{"id":14846,"date":"2012-10-25T09:15:56","date_gmt":"2012-10-25T08:15:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/?p=14846"},"modified":"2012-10-25T14:53:47","modified_gmt":"2012-10-25T13:53:47","slug":"denkmal-fur-die-im-nationalsozialismus-ermordeten-sinti-und-roma-europas-eingeweiht-zoni-weisz-wies-auf-die-ermordeten-sinti-kinder-aus-dem-kinderheim-in-mulfingen-hin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/?p=14846","title":{"rendered":"&#8222;Denkmal f\u00fcr die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas eingeweiht&#8220; \u2013 Zoni Weisz wies auf die ermordeten Sinti-Kinder aus dem Kinderheim in Mulfingen hin"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das Denkmal f\u00fcr die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas ist am 24. Oktober 2012 in Berlin eingeweiht worden. Romani Rose, Vorsitzender des &#8222;Zentralrats Deutscher Sinti und Roma&#8220; hat beim Festakt eine Rede gehalten. Hohenlohe-ungefiltert dokumentiert unten die Rede von Romani Rose und weitere Reden beim Festakt in Berlin.<\/strong><\/p>\n<p><em>Informationen zusammengestellt von Ralf Garmatter, Hohenlohe-ungefiltert<\/em><\/p>\n<p><strong>Viele Hohenloher Sinti und Roma wurden ermordet<\/strong><\/p>\n<p>Auch in der Region Hohenlohe wurden viele Sinti und Roma in Vernichtungslager der Nazis deportiert und dort ermordet. Der Zeitzeuge Zoni Weisz berichtete in seiner Rede bei der Einweihung des Denkmals auch von den 40 aus dem Mulfinger Kinderheim St. Josefspflege nach Auschwitz-Birkenau verschleppten Kinder. Fast alle wurden dort ermordet. Den Namen der Einrichtung und den Ort nannte der Redner allerdings nicht. Zoni Weisz zeigte Filmaufnahmen der NS-Rassenforscherin Eva Justin. Diese hatte die Mulfinger Kinder f\u00fcr ihre Doktorarbeit auch gefilmt. Die Filmaufnahmen sind die letzten Bilder der sp\u00e4ter ermordeten Sinti- und Roma-Kinder aus dem Mulfinger Kinderheim. Die Kinder waren aus ganz W\u00fcrttemberg und Baden nach Mulfingen gebracht worden. Die meisten ihrer Eltern wurden schon vorher von den Nazis in Konzentrationslager verschleppt und dort ermordet.<\/p>\n<p><strong>Rede von Zoni Weisz auf Youtube:<\/strong><\/p>\n<p>Zoni Weisz \u2013 Einweihung des Denkmals f\u00fcr Sinti und Roma <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Lv6DFw99__s\" target=\"_blank\">http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Lv6DFw99__s<\/a><\/p>\n<p><strong>Informationen \u00fcber die St. Josefspflege in Mulfingen:<\/strong><\/p>\n<p>Aus Vergangenheit und Gegenwart f\u00fcr die Zukunft lernen \u2013 Reisen der St. Josefspflege nach Auschwitz<a href=\"http:\/\/www.josefspflege.de\/ueber-uns\/geschichte\/erziehung-nach-auschwitz\/\" target=\"_blank\"> http:\/\/www.josefspflege.de\/ueber-uns\/geschichte\/erziehung-nach-auschwitz\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.josefspflege.de\/ueber-uns\/geschichte\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.josefspflege.de\/ueber-uns\/geschichte\/<\/a><\/p>\n<p><strong>Teilnahme Gaucks und Merkels gew\u00fcrdigt<\/strong><\/p>\n<p>In seiner Rede zur Einweihung des Denkmals f\u00fcr die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas w\u00fcrdigte Romani Rose die Teilnahme von Bundespr\u00e4sident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel: \u201eSie erweisen damit unseren Menschen die Ehre und den Respekt vor ihrem Schicksal.\u201c<\/p>\n<p><strong> \u00dcber 500.000 Sinti und Roma in Europa sind NS-Rassenwahn zum Opfer gefallen<\/strong><\/p>\n<p>Dem V\u00f6lkermord der Nazis fielen \u00fcber 500.000 Sinti und Roma in Europa zum Opfer. Dani Karavan habe sich intensiv mit dem Leid der Opfer auseinandergesetzt und mit seinem Denkmal ein Kunstwerk geschaffen, das Raum gebe, der unz\u00e4hligen Opfer zu gedenken. Santino Spinelli habe mit seinem Gedicht \u201eAuschwitz\u201c Worte gefunden f\u00fcr das Unsagbare des V\u00f6lkermordes, die Dani Karavan in sein Kunstwerk aufgenommen habe, so Rose.<\/p>\n<p><strong>Denkmal in unmittelbarer N\u00e4he zum Reichstagsgeb\u00e4ude und Brandenburger Tor<\/strong><\/p>\n<p>Mit dem Ort des Denkmals in unmittelbarer N\u00e4he zum Reichstagsgeb\u00e4ude und zum Brandenburger Tor sowie zum Denkmal f\u00fcr die ermordeten Juden Europas sei f\u00fcr die \u00dcberlebenden und ihre Angeh\u00f6rigen sowie f\u00fcr die gesamte Minderheit in Deutschland und in Europa Ausdruck der Verpflichtung, Antiziganismus ebenso wie Antisemitismus zu \u00e4chten.<\/p>\n<p><strong>Zunehmend gewaltbereiter Rassismus gegen Sinti und Roma in Deutschland und Europa<\/strong><\/p>\n<p>Dies sei angesichts des neuen, zunehmend gewaltbereiten Rassismus gegen Sinti und Roma in Deutschland und in Europa von entscheidender Bedeutung nicht nur f\u00fcr die Sicherheit von Minderheiten, sondern vielmehr noch f\u00fcr den Bestand unserer Demokratie, so Rose. Dieser neue Rassismus werde nicht nur von rechtsextremen Parteien und Gruppierungen getragen, sondern er finde immer mehr R\u00fcckhalt in der Mitte unserer Gesellschaft.<\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen und Kontakt:<\/strong><\/p>\n<p>Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, Bremeneckgasse 2, 69117 Heidelberg<\/p>\n<p>Tel : +49 6221 \u2013 98 11 01<\/p>\n<p>Fax : +49 6221 \u2013 98 11 90<\/p>\n<p>zentralrat@sintiundroma.de<\/p>\n<p><strong>Internet:<\/strong> www.sintiundroma.de<\/p>\n<p>Rede von Romani Rose zur Einweihung des Denkmals in Berlin am 24. Oktober 2012<\/p>\n<p>Sehr geehrte Damen und Herren,<\/p>\n<p>ich danke Ihnen, Herr Bundespr\u00e4sident, Herr Bundestagspr\u00e4sident, Frau Bundeskanzlerin,<\/p>\n<p>Herr Regierender B\u00fcrgermeister, Herrn Staatsminister, sehr geehrter Herr Graumann,<\/p>\n<p>lieber Zoni Weisz, lieber Dani Karavan, und Ihnen allen, dass Sie heute teilnehmen an der<\/p>\n<p>Einweihung dieses Denkmals. Sie erweisen damit unseren Menschen die Ehre und den Respekt vor ihrem Schicksal. Ich danke den \u00dcberlebenden, die heute hierher gekommen sind. Unsere Gedanken sind bei denen, die nicht bei uns sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Jahrzehntelang verdr\u00e4ngte Menschheitsverbrechen<\/strong><\/p>\n<p>Mit der Einweihung dieses Denkmals f\u00fcr die \u00fcber 500.000 im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas gedenken wir der Opfer des V\u00f6lkermords. Zugleich erinnern wir an dieses jahrzehntelang verdr\u00e4ngte Menschheitsverbrechen. Es gibt in Deutschland keine einzige Familie unter den Sinti und Roma, die nicht unmittelbare Angeh\u00f6rige verloren haben \u2013 dies pr\u00e4gt unsere Identit\u00e4t bis heute.