„Kolonial-Lobbyismus aus dem Hause Hohenlohe-Langenburg“ – Fürst Hermann spielte in der Anfangszeit deutscher Kolonialpolitik eine herausragende Rolle – Sein Sohn Ernst II. leitete die Kolonialabteilung im Auswärtigen Amt

Um 1900 war Deutschland hinter Großbritannien, Frankreich und Russland die viertgrößte Kolonialmacht der Welt. Überdurchschnittlich groß war die Kolonialbegeisterung in Württemberg, obwohl es fernab eines Seehafens lag. In der heutigen Öffentlichkeit kaum bekannt sind die Männer der ersten Stunde der deutschen Kolonialpolitik. Eine herausragende Rolle spielte hierbei Fürst Hermann zu Hohenlohe-Langenburg (1832-1913). In seiner Heimatstadt Langenburg ist heute noch eine Straße nach Fürst Hermann benannt. Die Kleinstadt mit etwa 2000 Einwohnern liegt im Landkreis Schwäbisch Hall, im Nordosten des heutigen Baden-Württemberg.

Von Ralf Garmatter, Hohenlohe-ungefiltert

1881 nicht mehr in den Reichstag gewählt

Fürst Hermann zu Hohenlohe-Langenburg initiierte 1882 die Gründung des Deutschen Kolonialvereins, nachdem er 1881 nicht mehr in den Reichstag gewählt worden war. Die Kolonialpolitik sah er als standesgemäßes künftiges Betätigungsfeld. Der Deutsche Kolonialverein fusionierte 1887 mit der Deutschen Gesellschaft für Kolonisation zur „Deutschen Kolonialgesellschaft“. Bis 1894 war der Hochadlige aus der württembergischen Provinz Präsident des größten kolonialpolitischen Lobbyverbands im Deutschen Reich. Nahe verwandt war das Fürstenhaus Hohenlohe-Langenburg schon im 19. Jahrhundert mit dem englischen Königshaus und der Familie des deutschen Kaisers.

Gezwungen, eine schwere Rüstung zu tragen

Die Hauptaufgaben sah die Deutsche Kolonialgesellschaft darin, politische Unterstützer und Geld für deutsche Kolonialunternehmungen zu organisieren. 1889 meinte Fürst Hermann, es gelte zwar den europäischen Frieden zu wahren, Deutschland müsse jedoch seine „Stellung unter den Großstaaten Europas behaupten“ und sei „gezwungen, eine schwere Rüstung zu tragen.“

Viele Dokumente im Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein

Viele Informationen und Dokumente über Fürst Hermann zu Hohenlohe-Langenburg und seinen Einfluss auf die deutsche Kolonialpolitik und den Koloniallobbyismus finden sich im Hohenlohe-Zentralarchiv in Neuenstein. Dort kann Fürst Hermanns Nachlass eingesehen werden. Einen guten Einblick in die kolonialen Angelegenheiten des Langenburger Fürstenhauses bieten zwei Aufsätze von Hans Peter Müller. Der Historiker arbeitete früher als Kreisarchivar im Landratsamt Schwäbisch Hall. Er befasste sich in zwei geschichtswissenschaftlichen Veröffentlichungen in den Jahren 2007 und 2011 mit Fürst Hermann und der Kolonialpolitik des Königreichs Württemberg. Die beiden Aufsätze wurden in der „Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte“ veröffentlicht.

Kolonialausstellung im Hällisch-Fränkischen Museum Schwäbisch Hall

Zusammen mit Herbert Kohl konzipierte Hans Peter Müller die aktuelle Sonderausstellung des Hällisch-Fränkischen Museums in Schwäbisch Hall mit dem Titel „Württemberg in Afrika: Fragmente einer deutschen Kolonialgeschichte“. Dem Fürsten Hermann zu Hohenlohe-Langenburg ist dort eine eigene Info-Tafel gewidmet. Die Ausstellung ist noch bis Sonntag, 25. September 2022, zu sehen.

Kolonialbegeisterung in Württemberg überdurchschnittlich groß

Obwohl weit von der Küste entfernt war die Kolonialbegeisterung in Württemberg überdurchschnittlich groß. Karl Mayer, einer der Führer der linksliberalen Volkspartei in Württemberg, sagte 1885, dass sich im „fantasiereichen Schwabenlande … die Volksstimmung am meisten von allen deutschen Staaten für das ganze Kolonialwesen und die Dampfersubventionen ausgesprochen habe“. Dafür hatte Mayer folgende Erklärung: „Es entspricht der schwäbischen Natur, wenn der Schwabe etwas vom blauen Meer und von weiter Ferne hört, so geht gern der Verstand mit ihm durch und er meint Wunder, was für große Wohltaten ihn erwarteten.“ So war es nicht verwunderlich, dass mit Fürst Hermann zu Hohenlohe-Langenburg ein prominenter Württemberger von Beginn an an der Spitze kolonialpolitischer Bestrebungen in Deutschland stand.

Bezirk Langenburg in Ostafrika

Das brachte Fürst Hermann zumindest ein wenig Ruhm und Ehre. In Ostafrika wurde während der Kolonialzeit ein Bezirk Langenburg genannt, manchmal auch nach seinem Hauptort Neu-Langenburg. Heute heißt die Stadt Tukuyu und liegt in Tansania. Der Bezirk befand sich am Nordende des Njassasees. Langenburg war 28900 Quadratkilometer groß, fast so groß wie das heutige Baden-Württemberg, das 35700 Quadratkilometer Fläche umfasst. Anfang 1913 lebten 195.800 Eingeborene und nur 137 Weiße im Bezirk Langenburg. Es gab dort 21 Missionsstationen, mehr als in irgendeinem anderen Bezirk Deutsch-Ostafrikas. 

