrift des innersyrischen bewaffneten Konflikts zwischen Armee und Aufst\u00e4ndischen. Auch die vereinzelte Luftzwischenf\u00e4lle k\u00f6nnen nicht dazu herhalten, eine relevante Gef\u00e4hrdung t\u00fcrkischen Territoriums durch Syrien zu behaupten. Dagegen warnte am 7. Oktober der t\u00fcrkische Au\u00dfenminister Ahmet Davuto\u011flu, dass sein Land auf den \u201eandauernden Granatenbeschuss\u201c (von dem in Wahrheit keine Rede sein kann) milit\u00e4risch reagieren werde. Und Generalstabschef Necdet \u00d6zel erkl\u00e4rte gleichzeitig: \u201eWenn das weitergeht, werden wir mit gr\u00f6\u00dferer Gewalt antworten.\u201c<\/p>\n<p><strong>Widerspricht eindeutig den vertraglichen Verpflichtungen<\/strong><\/p>\n<p>Der NATO-Vertrag schreibt dies zwingend vor. In Artikel 1 hei\u00dft es unmissverst\u00e4ndlich: \u201eDie Parteien verpflichten sich, in \u00dcbereinstimmung mit der Satzung der Vereinten Nationen jeden internationalen Streitfall, an dem sie beteiligt sind, auf friedlichem Wege so zu regeln, dass der internationale Friede, die Sicherheit und die Gerechtigkeit nicht gef\u00e4hrdet werden, und sich in ihren internationalen Beziehungen jeder Gewaltandrohung oder Gewaltanwendung zu enthalten, die mit den Zielen der Vereinten Nationen nicht vereinbar ist.\u201c Mit diesem Grundsatz vertr\u00e4gt sich weder aggressives Reden noch aggressives Verhalten von NATO-Mitgliedern gegen\u00fcber Drittstaaten. Ein Kriegsvorratsbeschluss, wie ihn das t\u00fcrkische Parlament erlassen hat, widerspricht eindeutig den vertraglichen Verpflichtungen, welche die NATO-Mitglieder eingegangen sind.<\/p>\n<p><strong>Verteidigungscharakter der NATO wird in sein Gegenteil verkehrt<\/strong><\/p>\n<p>Der Verteidigungscharakter der NATO wird in sein Gegenteil verkehrt, wenn Mitgliedstaaten in ihren aggressiven Vorhaben unterst\u00fctzt werden. Dies scheint uns eindeutig der Fall zu sein bei der Ank\u00fcndigung des NATO-Generalsekret\u00e4rs vom 21. November, der Bitte der T\u00fcrkei entsprechen zu wollen, Patriot-Raketen-Einheiten an die t\u00fcrkisch-syrische Grenze zu entsenden. Die Bundesregierung, die nach Meinung des zum \u201eSicherheitsexperten\u201c gewandelten Au\u00dfenministers Westerwelle alle Kriterien f\u00fcr eine positive Antwort auf das t\u00fcrkische Hilfeersuchen erf\u00fcllt sieht, beteiligt sich aktiv an einer m\u00f6glichen Eskalation im t\u00fcrkisch-syrischen Grenzgebiet.<\/p>\n<p><strong>Nicht der au\u00dfen- und sicherheitspolitischen Vuvuzela Westerwelle glauben<\/strong><\/p>\n<p>Die Abgeordneten des Deutschen Bundestags w\u00e4ren also gut beraten, nicht den vollmundigen Unbedenklichkeitserkl\u00e4rungen der Regierung und ihrer au\u00dfen- und sicherheitspolitischen Vuvuzela Westerwelle zu glauben. Vielmehr sollte die aggressive Politik der t\u00fcrkischen Regierung nach au\u00dfen, aber auch nach innen (der Krieg gegen die Kurden wird wieder mit aller H\u00e4rte gef\u00fchrt) analysiert werden. Die einzige Schlussfolgerung daraus kann nur sein: Keine Eskalation der t\u00fcrkisch-syrischen Spannungen durch die Aufr\u00fcstung an der syrischen Grenze.<\/p>\n<p><strong>Deshalb an dieser Stelle meine klare Forderung:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Keine Bundeswehr in die T\u00fcrkei!<\/strong><\/p>\n<p>Eines der wichtigsten demokratischen Rechte ist das Recht der B\u00fcrgerInnen f\u00fcr ihre Interessen und \u00dcberzeugungen einzutreten. Mit gro\u00dfer Sorge beobachten wir deshalb, dass insbesondere das Recht auf Versammlungsfreiheit und das Demonstrationsrecht in der politischen und juristischen Praxis immer h\u00e4ufiger Beschr\u00e4nkungen und Sanktionen unterliegt. Davon betroffen sind fast alle regierungs- und sozialkritischen Bewegungen und Aktivit\u00e4ten. Beispiele daf\u00fcr sind die Behinderung der Anti-Nato Proteste vor einigen Jahren in Kehl, das Vorgehen gegen Stuttgart 21 GegnerInnen, das rigorose Versammlungsverbot gegen die Blockupy Aktionen in Frankfurt.