{"id":12737,"date":"2012-01-15T22:46:12","date_gmt":"2012-01-15T21:46:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/?p=12737"},"modified":"2012-01-16T17:23:10","modified_gmt":"2012-01-16T16:23:10","slug":"oberamt-gerabronn-war-brennpunkt-der-nazis-%e2%80%93-nirgendwo-in-wurttemberg-wahlten-zwischen-1932-und-1934-mehr-menschen-die-hitler-partei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/?p=12737","title":{"rendered":"&#8222;Oberamt Gerabronn war Hochburg der Nazis&#8220; \u2013 Nirgendwo in W\u00fcrttemberg w\u00e4hlten zwischen 1932 und 1934 mehr Menschen die Hitler-Partei"},"content":{"rendered":"<p><strong>Viel geschrieben wird \u00fcber das Kriegsende 1945 in der Region Hohenlohe. Wenig bekannt hingegen ist, wie der Spuk des Nationalsozialismus in der Region bereits ab 1920 begonnen hatte. Dokumente aus dem inneren Zirkel der Nazipartei geben einen Einblick in  die \u201eKampfzeit und Macht\u00fcbernahme\u201c der NSDAP im Oberamt Gerabronn.<\/strong><\/p>\n<p><em>Von Ralf Garmatter, Hohenlohe-ungefiltert<\/em><\/p>\n<p><strong>Ausf\u00fchrlicher Parteibericht \u00fcber die NSDAP im Oberamt Gerabronn<\/strong><\/p>\n<p>Ein aufmerksamer Mann aus dem Altkreis Crailsheim hatte beim Abbruch eines Wohnhauses den Durchschlag des vollst\u00e4ndig erhaltenen 114-seitigen Berichts \u00fcber die NSDAP im Oberamt Gerabronn gefunden. Da der Mann selbst keine Verwendung f\u00fcr das historisch interessante Material hatte, \u00fcbergab er die Dokumente dem Autor dieses Artikels zur freien Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p><strong>Internes Parteipapier<\/strong><\/p>\n<p>Anlass des R\u00fcckblicks der NSDAP auf die Zeit von 1920 bis 1937 war die Aufl\u00f6sung des Oberamts Gerabronn im Jahr 1938. Das Oberamt wurde damals in den Kreis Crailsheim eingegliedert. Der nicht n\u00e4her genannte oder beschriebene Autor des \u201einternen Parteipapiers\u201c (er nennt sich selbst \u201eBerichterstatter\u201c) gibt einen Einblick in die lokalen Organisationsstrukturen der NSDAP, preist die regionalen Vork\u00e4mpfer und immer wieder den \u201eF\u00fchrer Adolf Hitler\u201c. Beim Berichterstatter handelt es sich vermutlich um Robert Walter. Dieser arbeitete als hauptamtlicher Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der  NSDAP-Kreise Gerabronn und Crailsheim. Gleichzeitig war er   Kreispropagandaleiter.<\/p>\n<p><strong>Bedauern \u00fcber die Aufl\u00f6sung des Kreises Gerabronn<\/strong><\/p>\n<p>Der Berichterstatter beschreibt die Kampfzeit, die Macht\u00fcbernahme, die Sicherung der Macht durch die Partei im Oberamt Gerabronn und auch die Widersacher. Er schreibt zum Schluss: \u201eMit dieser Aufl\u00f6sung des Kreises Gerabronn durch \u00dcberf\u00fchrung in den Gro\u00dfkreis Crailsheim muss auch der Berichterstatter schlie\u00dfen; \u00fcberzeugt, dass mit der organisatorischen \u00c4nderung manche liebe historische Begebenheit erlischt, aber auch \u00fcberzeugt, dass unsere engere Heimat im neuen, weiteren Rahmen die Aufgaben erf\u00fcllen wird, die ihr in der Zukunft gestellt werden.