Afrika-Reise 1862

Fürst Hermanns erster Kontakt mit dem noch weitgehend unbekannten Kontinent Afrika war im Frühjahr 1862. Er beteiligte sich als 30-Jähriger an einer Afrika-Reise seines Verwandten Herzog Ernst von Sachsen-Coburg-Gotha. In der 21-köpfigen Gruppe befand sich auch der berühmte deutsche Tierforscher Brehm. Die Reise führte nach Ägypten, von dort aus mit dem Schiff auf dem Roten Meer bis zum Hafen Massaua im heutigen Eritrea. Eine strapaziöse Expedition führte ins Landesinnere bis ins abessinische Hochland. Die Reise sollte geographischen, naturwissenschaftlichen und völkerkundlichen Studien sowie zur Jagd dienen.

Zwei Elefanten und einen Delphin geschossen

Info 1: Bei den Jagden 1862 in Afrika schoss Fürst Hermann laut eigenen Aufzeichnungen unter anderem zwei Blauböcke, eine Kudu-Antilope, zwei Mantelaffen, sieben Geier, einen Schwarzstorch, einen Adler, zwei Elefanten und einen Delphin. Sein Abschussbuch führte Fürst Hermann akribisch von 1856 bis 1909. Es dokumentiert seine große Jagdleidenschaft. Die Gesamtzahl der vom Fürsten geschossenen „jagbaren Tiere“ beträgt 32421 Stück. Gut die Hälfte davon waren Hasen (16829). Aus heutiger Sicht erstaunlich sind 5760 erlegte Fasanen, 2395 Rebhühner, 859 Gamsböcke, 115 Schnepfen und 177 Auerhähne.

Amerika-Reise 1883

Info 2: Eine weitere Fernreise führte Fürst Hermann zu Hohenlohe-Langenburg im Sommer 1883 von Frankfurt/Main über Liverpool nach Kanada und in die USA. Auf der insgesamt zweimonatigen Reise besuchte er die Städte Boston, Montreal, Quebec, Ottawa, Toronto, Detroit, Chicago, Milwaukee, Minnetonka, St. Paul-Minneapolis, Winnipeg, Calgary, die Niagara-Fälle, New York und die dortige Militärakademie Westpoint. Für den Reiseabschnitt von Montreal aus konnte er einen „Extrazug der Pacific Union“ benutzen. 

Deutsches Reich war Kolonialmacht von 1884 bis 1919

Deutschland trat vergleichsweise spät als Kolonialmacht auf. Eigene Kolonien besaß das Deutsche Reich von 1884 bis 1919. Wie die anderen europäischen Kolonialmächte beutete Deutschland die Menschen in den Kolonien aus und entrechtete sie. Deutsche waren verantwortlich für geraubte Kunstgegenstände, brutale Gewaltakte bis hin zum Völkermord an den Hereros und Nama im heutigen Namibia mit geschätzt 70.000 Todesopfern. Bei Kriegshandlungen, die von Deutschen in Ostafrika geführt wurden, starben zwischen 250.000 und 300.000 afrikanische Ureinwohner. 

Abgeordneter der freikonservativen Reichspartei

Fürst Hermann zu Hohenlohe-Langenburg war schon früh politisch aktiv. Am 4. März 1861 trat er mit 29 Jahren in die württembergische Kammer der Standesherren (Erste Kammer des Landtags) ein, der er bis zu seinem Tod 1913 angehörte. Von 1877 bis 1895 war Fürst Hermann Vizepräsident der ersten Kammer. Von 1871 bis 1881 gehörte Hohenlohe-Langenburg dem Deutschen Reichstag als Abgeordneter der freikonservativen Reichspartei an. Sein Reichstagsmandat gewann er im heimatlichen Wahlkreis Württemberg 12, der die Oberämter Gerabronn, Crailsheim, Mergentheim und Künzelsau umfasste. Fürst Hermann zu Hohenlohe-Langenburg war ein entschiedener Befürworter des Bismarck-Reiches, obwohl der Reichskanzler lange Zeit keine deutschen Kolonien wollte. Hohenlohe-Langenburg hingegen setzte sich im Reichstag schon 1880 bei der Diskussion um die „Samoa-Vorlage“ vehement für eine offensive deutsche Kolonialpolitik ein. 1884 erfüllte sich sein Traum von eigenen deutschen Kolonien.

Deutsche Kolonien im Überblick:

Bis zum Jahr 1900 kamen folgende Gebiete unter deutsche Vorherrschaft: 1884 Deutsch-Südwestafrika (das heutige Namibia); 1884 Togoland (das heutige Togo und Teile des östlichen Ghana); 1884 Kamerun (das heutige Kamerun und kleinere Gebietsteile folgender heutiger Staaten: Nigeria, Tschad, Zentralafrikanische Republik, Republik Kongo und Gabun); 1885 Deutsch-Ostafrika (das heutige Tansania und kleinere Gebietsteile folgender heutiger Staaten: Ruanda, Burundi und Mosambik); 1885 Deutsch-Neuguinea (Teile des heutigen Papua-Neuguinea, die heutigen Marshallinseln, Teile der heutigen Salomonen, Nördliche Marianen, Palauinseln und Mikronesien); 1898 Kiautschou (heute Teil der Volksrepublik China) und 1900 Deutsche Samoa-Inseln (das heutige Samoa). (Quelle: https://www.statistik-bw.de/Service/Veroeff/Monatshefte/20171209 // Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, abgerufen am 22. August 2022).