<\/p>\n<p><strong>Besonders betroffen sind antifaschistische Aktionen und Proteste gegen Naziaktivit\u00e4ten<\/strong><\/p>\n<p>Besonders betroffen sind immer wieder antifaschistische Aktionen und Proteste gegen Naziaktivit\u00e4ten. W\u00e4hrend kommunale Verbotsverf\u00fcgungen gegen Naziaufz\u00fcge regelm\u00e4\u00dfig von den obersten Gerichten mit dem Hinweis auf die Versammlungsfreiheit aufgehoben werden, werden antifaschistische Proteste kriminalisiert und immer wieder auch verboten. Selten gibt es rigorosere Polizeima\u00dfnahmen, Durchsuchungen und Schikanen, Platz- und Stadtverbote, Einkesselung ganzer Demonstrationsz\u00fcge, Kn\u00fcppel- und Wasserwerfereins\u00e4tze, Pr\u00fcgelorgien, Festnahmen und Verhaftungen \u2026 als anl\u00e4sslich von Aktionen gegen Naziaufm\u00e4rsche. Beispiele sind die stundenlangen Einkesselungen von Nazigegnern anl\u00e4sslich der Naziaufm\u00e4rsche zum 1. Mai in Ulm und Heilbronn. Das Versammlungsrecht der Nazis soll gesch\u00fctzt werden, so die beh\u00f6rdliche Begr\u00fcndung f\u00fcr solche Ma\u00dfnahmen, indem den NazigegnerInnen die Versammlungsfreiheit verweigert wird.<\/p>\n<p><strong> Ma\u00dfnahmen im Nachhinein von den Gerichten als rechtswidrig eingestuft<\/strong><\/p>\n<p>Oft wurden solche Ma\u00dfnahmen im Nachhinein von den Gerichten als rechtswidrig eingestuft, und dennoch immer wieder angewandt und von den regierenden PolitikerInnen als \u201ema\u00dfvoll und besonnen\u201c gelobt. Auch wir hier in Pforzheim sind vor solchen gespenstischen Szenen nicht sicher. Ich meine den Fackelmarsch und andere Aktionen des rechtsextremen Freundeskreises \u201eEin Herz f\u00fcr Deutschland\u201c. Es ist unertr\u00e4glich, wie Neonazis die Erinnerung an die Opfer missbrauchen. Ich wende mich auch gegen ein unterschiedsloses Gedenken an Opfer und T\u00e4ter gleicherma\u00dfen, weil dies die Nazi- und Kriegsverbrechen relativiert. Doch wie konnte es zu diesem ver\u00e4nderten Umgang mit der Vergangenheit kommen, dass versucht wird, mit L\u00fcgen die Wahrheit und Erinnerung zu verdr\u00e4ngen ?<\/p>\n<p><strong>Deutschland als bedrohlich und unzug\u00e4nglich empfunden<\/strong><\/p>\n<p>Die kanadische Journalistin Erna Paris, 1940 in Toronto als Tochter j\u00fcdischer Eltern geboren, hat hierzu ein Buch geschrieben: Jahrelang empfand sie Deutschland als bedrohlich und unzug\u00e4nglich. Sie schreibt, und erlaubt bitte, dass ich eine kurze Passage aus ihrem Buch zitiere:<\/p>\n<p>&#8220; Das Gedenken des Holocaust ist vielschichtig und die Wiederherstellung der Erinnerung ein langwieriger Prozess, der erst in j\u00fcngster Zeit Fortschritte zeigte. Nach 1945 brach f\u00fcr Deutschland eine Zeit an, in der man zuallererst nach vorne schaute. Man \u00fcbte sich unter Anleitung der siegreichen Alliierten in der Demokratie, versuchte, eine lebensf\u00e4hige Wirtschaft aufzubauen und den europ\u00e4ischen Nachbarn als Partner und nicht als Kontrahent zu begegnen. Es herrschte der Kalte Krieg, in dem so mancher ehemalige Nazi ein willkommener Mitstreiter gegen den Kommunismus war. Die N\u00fcrnberger Kriegsverbrecherprozesse von 1945 und 1946, auch als \u201eSiegerjustiz\u201c abgetan, dienten den meisten als eine M\u00f6glichkeit der Katharsis, Hitler und seine Helfershelfer waren tot oder geb\u00fchrend bestraft \u2013 ein Schlussstrich , wie ihn die Franzosen nach dem Krieg gezogen hatten, schien auch in Deutschland m\u00f6glich zu sein. Die Geschichte konnte wieder von Neuem beginnen.