\u201c<\/p>\n<p><strong>Nirgendwo in W\u00fcrttemberg w\u00e4hlten mehr Leute die NSDAP<\/strong><\/p>\n<p>Nach den bisherigen Erkenntnissen ist das Dokument mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Kreisleitung, die sich 1937 in Blaufelden befand, verfasst worden. Der faktenreiche Text ist teilweise in einer pathetisch-euphorischen Sprache gehalten. Er zeigt aber auch, dass die Einwohner des \u201eKreises Gerabronn\u201c nicht von Beginn an begeistert den Nazis hinterhergelaufen sind. Vor allem der \u201eBauernbund\u201c, die Kommunisten und Sozialdemokraten, teilweise auch die Kirchen stellten sich politisch gegen die Nazis. Von 1932 bis 1934, w\u00e4hlten aber nirgendwo in W\u00fcrttemberg prozentual gesehen mehr Menschen die Nazi-Partei als im Oberamt Gerabronn . Zum Oberamt Gerabronn geh\u00f6rten auch die heute im Main-Tauber-Kreis liegende Gemeinde Niederstetten sowie das heute zu Ilshofen geh\u00f6rende Obersteinach.<\/p>\n<p><strong>Karl Knauer zeigte &#8222;grenzenlosen Fanatismus&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Als Keimzellen der NSDAP im n\u00f6rdlichen Altkreis Crailsheim und dem s\u00fcdlichen Altkreis Mergentheim sind die Orte Blaufelden und Wiesenbach anzusehen. Erster Wortf\u00fchrer der Nazis im \u201eKreis Gerabronn\u201c war laut Parteibericht der G\u00e4rtner Karl Knauer aus Blaufelden. \u201eMit grenzenlosem Fanatismus\u201c habe er schon 1920 f\u00fcr die Hitlerpartei geworben. 1923 wurde in Blaufelden die erste Ortsgruppe im Oberamt gegr\u00fcndet. Ab 1925 war \u201edie Ortsgruppe Blaufelden der Mittel- und Brennpunkt der Nationalsozialisten nicht bloss im Kreis Gerabronn, sondern auch in den angrenzenden Kreisen. Zu ihr geh\u00f6rten auch Mitglieder aus den Ober\u00e4mtern Mergentheim, Crailsheim und K\u00fcnzelsau\u201c, hei\u00dft es in dem Bericht.<\/p>\n<p><strong>Hauptpropagandisten Friedrich Schmidt und Georg St\u00fcmpfig<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr den Durchbruch der NSDAP in der Region sorgten vor allem zwei M\u00e4nner aus Wiesenbach. Der Lehrer Friedrich Schmidt und B\u00fcrgermeister Georg St\u00fcmpfig. Sie waren ma\u00dfgeblich f\u00fcr den Aufbau der Partei in der Region Hohenlohe verantwortlich. Schmidt und St\u00fcmpfig hielten bei Wahlkampfveranstaltungen in der Region die meisten Reden. Schmidt wurde sp\u00e4ter stellvertretender Gauleiter W\u00fcrttembergs und Leiter des Hauptschulungsamts. St\u00fcmpfig schaffte es im Innenministerium bis zum Kanzleidirektor und Gauamtsleiter f\u00fcr Kommunalpolitik.  Schmidt und St\u00fcmpfig errangen bereits 1932 Landtagsmandate f\u00fcr die NSDAP.<\/p>\n<p><strong>Info:<\/strong><\/p>\n<p>Ende 1931 bestanden im Oberamt Gerabronn 15 Ortsgruppen der NSDAP mit insgesamt 304 Mitgliedern. In alphabetischer Reihenfolge: Blaufelden (29 Mitglieder), Brettheim (30), Buch (28), Gammesfeld (29), Gerabronn (20), Hengstfeld (15), Kirchberg (18), Michelbach\/L\u00fccke (23), Niederstetten (27), Obersteinach (20), Oberstetten (16), Riedbach (28), Schrozberg (15), Wiesenbach (35), Wildentierbach (29). Bereits im November 1930 wurde in Blaufelden die ersten Hitlerjugend-Gruppe gegr\u00fcndet. Die erste SS-Gruppe wurde 1931 in Wiesenbach aufgebaut.