„Schutzgebiete“ fünfmal größer als das Mutterland Deutsches Reich

Die Gesamtfläche der deutschen „Schutzgebiete“ betrug rund 2,6 Millionen Quadratkilometer. Zwölf Millionen Einwohner lebten dort, davon waren nur etwa 24.000 Deutsche. Das Mutterland „Deutsches Reich“ (ohne Kolonien) erstreckte sich in dieser Zeit über eine Fläche von 540.000 Quadratkilometer. 1910 lebten im Deutschen Reich (ohne Kolonien) rund 65 Millionen Einwohner. Die Fläche der Kolonien war also fast fünfmal so groß, die Zahl der dortigen Einwohner betrug jedoch lediglich ein Fünftel der Einwohnerzahl im deutschen Mutterland. Die Kolonialgebiete waren weitgehend landwirtschaftlich geprägt.

Rohstoffe aus den Kolonien

Deutsche Siedler errichteten in den Kolonien Plantagen vor allem für Kautschuk, Hanf, Baumwolle und Kaffee. Im Deutschen Koloniallexion aus dem Jahr 1920 werden Rohstoffe aufgezählt, die aus den Kolonien nach Deutschland importiert worden waren.

Aus Deutsch-Ostafrika: Elfenbein, Sisal, Sesam, Kokosnüsse, Matten, Bauhölzer, Gold, Hörner, Kopra, Kaffee, Kakao, Flusspferdzähne, Tabak, Baumwolle, Erdnüsse

Aus Deutsch-Südwestafrika: Diamanten, Kupfererz, Blei, Wolle, Hörner, Straußenfedern, Harze, Gerbstoffe, Guano, Felle

Aus China/Provinz Kiautschou: Kohle, Seife, Seide, Erdnussöl, Erdnusskerne, Kuhhäute, Strohborten, Borsten, Glaswaren

Schnaps und Bier waren wichtige deutsche Exportgüter nach Afrika

(…) Ab 1884 bestanden zwei Drittel der Hamburger Exporte, gut drei Fünftel des deutschen Afrikahandels, aus Spirituosen. „Das ganze Leben hier“, klagen die Missionare in Kamerun, „ist gewissermaßen von Branntwein durchtränkt“, schreibt Cora Stephan in einem Artikel in der deutschen Tageszeitung „Welt“ vom 12. Dezember 2012. Auch Bier stellte einen bedeutenden Anteil an den deutschen Exporten in die Kolonialgebiete dar. Weitere wichtige Exportgüter in die Kolonien waren Maschinen und Eisenwaren, Brücken- und Eisenbahnanlagen, Anlagen zum Telegraphenbau, Zement, Kohle und Schießpulver.

Kolonien waren ein Verlustgeschäft

Für das Deutsche Reich waren die Kolonien insgesamt betrachtet ein Verlustgeschäft. Die anfangs hoch gesteckten Erwartungen erfüllten sich nicht. Die Kolonien scheinen eher für das nationale Selbstbewusstsein wichtig gewesen zu sein. Mit den Kolonien in Übersee fühlten sich viele Deutsche als neue Weltmacht. Die Handelsbilanzen – außer zeitweise für die kleine „Musterkolonie“ Togo – waren allesamt negativ. Und: Nur wenige Menschen aus Deutschland – insgesamt 24.000 – siedelten sich in den „Schutzgebieten“ an. Viel attraktiver war die Auswanderung nach Amerika. Über 1,7 Millionen Menschen verließen allein zwischen 1880 und 1893 das Deutsche Reich.

Deutsche Kolonialgesellschaft hatte 45.000 Mitglieder

Einflussreiche Persönlichkeiten hatten 1882 den Gründungsaufruf des Deutschen Kolonialvereins unterzeichnet. Es herrschte Aufbruchstimmung. Deutschland strebte nach seinem „Platz an der Sonne“ – wie dies später genannt wurde. 1885 zählte der Deutsche Kolonialverein bereits über 10.000 Mitglieder (Hans Peter Müller) – vor allem aus den gehobenen Gesellschaftsschichten. 1887 fusionierte er mit der 1884 gegründeten „Deutschen Gesellschaft für Kolonisation“ von Carl Peters zur Deutschen Kolonialgesellschaft (DKG). Der fusionierte Verein hatte bei dem Zusammenschluss insgesamt 15.000 Mitglieder (Hans Ulrich Wehler). Fürst Hermann wurde Vorsitzender des fusionierten Vereins, Carl Peters, der in Deutschland als „Gewinner Ostafrikas“ verherrlicht wurde, war kurzzeitig sein Stellvertreter. Wegen seines brutalen Vorgehens gegen Einheimische wurde Carl Peters von seinen Gegnern auch „Hänge-Peters“ genannt. Dieser gewalttätige Mann musste sich nun in der Hierarchie der Kolonialgesellschaft hinter dem gemäßigteren Fürst Hermann zu Hohenlohe-Langenburg einordnen. Carl Peters wurde 1890 zum Ehrenmitglied der Deutschen Kolonialgesellschaft ernannt. 1914 hatte die Kolonialgesellschaft 45.000 Mitglieder (Wehler).