<\/p>\n<p>Doch wer sollte sie gestalten ? Die neu gegr\u00fcndete Bundesrepublik unter ihrem ersten Kanzler Konrad Adenauer brauchte eine starke Justiz, sie brauchte Richter und Beamte. Doch die meisten Richter hatten der Sache der Nazis gedient, stillschweigend Gr\u00e4ueltaten gebilligt, die Ermordung der Schwachen und die ber\u00fcchtigten N\u00fcrnberger Gesetze mitgetragen, die Juden ihrer b\u00fcrgerlichen Rechte und ihre Staatsb\u00fcrgerschaft beraubten. \u2026 Und auch die Beamten, das diplomatische Corps und die Milit\u00e4rs waren zu sehr in die Vergangenheit verstrickt, um unbelastet zu sein, und nur wenige hatten sich der Indoktrination unter Hitler entziehen k\u00f6nnen. Da war Erinnerungslosigkeit eine vergleichsweise schmerzlose und unproblematische Option. Die so genannte Entnazifizierung wurde bestenfalls halbherzig betrieben, und zu Gef\u00e4ngnis Verurteilte wurden so bald wie m\u00f6glich entlassen, um Aufgaben zu \u00fcbernehmen. In den Jahren unmittelbar nach dem Krieg war die Infrastruktur der neuen Bundesrepublik, um funktionieren zu k\u00f6nnen, fast vollst\u00e4ndig auf M\u00e4nner und Frauen angewiesen, deren pers\u00f6nliche Biographie mit Unrechtstaten und in einigen F\u00e4llen sogar mit dem Genozid verwoben war&#8220;.<\/p>\n<p>Soweit das Zitat aus dem Buch von Erna Paris.<\/p>\n<p><strong>Die geschichtspolitischen Auseinandersetzungen bringen bis zum heutigen Tag &#8230;<\/strong><\/p>\n<p>\u2022 eine Denunzierung und Diffamierung des Antifaschismus<\/p>\n<p>\u2022 eine Wiederbelebung der Totalitarismus-These, die \u00fcber einen Vergleich eine Gleichsetzung von NS-Vergangenheit und DDR-Geschichte einschloss<\/p>\n<p>\u2022 massive Versuche, den Widerstand der Arbeiterbewegung aus dem \u00f6ffentlichen Bewusstsein zu verdr\u00e4ngen mit sich.<\/p>\n<p><strong>Herausforderungen f\u00fcr politisches Handeln<\/strong><\/p>\n<p>Wir wollen an alle Menschen erinnern, die unter Einsatz ihres Lebens und der Freiheit Widerstand gegen das Nazi-Regime geleistet haben. Wir als VVN-BdA rufen dazu auf, die historischen Jahrestage nicht allein als Gedenktage zu begehen. Sie sind Herausforderungen f\u00fcr politisches Handeln in der Auseinandersetzung mit aktuellen Entwicklungen von Nazismus, Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus in Politik und Gesellschaft.<\/p>\n<p>Wer Nazi-Propaganda entgegen tritt, ist nicht kriminell, sondern sch\u00fctzt Verfassung und Demokratie!<\/p>\n<p>Wir hoffen, dass \u00f6ffentliche Diskussion dazu beitr\u00e4gt, dass sich k\u00fcnftig noch mehr Menschen zusammenfinden in der Abwehr rechtsextremer Aktivit\u00e4ten.<\/p>\n<p><strong>Nazis\u00a0 k\u00f6nnen sich nicht auf Meinungsfreiheit berufen<\/strong><\/p>\n<p>Wir meinen: Wer Naziherrschaft und Krieg verherrlicht, wer gegen Juden und Ausl\u00e4nder hetzt, kann sich nicht auf Grundgesetz und \u201eMeinungsfreiheit\u201c berufen, denn das Grundgesetz ist nicht \u201ewertneutral\u201c ! Es ist entstanden als Antwort auf jene 12 Jahre, in denen die Nazipropaganda verbrecherische Wirklichkeit wurde. Darum sollten Nazis nie wieder Gelegenheit haben, ihre Ideologie zu verbreiten.<\/p>\n<p><strong>Am 23. Februar 2013 ein deutliches Zeichen gegen die Nazis setzen<\/strong><\/p>\n<p>AntifaschistInnen aus den Reihen der VVN-BdA, junge Antifastrukturen, aktive GewerkschafterInnen und andere m\u00fcssen sich immer wieder im B\u00fcndnis zusammentun. Hier in Pforzheim habt Ihr Eure Erfahrungen mit einem solchen B\u00fcndnis gegen den Fackelmarsch und andere Aktionen des rechtsextremen Freundeskreises \u201eEin Herz f\u00fcr Deutschland\u201c allj\u00e4hrlich im Februar seit vielen Jahren. Es ist unertr\u00e4glich, wie Neonazis die Erinnerung an die Opfer missbrauchen. Die VVN-BdA Baden-W\u00fcrttemberg wird Euch unterst\u00fctzen, am 23. Februar 2013 ein deutliches Zeichen gegen die Nazis setzen und landesweit f\u00fcr die Gegenaktionen mobilisieren.