<\/p>\n<p><strong>Erste Versammlung scheitert kl\u00e4glich<\/strong><\/p>\n<p>Wie in Schw\u00e4bisch Hall war auch im Oberamt Gerabronn der \u201eV\u00f6lkische Schutz- und Trutzbund\u201c Vorl\u00e4ufer der \u201enationalsozialistischen Bewegung\u201c. Die erste  Veranstaltung der Nazis in Gerabronn endete noch kl\u00e4glich. Die Versammlung fiel ins Wasser, weil nur sechs Leute den NSDAP-Redner h\u00f6ren wollten. Durch die \u201eunerm\u00fcdliche Propaganda von Karl Knauer\u201c fanden sich aber besonders in Blaufelden immer mehr Nazi-Anh\u00e4nger. \u201eSchon Ende des Jahres 1923 stand eine Schar treuer K\u00e4mpfer unter der F\u00fchrung von Karl Knauer zu den Fahnen Adolf Hitlers.\u201c Darunter befand sich auch bereits der 21-j\u00e4hrige \u201eJunglehrer\u201c Friedrich Schmidt (Partei-Mitgliedsnummer 4864). Schmidt wurde sp\u00e4ter Ortsgruppenleiter von Wiesenbach, NSDAP-Bezirksleiter Hohenlohe und anschlie\u00dfend  stellvertretender Gauleiter von W\u00fcrttemberg.<\/p>\n<p><strong>Einige Wiesenbacher M\u00e4nner schworen schon 1923 auf Hitler<\/strong><\/p>\n<p>Nach einer Versammlung 1923 in Wiesenbach gab eine Gruppe von M\u00e4nnern \u201eunter F\u00fchrung von Friedrich Schmidt den Schwur ab, bei einer eventuellen gewaltsamen Machtergreifung voll und ganz hinter dem F\u00fchrer Adolf Hitler zu stehen\u201c. Wenige Tage sp\u00e4ter, am 9. November 1923, scheiterte Hitlers Putschversuch in M\u00fcnchen.<\/p>\n<p><strong>Gr\u00f6\u00dfte Gegner der Partei: \u201eJuden und Sozialdemokraten\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Als \u201egr\u00f6\u00dfte Gegner der Partei\u201c in der Anfangszeit bezeichnete der Berichterstatter die \u201eJuden und Sozialdemokraten\u201c im Oberamt. J\u00fcdische Gemeinden existierten damals in Niederstetten, Michelbach\/L\u00fccke und D\u00fcnsbach. Ab 1924 habe der Widerstand der \u201eDemokraten und Bauernb\u00fcndler\u201c verst\u00e4rkt eingesetzt. \u201eSpott und Verleumdungen waren an der Tagesordnung\u201c, hei\u00dft es in dem Bericht. Viele Mitglieder seien wieder aus der Partei ausgetreten.<\/p>\n<p><strong>Erster SA-Sturm in Blaufelden gegr\u00fcndet<\/strong><\/p>\n<p>Auch in der Region setzte 1925 ein grundlegender Umschwung ein. Kurz zuvor war Hitler aus der Haft in Landsberg am Lech entlassen worden. Ein Zeichen des Aufschwungs: die Blaufeldener Ortsgruppe gr\u00fcndete den ersten SA-Sturm mit 25 Mitgliedern, 1926 kauften sie sich die ersten \u201eBraunhemden\u201c.<\/p>\n<p><strong>NSDAP-Gesch\u00e4ftsstelle von Blaufelden nach Wiesenbach verlegt<\/strong><\/p>\n<p>Die Ober\u00e4mter Gerabronn, Crailsheim, Hall, K\u00fcnzelsau und Mergentheim bildeten ab 1927 den NSDAP-Bezirk Hohenlohe. \u201eDie Gesch\u00e4ftsstelle wurde von Blaufelden nach Wiesenbach verlegt und Friedrich Schmidt als Bezirksf\u00fchrer aufgestellt.\u201c Die zweite Ortsgruppe des Kreises Gerabronn entstand im April 1929 in Wildentierbach-Oberstetten. Ihr SA-Trupp z\u00e4hlte beachtliche 50 Mann. Im November des Jahres trat die ganze Musikkapelle Oberstetten zur SA \u00fcber und trat fortan als offizielle SA-Kapelle des Bezirks bei zahlreichen Naziveranstaltungen auf. Im gleichen Jahr wurde die Ortsgruppe Wiesenbach (die dritte im Oberamt) gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p><strong>Wallhausener \u201eziemlich ablehnend\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Die Reaktionen auf die Nazis in den D\u00f6rfern waren sehr unterschiedlich. Nur ein Beispiel: W\u00e4hrend Versammlungsbesucher in Hengstfeld dem Propagandaredner Friedrich Schmidt zujubelten, zeigten sich die Wallhausener \u201eziemlich ablehnend\u201c. Mit den \u201edortigen Marxisten\u201c w\u00e4re es beinahe zu Schl\u00e4gereien gekommen, hei\u00dft es in dem Bericht. Im kleinen Ort Buch (heute Teilort der Gemeinde Rot am See) an der bayerischen Grenze gr\u00fcndeten hingegen neun M\u00e4nner im Januar 1930 die vierte Ortsgruppe im Oberamt Gerabronn.