Fürst Hermann wird Ehrenpräsident

Bis 1894 stand der Langenburger Fürst an der Spitze dieser größten und einflussreichsten Lobby-Gruppe für die kolonialen Angelegenheiten des noch jungen Deutschen Reiches. Für seine Verdienste um die „koloniale Sache“ wurde Fürst Hermann 1893 zum Ehrenpräsidenten der Deutschen Kolonialgesellschaft ernannt. Die DKG war aber zu keiner Zeit eine Volksbewegung. In ihr versammelte sich vielmehr eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Elite des Landes. Eng verknüpft war sie mit dem im Februar 1882 in Stuttgart gegründeten „Württembergischen Verein für Handelsgeographie und Förderung deutscher Interessen im Ausland.“ Mit regelmäßigen Vortragsveranstaltungen nahmen die Stuttgarter Handelsgeografen eine zentrale Rolle bei der Verbreitung des kolonialen Interesses ein. Auch das heutige Lindenmuseum geht auf die Stuttgarter Handelsgeographen und ihren einstigen Vorsitzenden Karl Graf von Linden zurück. Es firmiert heute in Stuttgart als „Staatliches Museum für Völkerkunde“. / Quelle: https://www.lindenmuseum.de/ueber-uns/geschichte, abgerufen am 2. August 2022)

Statthalter von Elsaß-Lothringen

1894 berief der deutsche Kaiser den Langenburger Fürsten Hermann zum Statthalter des Reichslandes Elsaß-Lothringen. Den Vorsitz in der Kolonialgesellschaft legte er daraufhin nieder.

Überschuss an Arbeitskräften

Für Hohenlohe-Langenburg hatte es schon früh mehrere Gründe gegeben, warum Deutschland eine aktive Kolonialpolitik betreiben sollte. Ihn beunruhigte die Überbevölkerung und die berufliche Perspektivlosigkeit vieler Menschen in Deutschland. Fürst Hermann war überzeugt, dass die „Schaffung von Niederlassungen für unser überschießendes Menschenkapital immer dringender“ werde. „Für den Überschuss an Arbeitskräften“ müssten „neue Gebiete in überseeischen Gebieten erworben“ werden. Außerdem gelte es „für unseren Handel und unsere Industrie neue Absatzgebiete“ zu schaffen, meinte Fürst Hermann.

Mitglied im „Reichsverband gegen die Sozialdemokratie

Gegenüber seinem Verwandten Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst bezeichnete er Kolonialpolitik auch als Mittel zur „Bekämpfung des Sozialdemokratismus“. Der ideologische Kampf gegen die Sozialdemokratie war Fürst Hermann jahrzehntelang ein wichtiges Anliegen. Als gut zahlendes Mitglied gehörte der Langenburger Adelige dem 1904 gegründeten „Reichsverband gegen die Sozialdemokratie“ an. Diesem Verein bezahlte er 1908 den Jahresbetrag von 100 Mark. Das war deutlich mehr als der Monatsverdienst eines Arbeiters, der bei etwa 60 Mark lag. Keinem der rund 50 Vereine, in denen er seinerzeit Mitglied war, bezahlte Fürst Hermann im Jahr 1908 einen höheren Jahresbetrag (Quelle: Hohenlohe Zentralarchiv Neuenstein, La 140 Bü 17).

Nicht nur „uneigennütziger Förderer des kolonialen Gedankens“

Erstes konkretes Ziel aktiver Kolonialpolitik war für Hohenlohe-Langenburg und seine Mitstreiter das Errichten von Handelsstationen. Für die Deutsche Kolonialgesellschaft galt es zudem, die Kolonialidee in immer weitere Bevölkerungskreise zu tragen. Nach Ansicht des Historikers Hans Peter Müller, war Fürst Hermann „keineswegs nur der uneigennützige Förderer des kolonialen Gedankens“.

Einige Beteiligungen und Ämter von Fürst Hermann zu Hohenlohe-Langenburg bei kolonialen Gesellschaften und Organisationen:

– Hohenlohe-Langenburg beteiligte sich an Colins neuer Handelsgesellschaft im heutigen Guinea und gehörte deren Verwaltungsrat an.

– Für den Kolonialverein kaufte er Beteiligungen in Höhe von 50.000 Mark an der kurzlebigen Witu-Gesellschaft. In dem Ende 1887 gegründeten Unternehmen übernahm Hohenlohe-Langenburg das Amt des Verwaltungsratsvorsitzenden.

– Fürst Hermann war auch an der 1885 gegründeten „Deutschen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika“ beteiligt, die über ein Kapital von 800.000 Mark verfügte. In dieser Gesellschaft war er ebenfalls Mitglied des Verwaltungsrats. Führend beteiligt an der gut ausgestatteten Neuguinea-Kompanie war sein Verwandter Fürst Kraft zu Hohenlohe-Öhringen.

– Der Kolonialrat, ein Sachverständigenbeirat der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes, wurde 1890 gegründet. Dem Kolonialrat gehörte auch Fürst Hermann an. „Wo die Mittel des Reiches nicht ausreichten, sollte die Deutsche Kolonialgesellschaft finanziell unterstützen“, sagte Hohenlohe-Langenburg.

– 1893/94 versuchte eine von der Deutschen Kolonialgesellschaft finanziell unterstützte Expedition, getragen von einem Komitee unter der Ehrenpräsidentschaft Hohenlohe-Langenburgs, im Gebiet südlich des Tschadsees die deutschen Interessen zu untermauern.

– Für seine Verdienste um die „koloniale Sache“ wurde Fürst Hermann bereits 1893 zum Ehrenpräsidenten der Deutschen Kolonialgesellschaft ernannt. Zu dieser Zeit war er noch als aktiver Präsident der Kolonialgesellschaft im Amt (bis 1894).

– 1894 kam es zur Gründung des „Deutschen Togokomitees“ mit Ehrenpräsident Hohenlohe-Langenburg. Dem Togokomitee flossen Spendengelder von über 20.000 Mark zu.

– 1894 wurde Fürst Hermann zum Statthalter von Elsass-Lothringen ernannt. Daraufhin legte er den Posten als Präsident der „Deutschen Kolonialgesellschaft“ nieder.