<\/p>\n<p><strong>Es begann mit Ausgrenzung und Entrechtung<\/strong><\/p>\n<p>Die ungeheuerlichen Verbrechen der Nazis entziehen sich noch immer dem Verstehen. Sie begannen mit Ausgrenzung und Entrechtung, und sie endeten mit Massenmord in den Vernichtungslagern, in denen Sinti und Roma gemeinsam mit den Millionen anderer Opfer litten. Ich begr\u00fc\u00dfe an dieser Stelle den Vizepr\u00e4sident des Internationalen Auschwitz-Komitees, Herrn Heubner.<\/p>\n<p><strong>Unterschiedslos ermordet, alte Menschen ebenso wie Kinder<\/strong><\/p>\n<p>Sinti und Roma wurden allein aufgrund ihrer vorgeblichen Rassenzugeh\u00f6rigkeit, ihrer blo\u00dfen biologischen Existenz ausgesondert und unterschiedslos ermordet, alte Menschen ebenso wie Kinder.<\/p>\n<p><strong>Antiziganismus ebenso wie Antisemitismus \u00e4chten<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Denkmal neben dem Reichstag, in unmittelbarer N\u00e4he zum Brandenburger Tor und zum \u201eDenkmal f\u00fcr die ermordeten Juden Europas\u201c ist Ausdruck der Verpflichtung, Antiziganismus ebenso wie Antisemitismus zu \u00e4chten.<\/p>\n<p><strong>Rechtsextreme finden mehr R\u00fcckhalt in der Mitte der Gesellschaft<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt aber in Deutschland und in Europa einen neuen, zunehmend gewaltbreiten Rassismus gegen Sinti und Roma. Dieser Rassismus wird nicht nur von rechtsextremen Parteien und Gruppierungen getragen, sondern er findet immer mehr R\u00fcckhalt in der Mitte unserer Gesellschaft.<\/p>\n<p><strong>Rassismus richtet sich gegen unsere Demokratie<\/strong><\/p>\n<p>Gerade der heutige politische und juristische Umgang mit rechtsextremer Gewaltideologie stellt einen Pr\u00fcfstein dar, ob und welche Lehren wir aus Krieg und Holocaust gezogen haben. Es gibt heute vor allem im Internet massive Aufrufe zur Gewalt gegen Juden, gegen Sinti und Roma; der Mordserie der sogenannten NSU fielen zehn Menschen zum Opfer. Dieser Rassismus richtet sich vordergr\u00fcndig gegen unsere Minderheit, tats\u00e4chlich aber richtet er sich gegen unsere Demokratie und unsere demokratischen Werte. Hier gen\u00fcgen keine Verbote \u2013 die \u00c4chtung jedweder Gewalt mu\u00df in der ganzen Gesellschaft Platz greifen.<\/p>\n<p><strong>1980 trat eine Gruppe Sinti und Roma im ehemaligen KZ Dachau in den Hunterstreik<\/strong><\/p>\n<p>Als 1980 eine Gruppe von Sinti und Roma, darunter f\u00fcnf \u00dcberlebende des Holocaust, im ehemaligen Konzentrationslager Dachau in einen Hungerstreik traten, um auf die Tatsache des V\u00f6lkermordes und seine jahrzehntelange Verleugnung in der Bundesrepublik Deutschland aufmerksam zu machen, konnte sich niemand von uns vorstellen, dass es einmal ein solches Denkmal geben w\u00fcrde. Bis dahin waren die \u00dcberlebenden ausgeschlossen von jeder moralischen, rechtlichen und politischen Entsch\u00e4digung; erst 1982 wurde der Holocaust an Sinti und Roma durch den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt anerkannt.<\/p>\n<p><strong>Viele Dankesworte<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Denkmal, das wir heute einweihen, ist auch ein Ergebnis der langen Auseinandersetzung mit der Geschichte von Sinti und Roma in Deutschland. Ich danke Ihnen, Frau Bundeskanzlerin Merkel, und der Bundesregierung sowie Ihnen, Herrn Regierender B\u00fcrgermeister Wowereit, und der Berliner Landesregierung f\u00fcr die Fertigstellung dieses Denkmals.<\/p>\n<p>Mein besonderer Dank gilt Ihnen, Herrn Staatsminister Neumann. Sie haben dieses Denkmal zu Ihrer pers\u00f6nlichen Angelegenheit gemacht.<\/p>\n<p>Mein Dank geht an die vielen Pers\u00f6nlichkeiten des \u00f6ffentlichen Lebens f\u00fcr ihr langj\u00e4hriges Engagement; stellvertretend f\u00fcr die vielen, die ich hier nennen sollte, danke ich Angelika und Manfred Lautenschl\u00e4ger.<\/p>\n<p><strong>\u00dcber zwanzigj\u00e4hrige Auseinandersetzung<\/strong><\/p>\n<p>Vor allem aber geht mein Dank an unsere Holocaust-\u00dcberlebenden. Ihre unerm\u00fcdliche moralische Unterst\u00fctzung hat entscheidenden Anteil daran, dass das Denkmal nach einer \u00fcber zwanzigj\u00e4hrigen Auseinandersetzung verwirklicht wurde. Es ist bedr\u00fcckend, dass viele von ihnen den Tag der Er\u00f6ffnung nicht mehr miterleben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Insbesondere danke ich Dani Karavan, der sich mit den Opfern und ihrem Leid auseinandergesetzt hat, und dessen Kunstwerk uns Raum gibt, der unz\u00e4hligen Opfer zu gedenken. Ich danke Santino Spinelli, der Worte gefunden hat f\u00fcr das Unsagbare und die Dani Karavan in dieses Denkmal aufgenommen hat.<\/p>\n<p><strong>Denkmal verbindet Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft<\/strong><\/p>\n<p>Meine sehr geehrten Damen und Herren, dieses Denkmal verbindet f\u00fcr uns Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Es steht zugleich f\u00fcr eine besondere, aus dem Holocaust resultierende Verantwortung f\u00fcr die Sinti und Roma in Deutschland und in Europa. Untrennbar damit verkn\u00fcpft ist der eindeutige Auftrag an Politik und Gesellschaft, k\u00fcnftig die Rechte unserer Minderheit zu wahren und ihre und W\u00fcrde und Sicherheit zu garantieren.