<\/p>\n<p><strong>In Ingelfingen Nazis mit Tomaten beworfen<\/strong><\/p>\n<p>Einen \u201eWahlfeldzug\u201c mit Hindernissen unternahm die SA des Bezirks im September 1930. Die Polizei in K\u00fcnzelsau hatte den Durchmarsch der SA verboten, in Ingelfingen bewarfen politische Gegner die Braunhemden mit Tomaten, ein halbes Jahr sp\u00e4ter wurde die SA des Bezirks in Mainhardt mit Holzscheiten angegriffen.<\/p>\n<p><strong>1930 ersten SS-Trupp in Wiesenbach gebildet<\/strong><\/p>\n<p>Die Ortsgruppe Blaufelden bildete 1930 die erste Hitlerjugendgruppe (HJ) des Oberamts. Ab November 1931 begann HJ-Bezirksleiter Leonhard Str\u00f6bel aus Blaufelden damit, die Hitlerjugend systematisch zu organisieren. Die Gr\u00fcndung des ersten SS-Trupps im Oberamt erfolgte im gleichen Jahr in Wiesenbach.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcnf Wahlen im Jahr 1932<\/strong><\/p>\n<p>Intensive Wahlpropaganda stand f\u00fcr die Partei im Mittelpunkt des Jahres 1932. F\u00fcnf Wahlen fanden 1932 statt. Bei allen Urneng\u00e4ngen erhielten die Nazis im Oberamt Gerabronn prozentual gesehen, jeweils die meisten Stimmen in ganz W\u00fcrttemberg. Am 30. Januar 1933 hatten die Nationalsozialisten ihr erstes gro\u00dfes Etappenziel geschafft. Reichspr\u00e4sident Hindenburg ernannte Adolf Hitler zum Reichskanzler.  Auch in einigen Orten des Oberamts Gerabronn wurde dieser \u201eSieg\u201c mit Fackelumz\u00fcgen gefeiert.<\/p>\n<p><strong>Wahlergebnisse der NSDAP im Oberamt Gerabronn (OA):<\/strong><\/p>\n<p><strong>Reichstagswahl 14. September 1930:<\/strong> 2132 Stimmen (17,9 Prozent\/an 4. Stelle der Ober\u00e4mter in W\u00fcrttemberg); Reichspr\u00e4sidentenwahl\/erster Wahlgang am 13. M\u00e4rz 1932: Hitler erhielt im OA 7367 Stimmen, D\u00fcsterberg 2854, Hindenburg 2652 (OA an der Spitze in W\u00fcrttemberg); zweiter Wahlgang am 10. April 1932: Hitler 8141 Stimmen (67,5 Prozent), Hindenburg 3746<\/p>\n<p><strong>Landtagswahl 25. April 1932:<\/strong> NSDAP 6227 Stimmen (rund 53 Prozent\/1. Platz in W\u00fcrttemberg);<\/p>\n<p><strong>Reichstagswahl 31. Juli 1932:<\/strong> NSDAP 8099 Stimmen (64 Prozent\/1. Platz in W\u00fcrttemberg); Reichstagswahl am 6. November 1932: NSDAP: 6217 Stimmen (53 Prozent\/ 1. Platz in W\u00fcrttemberg)<\/p>\n<p><strong>Macht\u00fcbernahme hei\u00dft nicht \u201eEndsieg\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Die \u201eMacht\u00fcbernahme\u201c der NSDAP am 30. Januar 1933 \u201ebedeutet nicht gleich Endsieg\u201c, schrieb der Partei-Berichterstatter im Oberamt Gerabronn. Noch immer gebe es \u201ezahlreiche Gegner\u201c. Wichtigstes Ziel war es zun\u00e4chst, die Macht durch einen klaren Sieg bei den Reichstagswahlen am 5. M\u00e4rz 1933 zu sichern.