<\/p>\n<p><strong>Dem\u00fctigung, Vertreibung, Internierung<\/strong><\/p>\n<p>Fast zum Schluss meiner Rede m\u00f6chte ich Max Mannheimer, Vorsitzender der Lagergemeinschaft Dachau zitieren. Max Mannheimer hat alles durchlitten, was einem Menschen in dem von den Nazis entfesselten Inferno zusto\u00dfen konnte: Dem\u00fctigung, Vertreibung, Internierung im Ghetto, Tod fast der ganzen Familie in der Gaskammer, Arbeitslager und KZ, Hunger, Krankheit und Misshandlung.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Ihr seid verantwortlich daf\u00fcr, dass es nicht wieder geschieht<\/strong>&#8220;<\/p>\n<p>In einer Diskussion mit Sch\u00fclerInnen sagte Max Mannheimer einmal: \u201eIhr seid nicht verantwortlich f\u00fcr das was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, daf\u00fcr schon.\u201c Das beeindruckt mich tief und ist ein sch\u00f6nes Schlusswort. Die Kreisvereinigung Pforzheim der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes \u2013 Bund der Antifaschisten ehrt jetzt die Toten mit einer Kranzniederlegung.<\/p>\n<p>Ich danke f\u00fcr Euer Kommen und f\u00fcr Eure Aufmerksamkeit. Vielen Dank.<\/p>\n<p><strong>\u00a0Weitere Informationen und Kontakt:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.vvn-bda.de\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.vvn-bda.de\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/pforzheim.vvn-bda.de\/\" target=\"_blank\">http:\/\/pforzheim.vvn-bda.de\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.vvn.telebus.de\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.vvn.telebus.de\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/schwaebisch-hall.vvn-bda.de\/\" target=\"_blank\">http:\/\/schwaebisch-hall.vvn-bda.de\/<\/a><\/p>\n<div class=\"pdf24Plugin-cp\"> \t<form name=\"pdf24Form0\" method=\"post\" action=\"https:\/\/doc2pdf.pdf24.org\/wordpress.php\" target=\"pdf24PopWin\" onsubmit=\"var pdf24Win = window.open('about:blank', 'pdf24PopWin', 'resizable=yes,scrollbars=yes,width=600,height=250,left='+(screen.width\/2-300)+',top='+(screen.height\/3-125)+''); pdf24Win.focus(); if(typeof pdf24OnCreatePDF === 'function'){void(pdf24OnCreatePDF(this,pdf24Win));}\"> \t\t<input type=\"hidden\" 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\/> \t\t<a href=\"https:\/\/www.pdf24.org\" target=\"_blank\" title=\"www.pdf24.org\" rel=\"nofollow\"><img src=\"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/wp-content\/plugins\/pdf24-post-to-pdf\/img\/pdf_32x32.png\" alt=\"\" border=\"0\" height=\"32\" \/><\/a> \t\t<span class=\"pdf24Plugin-cp-space\">&nbsp;&nbsp;<\/span> \t\t<span class=\"pdf24Plugin-cp-text\">Sende Artikel als PDF<\/span> \t\t<span class=\"pdf24Plugin-cp-space\">&nbsp;&nbsp;<\/span> \t\t<input class=\"pdf24Plugin-cp-input\" style=\"margin: 0px;\" type=\"text\" name=\"sendEmailTo\" placeholder=\"Emailadresse\" \/> \t\t<input class=\"pdf24Plugin-cp-submit\" style=\"margin: 0px;\" type=\"submit\" value=\"Senden\" \/> \t<\/form> <\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Rede bei der Gedenkfeier in Pforzheim f\u00fcr die Opfer von Faschismus und Krieg hat der Schw\u00e4bisch Haller Jochen D\u00fcrr am 25. November 2012 gehalten. D\u00fcrr ist Landessprecher der VVN\/BdA Baden-W\u00fcrttemberg. Hohenlohe-ungefiltert ver\u00f6ffentlicht die Rede in voller L\u00e4nge. Rede von Jochen D\u00fcrr aus Schw\u00e4bisch Hall, Landessprecher der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes \u2013 Bund der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15040"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15040"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15040\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15043,"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15040\/revisions\/15043"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15040"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15040"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15040"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}