<\/p>\n<p><strong>Kultur der Humanit\u00e4t und der gegenseitigen Anerkennung<\/strong><\/p>\n<p>Wir verbinden mit diesem Denkmal die Hoffnung, dass der Holocaust an den Sinti und Roma Teil des historischen Ged\u00e4chtnisses unseres Landes wird. Dass es in Deutschland f\u00fcr alle Menschen eine gemeinsame Kultur der Humanit\u00e4t und der gegenseitigen Anerkennung gibt, in der die W\u00fcrde des Menschen, wie es unsere Verfassung verspricht, der h\u00f6chste Ma\u00dfstab jeglichen Handelns ist.<\/p>\n<p>Romani Rose<\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.sintiundroma.de\" target=\"_blank\">www.sintiundroma.de<\/a><\/p>\n<p>E-Mail: zentralrat@sintiundroma.de<\/p>\n<p><strong>Informationen \u00fcber den K\u00fcnstler Dani Karavan im Deutschlandradio Kultur:<\/strong><\/p>\n<p>Dani Karavan \u00fcber sein Denkmal f\u00fcr Sinti und Roma<\/p>\n<p>&#8222;Das wird der gr\u00f6\u00dfte Tag meines Lebens.&#8220; So hat der K\u00fcnstler Dani Karavan zusammengefasst, was ihm die morgige Einweihungszeremonie seines Denkmals f\u00fcr ermordete Sinti und Roma in Berlin bedeutet. Im Deutschlandradio Kultur sagte er, der Bau der Gedenkst\u00e4tte sei f\u00fcr ihn einer der wichtigsten Auftr\u00e4ge als K\u00fcnstler gewesen. Mit dem Denkmal habe er den Sinti und Roma endlich die Ehre gegeben, die ihnen geb\u00fchre, so Karavan. Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel zur morgigen Er\u00f6ffnung komme, wertete der Israeli als gro\u00dfes Interesse f\u00fcr die Sinti und Roma; und zwar zu einer Zeit, in der sie vielerorts noch diskriminiert w\u00fcrden.<\/p>\n<p><strong>Interview mit Dani Karavan zum Nachh\u00f6ren:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.dradio.de\/kulturnachrichten\/2012102318\/11\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.dradio.de\/kulturnachrichten\/2012102318\/11\/<\/a><\/p>\n<p><strong>Rede von Zoni Weisz auf Youtube:<\/strong><\/p>\n<p>Zoni Weisz \u2013 Einweihung des Denkmals f\u00fcr Sinti und Roma <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Lv6DFw99__s\" target=\"_blank\">http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Lv6DFw99__s<\/a><\/p>\n<p><strong>Von der Internetseite der Bundesregierung:<\/strong><\/p>\n<p>Mittwoch, 24. Oktober 2012<\/p>\n<p><strong>Denkmal f\u00fcr die ermordeten Sinti und Roma<\/strong><\/p>\n<p>Hunderttausende Menschen in ganz Europa wurden w\u00e4hrend des Nazi-Regimes als &#8222;Zigeuner&#8220; verfolgt und ermordet. Bei der Einweihung des Denkmals f\u00fcr die ermordeten Sinti und Roma mahnte Bundeskanzlerin Angela Merkel, das Leid der Opfer nie zu vergessen.<\/p>\n<p>An der feierlichen Einweihung des &#8222;Denkmals f\u00fcr die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas&#8220; nahmen neben der Bundeskanzlerin auch Bundespr\u00e4sident Joachim Gauck sowie Bundestagspr\u00e4sident Norbert Lammert teil. Au\u00dferdem Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrates der Sinti und Roma, sowie \u00dcberlebende des V\u00f6lkermords und deren Angeh\u00f6rige.<\/p>\n<p>F\u00fcr sie ergriff der niederl\u00e4ndische Holocaust-\u00dcberlebende Zoni Weisz das Wort. In einer bewegenden Rede erinnerte er an das Schicksal all jener, die Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns wurden: Kinder, Frauen und M\u00e4nner als Sinti und Roma, als Angeh\u00f6rige der Gruppe der Jenischen oder als andere Fahrende.<\/p>\n<p>Mehr als 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges ist in Berlin ein Denkmal f\u00fcr die von den Nationalsozialisten ermordeten Sinti und Roma eingeweiht worden.<\/p>\n<p>An der Einweihung nahmen neben Bundeskanzlerin Angela Merkel auch Bundespr\u00e4sident Joachim Gauck, seine Lebensgef\u00e4hrtin Daniela Schadt sowie Kulturstaatsminister Bernd Neumann teil.<\/p>\n<p>In ihrer Rede betonte Bundeskanzlerin Merkel, dass das Erinnern ein Teil des demokratischen Selbstverst\u00e4ndnisses sei.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem dankte sie allen \u00dcberlebenden f\u00fcr ihr Kommen.<\/p>\n<p>Merkel sagte, die W\u00fcrde des Menschen zu achten sei ein Grundstatut der Demokratie. Deutschland werde weiter darauf hinwirken, dass die Rechte von Sinti und Roma gewahrt werden.<\/p>\n<p>Betroffenheit rief die Rede des Holocaust-\u00dcberlebenden Zoni Weisz hervor, der seine Familie in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten verlor.<\/p>\n<p>Das Denkmal liegt in unmittelbarer N\u00e4he zum Reichstag und zum Brandenburger Tor. Sein Zentrum bildet ein runder Brunnen.<\/p>\n<p>Den Beckenrand ziert ein Gedicht von Santino Spinelli: &#8222;Eingefallenes Gesicht \/ erloschene Augen \/ kalte Lippen \/ Stille \/ ein zerrissenes Herz \/ ohne Atem \/ ohne Worte \/ keine Tr\u00e4nen&#8220;.<\/p>\n<p>Messina Weiss, Urenkelin eines von den Nazis ermordeten Sinto, trug die erste Bl\u00fcte f\u00fcr das Denkmal zum Wasserbecken.<\/p>\n<p>Mit einer Schweigeminute wurde der ermordeten Sinti und Roma gedacht.<\/p>\n<p>In der Mitte des Brunnens taucht ein Stein auf. Auf diesen wird von nun an t\u00e4glich eine neue Bl\u00fcte gelegt.<\/p>\n<p>Das Wasserbecken ist umgeben von Steinplatten. 70 von ihnen tragen die Namen von Vernichtungslagern, in denen Sinti und Roma ermordet wurden.<\/p>\n<p>Entworfen wurde das Denkmal von dem israelischen K\u00fcnstler Dani Karavan; hier im Gespr\u00e4ch mit Bundeskanzlerin Merkel und dem Vorsitzenden des Zentralrats der Sinti und Roma, Romani Rose.