„Vertrag über Kolonien und Helgoland“

Am 1. Juli 1890 schlossen Deutschland und Großbritannien einen Vertrag ab, der im Volksmund „Helgoland-Sansibar-Vertrag“ genannt wurde. Richtig hieß er aber „Vertrag über Kolonien und Helgoland“. Das Abkommen sollte Kolonialstreitigkeiten der beiden Länder beseitigen und die Grenzen der deutschen und britischen Kolonien in Afrika festlegen. Die Deutschen überließen den Engländern ihre Kolonie Wituland (im heutigen Kenia), verzichteten auf Erwerbungen in Uganda, im Betschuanaland (heute Botswana) und an der Somaliküste. Im Gegenzug erhielt das Deutsche Reich einen Zugang von Deutsch-Südwestafrika zum Fluss Sambesi, den so genannten „Caprivi-Zipfel“. Außerdem wurden die provisorischen Grenzen zwischen Deutsch-Ostafrika und den benachbarten britischen Gebieten anerkannt. In dem Vertrag wurde außerdem festgelegt, dass die seit 1807 britische Insel Helgoland an Deutschland zurückgeht. Sie wurde aber nicht gegen Sansibar eingetauscht, denn Sansibar war zu diesem Zeitpunkt ein freies Sultanat. Die Insel vor dem afrikanischen Festland war niemals eine deutsche Kolonie. Die Deutschen hatten lediglich einen schmalen Küstenstreifen am Festland gegenüber der Insel gepachtet und sich selbst als Schutzmacht Sansibars betrachtet (siehe https://www.planet-wissen.de/kultur/nordsee/helgoland/wissensfrage-100.html).

„Endgültige Formierung des deutschen Chauvinismus“

„Die wohl gravierendste Folge des Ausgleichs“ beim Helgoland-Sansibar-Abkommen, „war die endgültige Formierung des deutschen Chauvinismus. Dessen Exponenten, darunter bezeichnenderweise Carl Peters, sammelten auf Initiative Alfred Hugenbergs im September 1890 Gleichgesinnte und firmierten seit 1894 als `Alldeutscher Verband´“, meint der Historiker Hans Peter Müller. „Dieser Verband, sozusagen die Inkarnation deutschen Größenwahns, trug seither maßgeblich zur Vergiftung des politischen Lebens bei.“ Nach Ansicht der „Alldeutschen“ habe sich Deutschland beim Helgoland-Sansibar-Abkommen über den Tisch ziehen lassen und „einen Hosenknopf gegen einen neuen Anzug eingetauscht“. Die Einstellung der Alldeutschen war von einer übersteigerten Form des Nationalismus und einem aggressiven Patriotismus geprägt.

Mit „voller Energie“ der Kulturmission in Afrika widmen

Fürst Hermann war ein vom evangelischen Christentum überzeugter Mann. Im Juli 1890 hatte er als Vorsitzender an die Mitglieder der Deutschen Kolonialgesellschaft appelliert, sich mit „voller Energie“ der Kulturmission in Afrika zu widmen. Bereits 1886 hatte er die Bedeutung der Missionsgesellschaften betont und 1889 erneut für deren Unterstützung als „die eigentlichen Bahnbrecher der Kultur in unzivilisierten Ländern“ plädiert. (Hans Peter Müller in: Fürst Hermann zu Hohenlohe-Langenburg als Präsident des Deutschen Kolonialvereins und der Deutschen Kolonialgesellschaft (1882-1894), erschienen in Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte, 2011, Seiten 391-429)

Fürst Hermann amtsmüde als Kolonialfunktionär

Nach dem Ende der Bismarck-Ära 1890 wandelte sich unter Kaiser Wilhelm II. die deutsche Kolonialpolitik. Deutschland wollte seine Position als Weltmacht demonstrieren. Hohenlohe-Langenburg schien als Kolonialfunktionär zusehends amtsmüde zu werden. Sein schwindendes Interesse an seinem Präsidentenamt in der DKG war spätestens seit 1892 spürbar. Doch sein Abschied als Präsident des Lobbyverbands zog sich noch zwei Jahre hin. Im Herbst 1894 wurde er zum Statthalter im Reichsland Elsass-Lothringen berufen. Das kam ihm äußerst gelegen, um als DKG-Vorsitzender abzudanken. 

Idealbesetzung für das Präsidentenamt“ der Deutschen Kolonialgesellschaft

Der Historiker Hans Peter Müller urteilt: „Dank seines Namens und seiner Beziehungen war es Fürst Hermann gelungen, die unklaren Kolonialinteressen zu kanalisieren und sich an deren Spitze zu stellen. Als Hocharistokrat eingebunden in jenen parteiübergreifenden „ideologischen Konsensus“ (Hans-Ulrich Wehler) zur Systemstabilisierung war er, dem Geist des Kaiserreichs entsprechend, eine Idealbesetzung für das Präsidentenamt.“ Dass es ihm schließlich – mit Hilfe anderer – gelang, einen Mann wie Carl Peters einzubinden, spricht für seinen Realitätssinn. Allerdings war dafür ein politischer Preis zu bezahlen – die Annäherung der DKG an alldeutsche Ideen, die von einer übersteigerten Form des Nationalismus und einem aggressiven Patriotismus geprägt waren. Dieser Wandel wurde schließlich mit der Wahl des alldeutschen Gründungsmitglieds Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg als Nachfolger Hohenlohe-Langenburgs offensichtlich. „Fürst Hermann war zwar kein Alldeutscher, seine Nähe zu deren Denken, ist aber nicht zu bestreiten“, urteilt Müller.

Warum gibt es eine Fürst-Hermann-Straße in Langenburg?