<\/p>\n<p><strong>Gegner &#8222;Christlicher Volksdienst\u201c und der \u201eKampfbund Schwarz-Weiss-Rot\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Von den \u201eGegnern der Bewegung\u201c seien der \u201eChristliche Volksdienst\u201c und der \u201eKampfbund Schwarz-Weiss-Rot\u201c im Wahlkampf besonders r\u00fchrig gewesen. Die Wahl brachte im Oberamt aber ein klares Bekenntnis zu den Nazis. Sie erhielten im Kreis 71,8 Prozent der Stimmen. An der Spitze standen die Orte Hausen am Bach (95 Prozent), Hornberg (88), Riedbach (87,8) und Gaggstatt (84). \u201eNur 49 Prozent\u201c der Gerabronner Wahlberechtigten stimmten f\u00fcr die NSDAP, klagte der Berichterstatter.<\/p>\n<p><strong>Blaufeldener SA nahm in Braunsbach den Schl\u00e4chter Salomon Pfeiffer fest<\/strong><\/p>\n<p>Aus Angst vor den \u201eMarxisten, die vielleicht ihre Niederlage nicht verschmerzen k\u00f6nnen\u201c sollte die Blaufeldener SA \u201eetwaige Unruhen in Heilbronn im Keim ersticken\u201c. Nach Durchsuchungen und Besetzung der Gewerkschaftsh\u00e4user und der Zeitung \u201eNeckar-Echo\u201c sei die Aktion erfolgreich beendet worden. Auf dem Heimweg nahm die Blaufeldener SA in Braunsbach den Schl\u00e4chter Salomon Pfeiffer fest und \u201e\u00fcbergab ihn dem Amtsgericht Langenburg\u201c.<\/p>\n<p><strong>Blaufelden ernennt Hitler, Hindenburg und Murr zu Ehrenb\u00fcrgern<\/strong><\/p>\n<p>Den \u201eB\u00fcckling\u201c vor den neuen Machthabern vollzog im Oberamt als erstes die Gemeinde Blaufelden. Der dortige Gemeinderat ernannte bereits am 20. M\u00e4rz 1933 Adolf Hitler, Reichspr\u00e4sident Hindenburg und NSDAP-Gauleiter Wilhelm Murr zu Ehrenb\u00fcrgern \u2013 gleichzeitig wurden Stra\u00dfen und ein Platz nach ihnen benannt.<\/p>\n<p><strong>Als Bauernf\u00fchrer arbeitete Karl Philipp aus Wittenweiler<\/strong><\/p>\n<p>Blaufelden wurde auch Sitz des neuen Hitlerjugend-Banns 122 Hohenlohe. Zum HJ-Bannf\u00fchrer wurde Leonhard Str\u00f6bel ernannt. Zum Bann geh\u00f6rten die Kreise Gerabronn, Crailsheim, Hall, Gaildorf, Mergentheim, K\u00fcnzelsau und \u00d6hringen. Im Fr\u00fchjahr 1933 gliederten die Nazis die Bauern in die \u201enationalsozialistische Bewegung\u201c ein. Als Bauernf\u00fchrer arbeitete Karl Philipp aus Wittenweiler (ab M\u00e4rz 1936 Landeshauptamtsleiter der Landesbauernschaft). Zum Kreisf\u00fchrer des Kampfbunds f\u00fcr den gewerblichen Mittelstand ernannte die NSDAP Heinrich Schuster aus Lendsiedel. Schuster war damals auch Ortsgruppenleiter des heutigen Kirchberger Teilorts und sp\u00e4ter \u201eGestapo-Vertrauensmann\u201c des Ortes.<\/p>\n<p><strong>St\u00fcmpfig sollte Gemeinder\u00e4te des Oberamts \u201egleichschalten\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Den Sitz des SA-Sturmbanns III\/478 verlegten die Nazis nach Blaufelden. Diesen befehligte Wilhelm Hertweck aus Blaufelden. Kreisleiter Georg St\u00fcmpfig bekam als \u201eSonderkommissar\u201c die Aufgabe \u00fcbertragen, die Gemeinder\u00e4te des Oberamts \u201egleichzuschalten\u201c. Nicht-Nazis sollten durch Parteigenossen oder wenigstens durch Leute mit positiver Haltung zur neuen Regierung ersetzt werden. Dies habe zu heftigen K\u00e4mpfen innerhalb der B\u00fcrgerschaft gef\u00fchrt, hei\u00dft es in dem Parteibericht, sei aber letztlich \u201eohne gro\u00dfe Ersch\u00fctterungen verlaufen\u201c. Im Juni 1933 gliederte sich der \u201eStahlhelm\u201c in die NSDAP ein, ab Juli wurde der Hitlergru\u00df verpflichtender \u201eDeutscher Gru\u00df\u201c. Erstes wichtiges gesellschaftspolitisches Ziel war laut Partei die Eind\u00e4mmung der Arbeitslosigkeit, was sich zun\u00e4chst als \u00e4u\u00dferst schwierig erwies.