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Erinnern ist Teil unseres demokratischen Selbstverst\u00e4ndnisses&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Die Kanzlerin dankte allen \u00dcberlebenden f\u00fcr ihr Kommen. Das Mahnmal gelte einer \u00f6ffentlich viel zu lange und zu wenig wahrgenommenen Opfergruppe. Es &#8222;erinnert an die vielen Hunderttausend Sinti und Roma, an die im Nationalsozialismus als so genannte Zigeuner Verfolgten \u2011 darunter auch die Jenischen \u2011, deren Leben die unmenschliche Rassenpolitik des nationalsozialistischen Terror-Regimes zerst\u00f6rte.&#8220;<\/p>\n<p>Jedes einzelne Schicksal dieses V\u00f6lkermordes sei eine Geschichte unfassbaren Leids. &#8222;Jedes einzelne Schicksal erf\u00fcllt uns, erf\u00fcllt mich mit Trauer und Scham&#8220;, so Merkel.<\/p>\n<p>&#8222;Erinnern ist Teil unseres demokratischen Selbstverst\u00e4ndnisses&#8220;. Durch das Denkmal im Zentrum Berlins zwischen Brandenburger Tor und Reichstag werde das Gedenken in unsere Mitte geholt. Gleichzeitig sei es eine Mahnung f\u00fcr die Zukunft, wachsam zu sein, Minderheiten zu sch\u00fctzen, Verantwortung zu \u00fcbernehmen, sagte die Bundeskanzlerin.<\/p>\n<p><strong>Mahnung f\u00fcr Toleranz und Menschenrechte<\/strong><\/p>\n<p>Kulturstaatminister Bernd Neumann bezeichnete das Denkmal als einen &#8222;wichtigen Baustein in der deutschen Erinnerungskultur&#8220;. Mit ihm werde dokumentiert, dass der V\u00f6lkermord an den Sinti und Roma Teil des historischen Ged\u00e4chtnisses unseres Landes sei.<\/p>\n<p>Das Denkmal sei aber nicht nur dem Gedenken gewidmet. Es sei gleichzeitig Mahnung f\u00fcr mehr Toleranz und eine Aufforderung, gegen die Diskriminierung von Sinti und Roma anzugehen, so Neumann.<\/p>\n<p><strong>Denkmalentwurf von Dani Karavan<\/strong><\/p>\n<p>Entworfen wurde das Denkmal von dem israelischen K\u00fcnstler Dani Karavan.<\/p>\n<p>Karavan ging es darum, einen Ort des Nachdenkens und der w\u00fcrdevollen Ehrung f\u00fcr die Ermordeten zu schaffen. Am Rande des Berliner Tiergartens gestaltete er ein Mahnmal, dessen Zentrum ein runder, schwarzer Brunnen bildet. Auf einem versenkbaren, dreieckigen Stein liegt eine t\u00e4glich frische Bl\u00fcte als Zeichen der Trauer und der Erinnerung. Begleitet wird dieser optische Eindruck von einem dauerhaften Geigenton.<\/p>\n<p>Auf dem Rand des Brunnens ist in englischer und deutscher Sprache ein Zitat aus dem Gedicht \u201eAuschwitz\u201c des italienischen Rom Santino Spinelli angebracht. Umgeben ist das Denkmal von mehreren Tafeln. Auf ihnen ist in deutscher und englischer Sprache die Chronologie des V\u00f6lkermords widergegeben.<\/p>\n<p><strong>Mehrj\u00e4hrige Entstehungsgeschichte<\/strong><\/p>\n<p>Erste \u00dcberlegungen zur Errichtung eines nationalen Denkmals in Erinnerung an die im Nationalsozialismus ermordeten europ\u00e4ischen Sinti und Roma gab es bereits 1992. Danach dauerte es allerdings noch mehrere Jahre bis es realisiert werden konnte. Grund war eine kontrovers gef\u00fchrte Diskussion zwischen den Opferverb\u00e4nden vor allem \u00fcber die Frage der Inschriften.<\/p>\n<p>Auf Initiative von Kulturstaatsminister Bernd Neumann einigten sich die Beteiligten schlie\u00dflich auf die Anbringung einer \u201eChronologie des V\u00f6lkermordes an den Sinti und Roma\u201c. Erarbeitet wurde dieser Text gemeinsam mit Historikern des Instituts f\u00fcr Zeitgeschichte in M\u00fcnchen und des NS-Dokumentationszentrums in K\u00f6ln. Das Ergebnis wurde 2007 vom Bundesrat und vom Ausschuss des Bundestages f\u00fcr Kultur und Medien ausdr\u00fccklich begr\u00fc\u00dft. Baustart war im Dezember 2008.<\/p>\n<p>Der Bund hat den Bau des Denkmals mit rund 2,8 Millionen Euro finanziert. Das Land Berlin stellte das Denkmalgrundst\u00fcck s\u00fcdlich des Reichstagsgeb\u00e4udes zur Verf\u00fcgung. Die Bauleitung und Bauausf\u00fchrung lag beim Land Berlin. Betreut wird das Denkmal von der Stiftung Denkmal f\u00fcr die ermordeten Juden Europas.<\/p>\n<p>Die Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel anl\u00e4sslich der Einweihung des Denkmals f\u00fcr die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas<\/p>\n<p>Sehr geehrter Herr Bundespr\u00e4sident,<\/p>\n<p>sehr geehrter Herr Bundestagspr\u00e4sident,<\/p>\n<p>sehr geehrter Herr Regierender B\u00fcrgermeister,<\/p>\n<p>sehr geehrter Herr Staatsminister,<\/p>\n<p>liebe Kolleginnen und Kollegen aus den Parlamenten,<\/p>\n<p>sehr geehrter Herr Karavan,<\/p>\n<p>aber vor allen Dingen sehr geehrter Herr Weisz, als Erstes m\u00f6chte ich mich an Sie wenden, stellvertretend f\u00fcr alle \u00dcberlebenden eines grauenhaften V\u00f6lkermordes. Ich danke Ihnen f\u00fcr Ihre ber\u00fchrenden, uns alle, glaube ich, tief ber\u00fchrenden Worte, die Sie an uns gerichtet haben. Ich danke Ihnen einfach, dass Sie heute bei uns sind!<\/p>\n<p>Sehr geehrter Herr Rose, ich m\u00f6chte auch Ihnen danken, der Sie als Vertreter der nachgeborenen Generation und Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma so lange f\u00fcr das Denkmal gek\u00e4mpft haben, das wir heute endlich einweihen k\u00f6nnen. Sie haben nicht nachgelassen, Sie haben durchgehalten. Danke!<\/p>\n<p>Meine Damen und Herren, dieses Denkmal erinnert an eine Opfergruppe, die \u00f6ffentlich viel zu lange viel zu wenig wahrgenommen wurde. Es erinnert an die vielen hunderttausend Sinti und Roma, an die im Nationalsozialismus als sogenannte Zigeuner Verfolgten, darunter auch die Jenischen, deren Leben die unmenschliche Rassenpolitik des nationalsozialistischen Terror-Regimes zerst\u00f6rte. Dieses Denkmal mitten in Berlin erinnert an das uns\u00e4gliche Unrecht, das ihnen allen widerfuhr.<\/p>\n<p>Ebenfalls mitten in Berlin nahm die Katastrophe ihren Lauf, als der damalige Reichspr\u00e4sident Paul von Hindenburg vor bald 80 Jahren einen neuen Reichskanzler ernannte. Der verh\u00e4ngnisvolle Tag, der 30. Januar 1933, ist auf Filmen und Fotos dokumentiert. Das, was auf den ersten Blick wie der Amtsantritt eines neu gew\u00e4hlten Regierungschefs in einem demokratisch verfassten Staat aussah, war in Wirklichkeit das Ende der Weimarer Republik und der Beginn einer grausamen Zeit irrsinnigen Rassenwahns und fanatischen Gro\u00dfmachtstrebens.