In seiner Heimatstadt Langenburg ist Fürst Hermann eine Straße in dem 1970 erschlossenen Baugebiet „Großer Garten“ gewidmet. Auf Nachfrage konnten weder die Stadtverwaltung Langenburg noch die Fürstliche Schlossverwaltung Langenburg in ihren jeweiligen Unterlagen einen speziellen Anlass für die Straßenbenennung nach Fürst Hermann finden. Unklar sei auch, welche besonderen Verdienste er für die Kleinstadt im Nordosten des heutigen Baden-Württembergs hatte, teilten die Stadtverwaltung und die Schlossverwaltung mit. Beim Trauergottesdienst 1913 in Langenburg hatte der örtliche Dekan Ottmar Schönhuth den Fürsten Hermann „einen der tatkräftigsten Förderer der deutschen Kolonialpolitik“ genannt.

Erbprinz Ernst II. tritt in koloniale Fußstapfen seines Vaters

In Hermanns koloniale Fußstapfen ist zeitweise auch sein Sohn Erbprinz Ernst II. zu Hohenlohe-Langenburg (1863-1950) getreten. Kaiser Wilhelm II. verschaffte seinem Cousin dritten Grades, die Aussicht auf einen Posten als Staatssekretär und ernannte ihn 1905 zum Leiter der Kolonialabteilung im Auswärtigen Amt. Diese Abteilung sollte zum eigenständigen Reichskolonialamt heraufgestuft werden, was aber misslang. Wegen interner Querelen und der Widerstände im Reichstag gegen die Finanzierung der neuen Behörde nahm der Langenburger Erbprinz 1906 schon wieder seinen Hut. (Quelle: Vorwort zum Bestand „Biografie von Fürst Ernst II. zu Hohenlohe-Langenburg“ im Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein (HZAN) – verfasst im April 2005 von Thomas Kreutzer)

Völkermord an Herero und Nama in Südwestafrika

In die kurze Amtszeit von Ernst II. fiel 1905/1906 die bis dahin größte Kolonialkrise Deutschlands. Die Hereros und Nama in Deutsch-Südwestafrika hatten sich 1904 gegen ihre deutschen Unterdrücker erhoben. 1905 begann zudem der Maji-Maji-Aufstand in Deutsch-Ostafrika, der bis 1908 dauerte. An den Herero und Nama in Südwestafrika begingen die Deutschen einen grausamen Völkermord. Schätzungen zufolge starben etwa 70.000 Herero und Nama. Nach der Schlacht am Waterberg flüchteten die Herero in die Omaheke-Wüste. Der deutsche General Lothar von Trotha ließ die Wüste monatelang abriegeln und die wenigen Wasserstellen bewachen. Wer sich den Wasserstellen näherte, wurde erschossen. Zehntausende Menschen verdursteten. Etwa 80 Prozent der Herero-Bevölkerung starben bei dem Völkermord. Laut deutschen Quellen lagen die deutschen Verluste in den Kämpfen gegen die Herero bei 1282 Soldaten, die Mehrzahl von ihnen starb allerdings an Krankheiten wie Typhus und Cholera. (Quelle: https://deutsche-schutzgebiete.de/wordpress/hereroaufstand/).

Bis zu 300.000 tote Einheimische bei Kolonialkrieg in Ostafrika

Noch mehr Opfer an der einheimischen Bevölkerung forderte der Maji-Maji-Krieg in Ostafrika. Heutige Schätzungen gehen davon aus, dass etwa ein Drittel der Bevölkerung – rund 250.000 bis 300.000 Menschen – durch den Krieg und seine unmittelbaren Folgen getötet wurden, die Mehrheit von ihnen durch eine Hungerkatastrophe: Die Zerstörung der Felder und Dörfer hatte den Menschen ihre Lebensgrundlage genommen.

Korruption und Misswirtschaft in der Kolonialverwaltung

In Deutschland wurde damals der Ruf nach einer neuen Kolonialpolitik immer lauter. Vor allem die politischen Parteien Zentrum und SPD kritisierten die Kolonialpolitik der Regierung. Vorwürfe der Misshandlungen Eingeborener, Rückendeckung für die Täter durch die Kolonialabteilung, Verträge, die ohne Wettbewerbs-Ausschreibung zum Nachteil der Staatskasse ausgehandelt waren, all dies summierte sich zur Forderung nach einer „neuen“ Kolonialpolitik. Einer der schärfsten Kritiker der deutschen Kolonialpolitik war der junge katholische Zentrumsabgeordnete Matthias Erzberger aus Buttenhausen in Württemberg. Erzberger prangerte Korruption und Misswirtschaft in der Kolonialverwaltung an und machte Morde und Misshandlungen öffentlich, die an der einheimischen Bevölkerung in Afrika begangen worden waren. 

Ruhmlose Verabschiedung des Erbprinzen zu Hohenlohe-Langenburg

Ernst II. zu Hohenlohe-Langenburg war der massiven öffentlichen Kritik nicht gewachsen. Im Reichstag hatte er nicht die notwendige Rückendeckung. Die Mehrheit der Reichstagsabgeordneten konnte sich mit Ernst II. als Direktor der Kolonialverwaltung im Mai 1906 den notwendigen „Kurswechsel“ in der Kolonialpolitik nicht vorstellen. Der Reichstag ließ deshalb die Bildung eines selbstständigen Staatssekretariats für Kolonialpolitik scheitern. Im September 1906 legte Ernst II. sein Amt frustriert nieder. „Mit der ruhmlosen Verabschiedung des Erbprinzen zu Hohenlohe-Langenburg war der Tiefpunkt der kolonialen Begeisterung in Deutschland erreicht“, schreibt Sören Utermark 2012 in seiner Doktorarbeit „Schwarzer Untertan versus schwarzer Bruder – Bernhard Dernburgs Reformen in den Kolonien Deutsch-Ostafrika, Deutsch-Südwestafrika, Togo und Kamerun“.