<\/p>\n<p><strong>Tageszeitung \u201eVaterlandsfreund\u201c  in die NS-Presse eingegliedert<\/strong><\/p>\n<p>Im November gliederten die Nazis nach eigener Darstellung die Gerabronner Tageszeitung \u201eVaterlandsfreund\u201c  in die NS-Presse ein. Die Zeitung hie\u00df fortan \u201eDer Franke\u201c. B\u00fcrger und \u201eGesch\u00e4ftswelt\u201c wurden von der NS-Kreisleitung \u201ezur Unterst\u00fctzung der Bezirkspresse\u201c aufgefordert.<\/p>\n<p><strong>SA verrichtete bei der Volksabstimmung 1933 in den Orten \u201eSchleppdienste\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Bei der Volksabstimmung am 12. November 1933 bef\u00fcrworteten 99,34  Prozent der W\u00e4hler des Oberamts die Politik der NSDAP. Die Wahlbeteiligung lag bei 96,2 Prozent. Die Nazis bezeichneten dies als \u201eflaue Abstimmung\u201c. Obwohl die SA in den Orten \u201eSchleppdienste\u201c verrichtet hatte, von Haus zu Haus gingen, um W\u00e4hler auf die \u201eWahlpflicht\u201c hinzuweisen, sei nicht alle zur Abstimmung gegangen. Keine Nein-Stimmen gab es damals in B\u00e4chlingen, Hausen am Bach, Hengstfeld, Hornberg, Riedbach, Schmalfelden und Spielbach. In Gerabronn stimmte von den 601 nur ein W\u00e4hler mit \u201eNein\u201c.<\/p>\n<p><strong>Friedrich Niklas aus Riedbach wird 1934 neuer NS-Kreisleiter<\/strong><\/p>\n<p>Zum neuen Kreisleiter im Oberamt ernannten die Nationalsozialisten  am 12. Mai 1934 Friedrich Niklas aus Riedbach. Sein Vorg\u00e4nger Georg St\u00fcmpfig wurde als Berichterstatter ins Innenministerium und als Leiter des Gauamts f\u00fcr Kommunalpolitik nach Stuttgart berufen. Robert Walter fungierte fortan als hauptamtlicher Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der NSDAP-Kreise Gerabronn und Crailsheim. Gleichzeitig war er  Kreispropagandaleiter. Die Kreisleitung verlegte ihren Sitz von Wiesenbach nach Blaufelden. Aus Geldmangel konnte sie in Blaufelden zun\u00e4chst nur ein Zimmer mieten.<\/p>\n<p><strong>Streit mit &#8222;christlicher Kirche flammte wieder auf<\/strong><\/p>\n<p>Der Streit mit der \u201echristlichen Kirche\u201c flammte 1934 wieder auf. \u201eVerschiedene Geistliche geb\u00e4rdeten sich wie toll\u201c, hei\u00dft es in dem Parteibericht. Sie w\u00fcrde die Nazis als \u201egottlos\u201c bezeichnen. Die R\u00f6hmrevolte im Sommer 1934 \u201eerf\u00fcllte die Parteigenossenschaft mit Ekel\u201c, schreibt der Berichterstatter weiter.<\/p>\n<p><strong>Hitler wurde 1934 auch Reichspr\u00e4sident<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Tod Hindenburgs sprachen sich am 19. August 1934 rund 97,5 Prozent der W\u00e4hler im Oberamt (im Land W\u00fcrttember 92 Prozent) daf\u00fcr aus, dass Hitler auch das Amt des Reichspr\u00e4sidenten \u00fcbernehmen solle. Obwohl die Zahl der \u201eNein\u201c-Stimmen im Vergleich zur November-Wahl 1933 gestiegen sei, habe sich der Kreis \u201ewieder als unersch\u00fctterliches Bollwerk des F\u00fchrers erwiesen\u201c (3. Platz im Land hinter Heilbronn und \u00d6hringen).