<\/p>\n<p>Schon vier Wochen sp\u00e4ter setzte die sogenannte Reichstagsbrandverordnung zentrale Grundrechte au\u00dfer Kraft. Bald darauf folgte das Erm\u00e4chtigungsgesetz. Zur gleichen Zeit wurde in Dachau das erste Konzentrationslager der SS errichtet. Politische Gegner wurden fortan verfolgt, Parteien und Gewerkschaften zerschlagen. Es begann die systematische Diffamierung und Ausgrenzung von Menschen aufgrund ihrer Religion, ihrer Herkunft, ihrer Sexualit\u00e4t oder ihrer Art zu leben.<\/p>\n<p>Es begann damit auch die Verfolgung der Sinti und Roma. Ihr Alltag ver\u00e4nderte sich radikal. Verbote schr\u00e4nkten das Leben zusehends ein. Die Grundlagen der eigenen Existenz \u2013 sie waren pl\u00f6tzlich dahin. Am Ende standen: gezielte Verfolgung, Zwangssterilisation, der Zivilisationsbruch des Holocaust, der V\u00f6lkermord an den Sinti und Roma Europas. An ihn denken wir heute.<\/p>\n<p>Jedes einzelne Schicksal dieses V\u00f6lkermordes ist eine Geschichte unfassbaren Leids. Jedes einzelne Schicksal erf\u00fcllt uns, erf\u00fcllt mich mit Trauer und Scham. Jedes einzelne Schicksal mahnt uns. Denn jede Generation steht aufs Neue vor der Frage: Wie konnte es nur dazu kommen?<\/p>\n<p>Die Antwort auf diese Frage wird immer unbefriedigend bleiben m\u00fcssen, weil das, was damals in Deutschland geschah und von Deutschland ausging, letztlich unfassbar ist. Antworten auf das Warum zu suchen, das ist und bleibt dennoch Aufgabe kultureller, historischer, politischer Bildungsarbeit, und zwar deshalb, um uns f\u00fcr die Zukunft dazu zu bef\u00e4higen, Gefahren fr\u00fchzeitig zu erkennen und von vornherein Schlimmeres zu verh\u00fcten.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte in diesem Zusammenhang Bundespr\u00e4sident Roman Herzog zitieren, der am 27. April 1995 in Bergen-Belsen sagte: \u201eTotalitarismus und Menschenverachtung bek\u00e4mpft man nicht, wenn sie schon die Macht ergriffen haben. Man muss sie schon bek\u00e4mpfen, wenn sie zum ersten Mal \u2013 und vielleicht noch ganz zaghaft \u2013 das Haupt erheben.\u201c<\/p>\n<p>Deshalb ist es so wichtig, genau hinzuschauen, sich rechtzeitig einzumischen und Verantwortung zu \u00fcbernehmen. Dies ist im \u00dcbrigen nicht nur als Aufgabe von Bildungstr\u00e4gern wichtig, so unverzichtbar diese auch sind, sondern es ist Aufgabe von uns allen, es ist die Aufgabe jedes Einzelnen von uns. Denn in der Gleichg\u00fcltigkeit, in einem Klima des Geht-mich-nichts-an, keimt bereits die Menschenverachtung auf.<\/p>\n<p>Menschlichkeit \u2013 das bedeutet Anteilnahme, die F\u00e4higkeit und die Bereitschaft, auch mit den Augen des anderen zu sehen. Sie bedeutet hinzusehen und nicht wegzusehen, wenn die W\u00fcrde des Menschen verletzt wird. Davon lebt jegliche Zivilisation, Kultur und Demokratie.<\/p>\n<p>Das sollte, das muss uns die bleibende Mahnung aus unserer Geschichte sein, weil wir nur so eine gute Zukunft gestalten k\u00f6nnen. Das sind wir den Toten schuldig. Und das sind wir den \u00dcberlebenden schuldig. Denn im ehrenden Gedenken der Opfer liegt immer auch ein Versprechen. So verstehe ich auch unseren Auftrag zum Schutz von Minderheiten heute nicht nur im Blick auf die Schrecken der Vergangenheit, sondern als Auftrag f\u00fcr heute und f\u00fcr morgen. Was wir zu tun haben, darauf haben Sie uns hingewiesen.<\/p>\n<p>Die Geschichte von Minderheiten, ihre Kulturen, ihre Sprachen \u2013 sie sind eine Bereicherung der Vielfalt Deutschlands. Diese Vielfalt macht unser Land lebenswert und liebenswert. Doch reden wir nicht drumherum: Sinti und Roma leiden auch heute oftmals unter Ausgrenzung, unter Ablehnung. Sie, lieber Herr Rose, werden nicht m\u00fcde, wieder und wieder darauf hinzuweisen. Sinti und Roma m\u00fcssen auch heute um ihre Rechte k\u00e4mpfen. Deshalb ist es eine deutsche und eine europ\u00e4ische Aufgabe, sie dabei zu unterst\u00fctzen, wo auch immer und innerhalb welcher Staatsgrenzen auch immer sie leben. Deshalb wirkt Deutschland auch im Rahmen der Europ\u00e4ischen Union und in den Beitrittsprozessen darauf hin, dass die Rechte der Sinti und Roma gewahrt werden.<\/p>\n<p>So verstanden ist die vielf\u00e4ltige Gedenkkultur, die Deutschland pflegt, Erinnerung, die nicht r\u00fcckw\u00e4rtsgewandt ist. So verstanden tr\u00e4gt ein nationales Denkmal zum Nachdenken bei. Es hilft heutigen und kommenden Generationen, das Verantwortungsbewusstsein f\u00fcr ein gedeihliches Miteinander aller Menschen in Deutschland wachzuhalten. Erinnern ist also Teil unseres demokratischen Selbstverst\u00e4ndnisses, um die Zukunft gestalten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ohne Zweifel sprechen die Gedenkst\u00e4tten an authentischen Orten eine besonders deutliche Sprache. Bilder einstiger Gef\u00e4ngniszellen, KZ-Baracken und Krematorien pr\u00e4gen sich uns allen tief ein. Ausstellungen erl\u00e4utern erg\u00e4nzend, was an diesen Orten geschah. Es gibt aber auch andere Formen des Erinnerns. So erinnert unweit von hier das Stelenfeld Peter Eisenmans an die ermordeten Juden Europas. Ebenfalls in Reichweite steht das Denkmal f\u00fcr die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen. Noch im Entstehen ist ein Ort des Gedenkens an die Opfer der sogenannten Euthanasie-Morde.<\/p>\n<p>Viele Menschen, die in Berlin leben oder die die Stadt besuchen, werden in Zukunft auch an dem von uns heute einzuweihenden neuen Denkmal f\u00fcr die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas vorbeikommen. Zum Reichstag, dem Sitz des Deutschen Bundestages, sind es nur wenige Meter. Auch das Brandenburger Tor, Wahrzeichen dieser einst geteilten und heute weltoffenen Stadt, steht in unmittelbarer N\u00e4he. Mitten in Berlin, mitten in der pulsierenden Metropole, mitten unter uns gibt es diesen Ort des Gedenkens an die Toten.