„Wandel zum Besseren“ unter der Leitung von Bernhard Bernburg

Hohenlohe-Langenburgs Nachfolger als Direktor der Kolonialverwaltung wurde der Bankier Bernhard Dernburg. In der historischen Forschung wird dies als der „Beginn einer neuen humanen Ära deutscher Eingeborenenpolitik“ oder als „Wandel zum Besseren“ bezeichnet.

Die Weimarer Republik verachtet, den Nazis angebiedert

Nach dem Tod seines Vaters Hermann trat Ernst II. 1913 dessen Nachfolge als Fürst zu Hohenlohe-Langenburg an. In der Weimarer Republik unterstützte Ernst II. antirepublikanische Organisationen und biederte sich im Dritten Reich den Nationalsozialisten an. 1936 trat er in die NSDAP ein. Im gleichen Jahr wurde er zum Ehrenbürger von Langenburg ernannt. Noch heute gibt es in Langenburg einen Fürst-Ernst-Platz bei der ehemaligen Schule, In dem Gebäude sind heute das Langenburger Stadtarchiv und die Stadtbücherei untergebracht sind. Die Töchter von Fürst Ernst II., Prinzessin Alexandra und Prinzessin Irma waren als NS-Kreisfrauenschaftsführerin im Oberamt Gerabronn (Prinzessin Alexandra) und als Leiterin der örtlichen Frauenschaft in Langenburg (Prinzessin Irma) bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs tätig. Ernsts Sohn, Erbprinz Gottfried, ernannten die Amerikaner nach dem Krieg für einige Wochen zum Landrat des Kreises Crailsheim. Sie beriefen ihn aber sofort wieder ab, nachdem den Besatzern Gottfrieds Aktivitäten im Nationalsozialismus näher bekannt wurden.

Informationen zu frühen Kolonien:

1683 die Festung Groß Friedrichsburg im heutigen Ghana gebaut

Genaugenommen haben deutsche Herrscher schon vor 1884 Kolonien errichtet. Der brandenburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm ließ 1683 die Festung Groß Friedrichsburg im heutigen Ghana bauen. Von „Fort Groß Friedrichsburg“ aus wurde mit Gold und Sklaven gehandelt. Das Fort blieb von 1683 bis 1717 mit brandenburgischen Soldaten besetzt. 1717 verkaufte Brandenburg-Preußen Groß Friedrichsburg an die Niederländische Westindien-Kompanie. Heute gibt es dort ein Museum „Fort Gross Frederiksburg“ und ein Gästehaus.

Der eigentliche Beginn der deutschen Kolonialpolitik war im Jahr 1884. Reichskanzler Bismarck stellte mehrere Besitzungen deutscher Kaufleute unter den Schutz des Deutschen Reichs. Damit nutzte er eine Phase außenpolitischer Entspannung zum Beginn eines von ihm so bezeichneten kolonialen Experiments. Während und nach dem Ersten Weltkrieg verlor Deutschland seine Kolonien. Die deutsche Kolonialzeit dauerte 35 Jahre – von 1884 bis 1919.

Link zu dem Artikel „Kolonien deutscher Länder vor 1871“ in Wikipedia:

https://de.wikipedia.org/wiki/Kolonien_deutscher_L%C3%A4nder_vor_1871

Weitere Quellen und Literatur:

Mit Fürst Hermann zu Hohenlohe-Langenburg befasste sich der Historiker Hans Peter Müller in zwei längeren wissenschaftlichen Aufsätzen. Müller leitete viele Jahre lang das Kreisarchiv Schwäbisch Hall:

– Hans Peter Müller: „Das Königreich Württemberg und die Anfänge deutscher Kolonialpolitik (1879/80 bis 1890)“, erschienen in Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 2007, Seiten 421-456)

– Hans Peter Müller: „Fürst Hermann zu Hohenlohe-Langenburg als Präsident des Deutschen Kolonialvereins und der Deutschen Kolonialgesellschaft (1882-1894)“, erschienen in Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte, 2011, Seiten 391-429)

– Hans-Ulrich Wehler: „Bismarck und der Imperialismus“, dtv Verlag, Wissenschaftliche Reihe WR 4187, 4. Auflage, Mai 1976

– Sören Utermark: Doktorarbeit „Schwarzer Untertan versus schwarzer Bruder – Bernhard Dernburgs Reformen in den Kolonien Deutsch-Ostafrika, Deutsch-Südwestafrika, Togo und Kamerun“, Universität Kassel, 2012

– Heinrich Schnee (Hrsg.), Deutsches Kolonial-Lexikon, Verlag Quelle und Meyer, Leipzig 1920

– Der Nachlass von Fürst Hermann zu Hohenlohe-Langenburg im Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein trägt die Signaturen La 140 und La 140a.

– Der Nachlass von Fürst Ernst II. zu Hohenlohe-Langenburg im Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein trägt die Signaturen La 142.