<\/p>\n<p><strong>1935 sank die Zahl der NSDAP-Mitglieder im Oberamt Gerabronn<\/strong><\/p>\n<p>Im Jahr 1935 sank die Zahl der NSDAP-Mitglieder im Oberamt von 754 (1934) auf 620. 1933 seien einige \u201ewohl irrt\u00fcmlich eingetreten\u201c, hei\u00dft es in dem Bericht. Die Partei bezeichnete die Stimmung im Kreis trotzdem \u201eim allgemeinen als gut\u201c. Sorgen bereitete den politischen F\u00fchrern aber der Dienstbotenmangel bei den Bauern (starke Landflucht).<\/p>\n<p><strong>Politische Kreise Gerabronn und Crailsheim vereinigten sich 1937<\/strong><\/p>\n<p>Im Crailsheimer Rittersaal vereinigten sich am 14. Mai 1937 die \u201epolitischen Kreise Gerabronn und Crailsheim\u201c zum \u201eGro\u00dfkreis Crailsheim\u201c. Der hauptamtliche Kreisleiter  Otto H\u00e4nle ersetzte fortan die bisherigen Kreisleiter Niklas (Oberamt Gerabronn) und Hermann Reinhardt (Oberamt Crailsheim).<\/p>\n<p><strong>Niklas bedauerte die Aufl\u00f6sung des politischen Kreises Gerabronn<\/strong><\/p>\n<p>Kreisleiter Niklas bedauerte die Aufl\u00f6sung des politischen Kreises Gerabronn, \u201edie fr\u00fchere Hochburg der nationalsozialistischen Bewegung\u201c. Niklas wurde mit dem Posten des Kreisbauernf\u00fchrers entsch\u00e4digt.<\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen in Hohenlohe-ungefiltert: <\/strong><\/p>\n<p>SS-Divisionen werden in Jagsthausen verehrt \u2013 Gemeinde distanziert sich von zwei SS-Gedenksteinen <a href=\"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/?p=6941\" target=\"_blank\">https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/?p=6941<\/a><\/p>\n<div class=\"pdf24Plugin-cp\"> \t<form name=\"pdf24Form0\" method=\"post\" action=\"https:\/\/doc2pdf.pdf24.org\/wordpress.php\" target=\"pdf24PopWin\" onsubmit=\"var pdf24Win = window.open('about:blank', 'pdf24PopWin', 'resizable=yes,scrollbars=yes,width=600,height=250,left='+(screen.width\/2-300)+',top='+(screen.height\/3-125)+''); pdf24Win.focus(); if(typeof pdf24OnCreatePDF === 'function'){void(pdf24OnCreatePDF(this,pdf24Win));}\"> \t\t<input type=\"hidden\" name=\"blogCharset\" value=\"Cw1x07UAAA==\" \/><input type=\"hidden\" name=\"blogPosts\" value=\"MwQA\" \/><input type=\"hidden\" 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Wenig bekannt hingegen ist, wie der Spuk des Nationalsozialismus in der Region bereits ab 1920 begonnen hatte. Dokumente aus dem inneren Zirkel der Nazipartei geben einen Einblick in die \u201eKampfzeit und Macht\u00fcbernahme\u201c der NSDAP im Oberamt Gerabronn. Von Ralf Garmatter, Hohenlohe-ungefiltert Ausf\u00fchrlicher Parteibericht \u00fcber [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12737"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12737"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12737\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12753,"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12737\/revisions\/12753"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12737"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12737"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12737"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}