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen die ermordeten Sinti und Roma damit nicht zur\u00fcck ins Leben holen. Wir k\u00f6nnen Geschehenes nicht ungeschehen machen. Doch wir k\u00f6nnen das Gedenken, die Erinnerung, die Mahnung in unsere Mitte holen.<\/p>\n<p>Wir tragen dieses Gedenken in unsere Mitte, damit niemand vergisst, was geschehen ist: die Entrechtung und Erniedrigung, die Gewalt und Deportation, der Missbrauch in pseudomedizinischen Versuchen, die Ermordung hunderttausender Sinti und Roma im von Deutschland besetzten Europa. Dieser V\u00f6lkermord hat tiefe Spuren hinterlassen und noch tiefere Wunden.<\/p>\n<p>Deshalb danke ich Ihnen, lieber Herr Weisz, und allen \u00dcberlebenden und ihren Angeh\u00f6rigen, dass Sie die Kraft gefunden haben, heute mit uns zusammen dieses Denkmal einzuweihen. Denn diejenigen, die Zeugen der Verbrechen waren, und diejenigen, die Angeh\u00f6rige und Freunde verloren haben \u2013 sie k\u00f6nnen nicht vergessen. Und wir alle, wir d\u00fcrfen nicht vergessen.<\/p>\n<p>Es ist deshalb in seiner Bedeutung gar nicht hoch genug einzusch\u00e4tzen, dass wir nach langen Jahren und manchen R\u00fcckschl\u00e4gen heute nun dieses nationale Denkmal f\u00fcr die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas einweihen k\u00f6nnen \u2013 ein Denkmal, das Gef\u00fchl und Verstand gleicherma\u00dfen anspricht, indem es uns auf eine dunkle Wasserfl\u00e4che auf einer Granitplatte blicken l\u00e4sst, einem See stummer Tr\u00e4nen gleich h\u00e4lt es uns einen Spiegel der unendlichen Tiefe der Trauer vor, in der Mitte jedoch immer eine frische Blume. Indem es auf Glastafeln die Leidensgeschichte der Sinti und Roma schildert, gibt es eine Chronologie des Grauens.<\/p>\n<p>Dieser Ort l\u00e4sst erahnen: Das Leid hat Gesichter, es hat viele einzelne, individuelle Gesichter. Jeder einzelne grausam beendete Lebensweg steht ganz f\u00fcr sich allein. Es war ein Leben. Es war das Leben eines Menschen. Wir sehen in diesem Denkmal diesen einen Menschen, dieses eine Leben.<\/p>\n<p>Dies zum Ausdruck zu bringen \u2013 das ist Ihr Verdienst, lieber Herr Karavan, und ich danke Ihnen sehr daf\u00fcr. Das von Ihnen gestaltete Denkmal tr\u00e4gt das Schicksal des einzelnen Menschen in unsere Mitte, damit es uns stets Mahnung sei. M\u00f6ge es uns mahnen, dass wir immer und zuerst die W\u00fcrde des einzelnen Menschen zu achten haben, ganz gleich, wie er lebt, ganz gleich, woher er kommt, und ganz gleich, wer er ist, und zwar im Sinne des Artikels 1 unseres Grundgesetzes: \u201eDie W\u00fcrde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu sch\u00fctzen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.\u201c<\/p>\n<p>Dieser erste Artikel unseres Grundgesetzes war und ist die Antwort auf die Jahre der unfassbaren Schrecken zuvor. Und er ist und bleibt die Richtschnur unseres Handelns heute und in Zukunft \u2013 und zwar in jedem einzelnen Falle.<\/p>\n<p>Herzlichen Dank.<\/p>\n<p><strong>Die Rede von Kulturstaatsminister Bernd Neumann anl\u00e4sslich der Einweihung des Denkmals f\u00fcr die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Dieses Denkmal macht unmissverst\u00e4ndlich deutlich, dass wir die Verbrechen an den Sinti und Roma nicht verdr\u00e4ngen, nicht vergessen und dass wir den Opfern ein w\u00fcrdiges Andenken bewahren&#8220;, so Kulturstaatsminister Bernd Neumann in seiner Rede.<\/p>\n<p>&#8211; Es gilt das gesprochene Wort. &#8211;<\/p>\n<p>Dies ist ein besonderer, ein bewegender Augenblick: Nach vielen Jahren der Diskussion k\u00f6nnen wir heute endlich das Denkmal einweihen, das an den V\u00f6lkermord und die entsetzlichen Verbrechen erinnert, die w\u00e4hrend der nationalsozialistischen Terrorherrschaft in ganz Europa an den Sinti und Roma und an den als so genannte Zigeuner Verfolgten ver\u00fcbt wurden. Dazu geh\u00f6ren auch die Jenischen.<\/p>\n<p>Der V\u00f6lkermord, dem etwa 500.000 Menschen zum Opfer fielen, wurde planm\u00e4\u00dfig und systematisch durchgef\u00fchrt mit dem Vorsatz und dem Willen zur endg\u00fcltigen Vernichtung. Dies macht uns immer wieder fassungslos und erf\u00fcllt uns als Deutsche mit Scham!<\/p>\n<p>Nur wenige haben die nationalsozialistische Vernichtungsmaschinerie \u00fcberlebt. Nur wenige k\u00f6nnen noch Zeugnis von dem unermesslichen Leid ablegen, das den Sinti und Roma angetan wurde.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns alle ist es eine besondere Ehre, dass heute \u00dcberlebende zusammen mit ihren Angeh\u00f6rigen anwesend sind und daf\u00fcr zumeist eine weite Anreise auf sich genommen haben. Stellvertretend f\u00fcr sie alle begr\u00fc\u00dfe ich mit besonderer Herzlichkeit Zoni Weisz!<\/p>\n<p>Die Errichtung des Denkmals war ein langer und schwieriger Weg, aber es war richtig und wichtig, ihn zu gehen. In Berlin, der Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland, ist damit ein Erinnerungszeichen von besonderer Bedeutung entstanden. Ich danke allen, die trotz immer wieder aufgetretener Hindernisse dieses Vorhaben bis heute begleiteten.<\/p>\n<p>An erster Stelle nenne ich Romani Rose, den Vorsitzenden des Zentralrates der Sinti und Roma. Mit Ihrem Namen, lieber Herr Rose, ist die Initiative zu diesem Denkmal untrennbar verbunden. Sie haben in den vielen Jahren alle Beteiligten immer wieder zusammen gebracht und von ihnen unerm\u00fcdlich die Fortsetzung der Arbeit eingefordert. Wir danken Ihnen von ganzem Herzen!<\/p>\n<p>Ich danke auch allen beteiligten Opferverb\u00e4nden: dem Zentralrat der Deutschen Sinti und Roma, der Sinti-Allianz Deutschland und Ihnen, lieber Timo Wagner, als dem Vertreter des Jenischen Bundes in Deutschland.