– „Fürst Ernst II. zu Hohenlohe-Langenburg: Hitler als Geschenk Gottes für das deutsche Volk“ in Täter Helfer Trittbrettfahrer, Band 8 – NS-Belastete aus dem Norden des heutigen Baden-Württemberg, Wolfgang Proske (Herausgeber), 441 Seiten, 2018, Kugelberg Verlag, ISBN 978-3-945893-09-8

Sonderausstellung im Wintergarten des Hällisch-Fränkischen Museum Schwäbisch Hall:

Zusammen mit Herbert Kohl konzipierte der Historiker Hans Peter Müller die Sonderausstellung des Hällisch-Fränkischen Museums in Schwäbisch Hall mit dem Titel „Württemberg in Afrika: Fragmente einer deutschen Kolonialgeschichte“. Dem Fürsten Hermann zu Hohenlohe-Langenburg ist dort eine kurze Info-Tafel gewidmet. Die Ausstellung ist noch bis Sonntag, 25. September 2022, zu sehen.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 Uhr bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Begleitheft zu „Württemberg in Afrika: Fragmente einer deutschen Kolonialgeschichte“ im Hällisch-Fränkischen Museum

Zu der Schwäbisch Haller Sonderausstellung „Württemberg in Afrika: Fragmente einer deutschen Kolonialgeschichte“ im Hällisch-Fränkischen Museum ist ein Begleitheft erschienen. Das 30-seitige Heft im Format DIN A5 gibt es für 3,50 Euro im Shop des Hällisch-Fränkischen Museums. Herausgeber: Hällisch-Fränkisches Museum, Historischer Verein für Württembergisch Franken; Autoren: Hans Peter Müller, Herbert Kohl; Redaktion: Herta Beutter, Armin Panter; Layout: green design Elke Müller

Weitere Informationen und Kontakt:

Hällisch-Fränkisches Museum, Keckenhof 6, 74523 Schwäbisch Hall, Telefon 0791/751-289, Fax 0791/751-305, E-Mail hfm@schwaebischhall.de

Internet: https://www.haellisch-fraenkisches-museum.de/de/sonderausstellung/ausstellung-im-wintergarten

Wortlaut des Textes über Fürst Hermann zu Hohenlohe-Langenburg (1832-1913) im Begleitheft zur Sonderausstellung des Hällisch-Fränkischen Museums in Schwäbisch Hall „Württemberg in Afrika: Fragmente einer deutschen Kolonialgeschichte“:

Fürst Hermann zu Hohenlohe-Langenburg (1832-1913)

„Der Fürst war einer der herausragenden Vertreter der Kolonialbewegung. Nach dem Verlust seines Reichstagsmandats (1881) sah er in der Kolonialfrage sein künftiges Wirkungsfeld. Einflussreiche Persönlichkeiten unterzeichneten 1882 den Gründungsaufruf des Kolonialvereins: Die Frage der deutschen Kolonisation werde „von Tag zu Tag dringender“ und es gelte „herrenlose Gebiete“ zu kultivieren und die Förderung des Überseehandels vorzunehmen.

Der Gründungsversammlung präsentierte der Fürst die Vision des „nationalen Gedankens“ und die Hoffnung auf „praktische Resultate“. Erwartungsgemäß wurde er zum Präsidenten gewählt. 1883 zählte man 3260 Mitglieder und eine Reihe von Zweigvereinen, seit Ende 1884 erschien die Deutsche Kolonialzeitung. 1884 entstand dem Verein Konkurrenz: Carl Peters, als Gewinner Ostafrikas glorifiziert, gründete die „Gesellschaft für deutsche Kolonisation“; der Kolonialverein war ihm zu zögerlich.

Es gelang Hohenlohe jedoch, die beiden Gruppierungen zu verschmelzen (Deutsche Kolonialgesellschaft), Peters wurde für kurze Zeit Vizepräsident. Angesichts von internen Krisen zeigte sich Hohenlohe nach 1890 amtsmüde. Er bekleidete danach das Amt des Statthalters für Elsass-Lothringen.“ 

Einige Beteiligungen und Ämter von Fürst Hermann zu Hohenlohe-Langenburg bei kolonialen Gesellschaften und Organisationen:

– Hohenlohe-Langenburg beteiligte sich an Colins neuer Handelsgesellschaft im heutigen Guinea und gehörte deren Verwaltungsrat an.

– Für den Kolonialverein kaufte er Beteiligungen in Höhe von 50.000 Mark an der kurzlebigen Witu-Gesellschaft. In dem Ende 1887 gegründeten Unternehmen übernahm Hohenlohe-Langenburg das Amt des Verwaltungsratsvorsitzenden.

– Fürst Hermann war auch an der 1885 gegründeten „Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwestafrika“ beteiligt, die über ein Kapital von 800.000 Mark verfügte. In dieser Gesellschaft war er ebenfalls Mitglied des Verwaltungsrats. Führend beteiligt an der gut ausgestatteten Neuguinea-Kompanie war sein Verwandter Fürst Kraft zu Hohenlohe-Öhringen.

– 1893/94 versuchte eine von der DKG finanziell unterstützte Expedition, getragen von einem Komitee unter der Ehrenpräsidentschaft Hohenlohe-Langenburgs, im Gebiet südlich des Tschadsees die deutschen Interessen zu untermauern.

– Der Kolonialrat, ein Sachverständigenbeirat der Kolonialabteilung, wurde 1890 gegründet. Dem Kolonialrat gehörte auch Fürst Hermann an. „Wo die Mittel des Reiches nicht ausreichten, sollte die Deutsche Kolonialgesellschaft finanziell unterstützen“, sagte Hohenlohe-Langenburg.

– Für seine Verdienste um die „koloniale Sache“ wurde Fürst Hermann bereits 1893 zum Ehrenpräsidenten der Deutschen Kolonialgesellschaft ernannt.

– 1894 kam es zur Gründung des „Deutschen Togokomitees“ mit Ehrenpräsident Hohenlohe-Langenburg. Dem Togokomitee flossen Spendengelder von über 20.000 Mark zu.

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