<\/p>\n<p>Bei allen unterschiedlichen Auffassungen haben die Opferverb\u00e4nde nie das Ziel aus den Augen verloren und schlie\u00dflich durch die Bereitschaft zu Kompromissen seine Verwirklichung erm\u00f6glicht. Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang auch an die leider j\u00fcngst verstorbene Natascha Winter erinnern, die sich als Vorsitzende der Sinti Allianz Deutschland ebenfalls vehement f\u00fcr das Denkmal eingesetzt hat.<\/p>\n<p>Es ist auch ein gutes Zeichen, dass alle Fraktionen des Deutschen Bundestages den Weg bis heute gemeinsam mitgegangen sind. Das Grundst\u00fcck hier im Tiergarten, auf dem das Denkmal nun steht, hat das Land Berlin dankenswerterweise zur Verf\u00fcgung gestellt und ebenfalls die Bauma\u00dfnahmen durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Es ist ein w\u00fcrdiger Ort im Zentrum Berlins in unmittelbarer Nachbarschaft zum Deutschen Bundestag und unweit des Denkmals f\u00fcr die ermordeten Juden Europas.<\/p>\n<p>Besonders freue ich mich \u00fcber die Anwesenheit von Dani Karavan, dem gro\u00dfen K\u00fcnstler, der mit seinen Werken weltweit Ma\u00dfst\u00e4be gesetzt hat. Nach Ihrem Entwurf, lieber Herr Karavan, wurde das Denkmal errichtet; es ist ein ebenso eindringliches wie sensibles Kunstwerk entstanden.<\/p>\n<p>Mit Beharrlichkeit und Geduld haben Sie die exakte Umsetzung Ihrer k\u00fcnstlerischen Vorstellungen verfolgt. Entstanden ist ein gro\u00dfes Werk der Erinnerung und Mahnung.<\/p>\n<p>Sie sagen selbst, dieses Denkmal ist eines der wichtigsten Werke, das Sie geschaffen haben, wenn nicht das wichtigste von allen. Wir sind Ihnen sehr dankbar!<\/p>\n<p>Meine Damen und Herren,<\/p>\n<p>dieses Denkmal macht unmissverst\u00e4ndlich deutlich, dass wir die Verbrechen an den Sinti und Roma nicht verdr\u00e4ngen, nicht vergessen und dass wir den Opfern ein w\u00fcrdiges Andenken bewahren. Es ist ein wichtiger Baustein der deutschen Erinnerungskultur, mit dem wir dokumentieren, dass der V\u00f6lkermord an den Sinti und Roma Teil des historischen Ged\u00e4chtnisses unseres Landes ist.<\/p>\n<p>Aber dieses Denkmal soll nicht nur Teil der Erinnerung sein, sondern vor allem auch f\u00fcr die Zukunft eine eindringliche Mahnung und Aufforderung, gegen die Diskriminierung von Sinti und Roma anzugehen und sich immer wieder f\u00fcr Menschenrechte, Toleranz und den Schutz von Minderheiten einzusetzen \u2013 hier in Deutschland und dar\u00fcber hinaus!<\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen:<\/strong><\/p>\n<p>Denkmal f\u00fcr die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas<br \/>\nDie Chronologie des V\u00f6lkermordes im Wortlaut: <a href=\"http:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/StatischeSeiten\/Breg\/BKM\/2012-10-11-denkmal-fuer-die-ermordeten-sinti-und-roma-texte.html?nn=8988&amp;__site=Mauerfall\" target=\"_blank\">http:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/StatischeSeiten\/Breg\/BKM\/2012-10-11-denkmal-fuer-die-ermordeten-sinti-und-roma-texte.html?nn=8988&amp;__site=Mauerfall<\/a><\/p>\n<p><a href=\" http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Denkmal_f\u00fcr_die_im_Nationalsozialismus_ermordeten_Sinti_und_Roma\" target=\"_blank\">\u00a0http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Denkmal_f\u00fcr_die_im_Nationalsozialismus_ermordeten_Sinti_und_Roma<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dokumentations-_und_Kulturzentrum_Deutscher_Sinti_und_Roma\" target=\"_blank\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dokumentations-_und_Kulturzentrum_Deutscher_Sinti_und_Roma<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Auschwitz-Erlass\" target=\"_blank\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Auschwitz-Erlass<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sinti-Kinder_von_Mulfingen\" target=\"_blank\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sinti-Kinder_von_Mulfingen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=A5DDRy0I9rU\" target=\"_blank\">http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=A5DDRy0I9rU<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.stern.de\/politik\/deutschland\/sinti-und-roma-mahnmal-eingeweiht-endlich-fertig-nach-20-jahren-1915273.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.stern.de\/politik\/deutschland\/sinti-und-roma-mahnmal-eingeweiht-endlich-fertig-nach-20-jahren-1915273.html<\/a><\/p>\n<p>Zoni Weisz: Das neue Mahnmal ist ein Ort der Hoffnung <a href=\"http:\/\/www.dradio.de\/dkultur\/sendungen\/fazit\/1902642\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.dradio.de\/dkultur\/sendungen\/fazit\/1902642\/<\/a><\/p>\n<p>ROMANI ROSE Der ewige Mahner <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/leute\/romani-rose-der-ewige-mahner,9548600,20695350.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.fr-online.de\/leute\/romani-rose-der-ewige-mahner,9548600,20695350.html<\/a><\/p>\n<p>Uni M\u00fcnster: <a href=\"http:\/\/www.uni-muenster.de\/NiederlandeNet\/nl-wissen\/geschichte\/personen\/weisz.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.uni-muenster.de\/NiederlandeNet\/nl-wissen\/geschichte\/personen\/weisz.html<\/a><\/p>\n<p>Mahnmal f\u00fcr Sinti und Roma eingeweiht \u2013 Kritik an Umgang mit Minderheit<\/p>\n<p>Denkmal f\u00fcr die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas <a href=\"http:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/802288.mahnmal-fuer-sinti-und-roma-eingeweiht.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/802288.mahnmal-fuer-sinti-und-roma-eingeweiht.html<\/a><\/p>\n<p><strong>Der Widmungstext auf dem Brunnenrand des Denkmals im Wortlaut:<\/strong><\/p>\n<p>Gedicht von Santino Spinelli<\/p>\n<p>[der Titel &#8222;Auschwitz&#8220; wird auf dem Rand nicht genannt)<\/p>\n<p>Eingefallenes Gesicht<\/p>\n<p>erloschene Augen<\/p>\n<p>kalte Lippen<\/p>\n<p>Stille<\/p>\n<p>ein zerrissenes Herz<\/p>\n<p>ohne Atem<\/p>\n<p>ohne Worte<\/p>\n<p>keine Tr\u00e4nen.<\/p>\n<p>Pallid face<\/p>\n<p>dead eyes<\/p>\n<p>cold lips<\/p>\n<p>Silence<\/p>\n<p>a broken heart<\/p>\n<p>without breath<\/p>\n<p>without words<\/p>\n<p>no tears.<\/p>\n<p>Das Gedicht mit seinem Titel &#8222;Auschwitz&#8220; ist in Deutsch, Englisch und Romanes zus\u00e4tzlich auf einem Gedichtstein aus Granit am Ende der Glasw\u00e4nde (Simsonweg) zu sehen.<\/p>\n<p>GESCHICHTE &#8211; PERSONEN A-Z<\/p>\n<p>Zoni (Johan) Weisz<\/p>\n<p>*04. M\u00e4rz 1937 in Den Haag &#8211; niederl\u00e4ndischer Sinto, \u00dcberlebender des Holocaust, Florist<\/p>\n<p>Zoni Weisz, Quelle: sintiundroma.de\/Rogier Fokke<\/p>\n<p>Autor: Christian Kuck, Erstellt: August 2011<\/p>\n<p>Zoni Weisz wurde am 04. M\u00e4rz 1937 als \u00e4ltestes von vier Kindern &#8211; es folgten die Schwestern Augusta und Johanna und der Bruder Emil \u2013 in Den Haag geboren. Sein Vater, Johannes Weisz, war ein angesehener Musiker und Instrumentenbauer, der Ende der 30er Jahre mit seiner Familie in die mittelniederl\u00e4ndische Kleinstadt Zutphen (Provinz Gelderland) zog, um hier ein Musikgesch\u00e4ft zu er\u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Mit dem Einmarsch der deutschen Truppen in die Niederlande im Mai 1940 waren, neben dem j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerungsteil, auch die niederl\u00e4ndischen Sinti und Roma der Gefahr von Verfolgung und Deportation ausgesetzt. Fast vier Jahre sp\u00e4ter, am 16. Mai 1944, wurde, im Zuge einer landesweiten gewaltsamen Razzia, auch die Familie Weisz aufgegriffen und in das nordniederl\u00e4ndische polizeiliche Durchgangslager Westerbork (Provinz Drenthe) deportiert. Zoni Weisz entging der Verhaftung, da er sich zu diesem Zeitpunkt au\u00dferhalb von Zutphen in einem kleinen Dorf bei einer Tante versteckt hielt. Nachdem er sich mit einer kleinen Gruppe Leidensgenossen drei Tage in einem angrenzenden Wald versteckt hatte, wurde er entdeckt und zusammen mit anderen Verwandten ebenfalls nach Westerbork transportiert. Da der \u201aZigeunertransport\u2018 mit dem Bestimmungsziel Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, bestehend aus 245 niederl\u00e4ndischen Sinti und Roma, das Lager Westerbork jedoch noch vor Eintreffen der Gruppe verlassen hatte, brachte man Weisz und die anderen Deportierten ins nahegelegene Assen, von wo aus der Deportationszug weitere Opfer aufnehmen sollte. Es ist der Hilfe eines im Widerstand aktiven niederl\u00e4ndischen Polizisten zu verdanken, dass die kleine Gruppe um Weisz im allgemeinen Durcheinander am Bahnsteig in Assen doch noch unbemerkt fliehen und auf einen Personenzug aufspringen konnte, w\u00e4hrend nahezu Weisz gesamte Familie mit dem Deportationszug nach Auschwitz abfuhr. Die Zeit bis zur endg\u00fcltigen Befreiung der Niederlande durch die Alliierten im Fr\u00fchjahr 1945 verbrachte die kleine Gruppe in Verstecken in W\u00e4ldern und bei Bauern, gequ\u00e4lt vom Hunger und in der st\u00e4ndigen Angst, doch noch entdeckt zu werden. Das Kriegsende erlebte Zoni Weisz bei seinen Gro\u00dfeltern. Erst wesentlich sp\u00e4ter erfuhr er die Umst\u00e4nde des Todes seiner n\u00e4chsten Angeh\u00f6rigen: Der Vater starb wahrscheinlich im KZ Mittelbau-Dora (Th\u00fcringen), w\u00e4hrend die Mutter und seine Geschwister vermutlich in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 in Auschwitz-Birkenau ermordet wurde.<\/p>\n<p>Der schwer traumatisierte Weisz fand in der Nachkriegszeit nur sehr langsam zur\u00fcck ins Leben. Nach einer Ausbildung zum Floristen und einem zweij\u00e4hrigen Milit\u00e4rdienst in der niederl\u00e4ndischen Kolonie Surinam studierte er Ausstellungsarchitektur und Kunstgeschichte. 1958 erwarb er einen Floristikbetrieb und avancierte zu einem der bekanntesten und meistbesch\u00e4ftigten Floristen der Niederlande, der die Gestaltung und Dekoration staatlicher Gro\u00dfveranstaltungen und Feierlichkeiten der K\u00f6nigsfamilie ausrichtete. Im Jahr 1999 arrangierte er das Blumenkunstwerk, das das niederl\u00e4ndische Parlament der Bundesrepublik Deutschland zum 50-j\u00e4hrigen Bestehen des Bundestags schenkte \u2013 ein Auftrag den er erst nach einigem Z\u00f6gern annahm und der f\u00fcr ihn selbst eine besondere symbolische Geste an die BRD bedeutete.<\/p>\n<p>Weisz Engagement gilt bis heute der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus in aber auch au\u00dferhalb der Niederlande. Er ist, zusammen mit anderen \u00dcberlebenden aller Opfergruppen, Mitglied des niederl\u00e4ndischen und des internationalen Auschwitz-Komitees und berichtet als Zeitzeuge an niederl\u00e4ndischen Schulen. Zudem setzt er sich f\u00fcr die Rechte und Belange der niederl\u00e4ndischen Sinti und Roma ein. Im Januar 2011 sprach er, anl\u00e4sslich der Erinnerung an die Befreiung von Auschwitz, vor dem Deutschen Bundestag. In Anerkennung seiner Verdienste um die niederl\u00e4ndische Floristikindustrie und seinen Einsatz f\u00fcr die Minderheitsgruppe der Sinti und Roma erhielt Zoni Weisz 1999 von K\u00f6nigin Beatrix eine der h\u00f6chsten Auszeichnungen der Niederlande: Die Ernennung zum \u201aOffizier des Ordens von Oranien-Nassau\u2018.<\/p>\n<div class=\"pdf24Plugin-cp\"> \t<form name=\"pdf24Form0\" method=\"post\" action=\"https:\/\/doc2pdf.pdf24.org\/wordpress.php\" target=\"pdf24PopWin\" onsubmit=\"var pdf24Win = window.open('about:blank', 'pdf24PopWin', 'resizable=yes,scrollbars=yes,width=600,height=250,left='+(screen.width\/2-300)+',top='+(screen.height\/3-125)+''); pdf24Win.focus(); if(typeof pdf24OnCreatePDF === 'function'){void(pdf24OnCreatePDF(this,pdf24Win));}\"> \t\t<input type=\"hidden\" name=\"blogCharset\" value=\"Cw1x07UAAA==\" \/><input type=\"hidden\" name=\"blogPosts\" value=\"MwQA\" \/><input type=\"hidden\" name=\"blogUrl\" 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