Langenburg: Gestapo-Haft, weil er 1938 gegen Hitler stimmte

Bei Volksabstimmungen ließen sich die Nationalsozialisten ihre Politik vom Volk absegnen. Obwohl es schon seit März 1933 keine politische Konkurrenz mehr gab, versuchten die Nazis in Langenburg die Bevölkerung bei der Volksabstimmung am 10. April 1938 noch weiter einzuschüchtern. Wer mit Nein gestimmt hatte, wurde ermittelt. Der Landwirt Erich Gunzenhauser kam dafür fünf Tage lang in Gestapo-Haft nach Ellwangen.

Von Ralf Garmatter, Freier Journalist aus Kirchberg/Jagst

Erich Gunzenhauser kam in Gestapo-Haft weil er bei der Volksabstimmung 1938 gegen Adolf Hitler votiert hatte. FOTO: PRIVAT

Erich Gunzenhauser kam in Gestapo-Haft weil er bei der Volksabstimmung 1938 gegen Adolf Hitler votiert hatte. FOTO: PRIVAT

Bei dieser Volksabstimmung wenige Wochen nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich war gefragt worden, ob die Menschen mit der Politik Hitlers einverstanden seien. In Langenburg stimmten elf Personen mit Nein. Zwei davon waren das NSDAP-Parteimitglied Erich Gunzenhauser und seine Frau Paula Gunzenhauser aus Atzenrod. Wie die anderen Nein-Stimmer der Gemeinde konnte das Landwirtsehepaar Gunzenhauser durch manipulierte Stimmzettel ermittelt werden. Dies geht aus einem persönlichen Bericht von Paula Gunzenhauser und einer Dokumentation des SPD-Ortsvereins Gerabronn-Langenburg im Kapitel „Die Zerschlagung der Arbeiterbewegung in Gerabronn“ hervor.
Langenburgs Bürgermeister Heinrich Laub hatte seinem Gemeindediener den Auftrag gegeben, er solle die Stimmzettel und Kuverts nummerieren. So sollten die Wähler ermittelt werden, die mit Nein gestimmt hatten. Die elf Personen, die es wagten,  gegen die Politik Hitlers zu stimmen, meldete Bürgermeister Laub am 11. April 1938 in einem Brief an die NSDAP-Kreisleitung in Crailsheim. Für Erich Gunzenhauser als Parteimitglied hatte diese Denunziation mindestens fünf Tage Gestapohaft in Ellwangen zur Folge.
Ende April 1938 war der Landwirt im Langenburger Rathaus verhört worden. Paula Gunzenhauser berichtet: „Nachmittags wurde dann noch der Kreisbauernführer Friedrich Niklas aus Riedbach und zwei Gestapoleute aus Ellwangen herbeigeholt. Was da mein Mann alles zu hören bekam, ist nicht zu beschreiben“.
Mit einer „Einstweiligen Verfügung“ vom 2. Mai 1938 schloss NSDAP-Kreisleiter Otto Hänle das Parteimitglied Erich Gunzenhauser kurzerhand aus der NSDAP aus. Als Begründung führte Hänle unter anderem an, dass ihm Kreisbauernführer Niklas persönlich und Prinzessin Alexandra von Hohenlohe-Langenburg durch die Kreisfrauenschaftsleiterin Beck in Crailsheim mitgeteilt hätten, „Erich Gunzenhauser habe mit seiner Frau am 10. April 1938 als Parteigenosse bei der Reichstagswahl mit Nein abgestimmt“. Dies soll Gunzenhauser laut Kreisleiter Hänle bei der Vernehmung „am 25. April 1938 in Langenburg wieder zugegeben haben“.
Paula Gunzenhauser berichtet von der Vernehmung im Langenburger Rathaus (sie gibt als Termin den 24. April 1938 an): Dort seien beim Eintreffen mit ihrem Mann „bereits der Kreisleiter Hänle und ein sogenannter Kreisrichter – im Beruf Angestellter bei der Bahn“ – gewesen. Laut Paula Gunzenhauser mussten sie und ihr Mann sich haarsträubende Vorwürfe gefallen lassen: „Wenn einer einen totschlägt,  das sei lange nicht so schlimm, wie wenn man dem Führer die Treue bricht“, bekamen sie da zu hören. Nach der Vernehmung wurden „noch die ganzen Nein-Stimmer herbeigeholt, um nachzuweisen, dass Erich (Gunzenhauser) sie verleitet hat, mit nein zu stimmen, was natürlich nicht der Fall war, sonst wäre er fortgekommen und hätte Atzenrod nie wieder gesehen“, schreibt Paula Gunzenhauser in ihrem persönlichen Bericht weiter.
Für Erich Gunzenhauser hatte der Ausschluss aus der Partei wirtschaftlich und gesellschaftlich negative Folgen. Er musste „alle seine Ehrenämter niederlegen oder wurde rausgeschmissen“, wie seine Gattin berichtete. Nachdem er sich gegen die NS-Volksgemeinschaft gestellt hatte, war für Erich Gunzenhauser auch kein Platz mehr in den Gremien des örtlich zuständigen Lagerhauses, der Molkerei Gerabronn oder dem Pferdezuchtverein Gerabronn. Auch Paula Gunzenhauser litt unter der angespannten Situation. „Die ganzen Atzenroder Leute gingen mir aus dem Weg, aus Angst, wenn sie mit mir sprechen, würden sie dafür angesehen“, erzählte die damals 30 Jahre alte Bauersfrau im Rückblick.

INFO: Langenburgs Bürgermeister Heinrich Laub ist nach Angaben der Verfasser der Gerabronner SPD-Dokumentation im Kapitel „Die Zerschlagung der Arbeiterbewegung in Gerabronn“ am 1. Juni 1939 in den „Württembergischen Staatsdienst“ bei der Landesversicherungsanstalt Württemberg nach Stuttgart versetzt worden. Laut dieser SPD-Schrift ist Heinrich Laub am 30. April 1901 geboren und starb am 21. Oktober 1975 in Leonberg.

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Hall scheint in Sachen Kunst noch im Jahr 1963 zu sein

Vorzeitiges Aus für eine Ausstellung moderner Kunst in Schwäbisch Hall. Der  „moving – circles – growing – lines“ (12.09.08 – 22.11.08) wurde vom Veranstalter Kunstverein Schwäbisch Hall bereits am 10. November 2008 ein abruptes Ende gesetzt

Kommentar von Dagmar Müller, Schwäbisch Hall

„Wenn Sie Kunst sehen wollen, gehen Sie in die Johanniterhalle!“ Mit diesen ruppigen Worten wurde der letzte Besucher der Ausstellung „moving – circles – growing – lines“ der Künstlergruppen Kasseler Schule und dem 1. kasseler avantgardestammtisch von einer Mitarbeiterin des Schwäbisch Haller Kunstvereins aus der Galerie am Markt hinausgeworfen. Der so Belehrte war im Vorbeigehen auf die Ausstellung aufmerksam geworden und zwei der mit dem Abbau beschäftigten Künstler hatten ihn zur Besichtigung eingeladen.

Der „Skandal“

Was zog denn nun diesen letzten Besucher von der Straße in diese Räumlichkeiten? Der schon nach draußen strömende schlechte Geruch, die angeblich durchs Fenster ersichtlichen Hakenkreuzschmierereien oder etwa gar Pornographie? Dies waren nämlich laut Wolfgang Schwarzkopf, damaliger erster Vorsitzender des Haller Kunstvereins, unter anderem die Gründe, die Ausstellung elf Tage vor dem geplanten Ende zu schließen.“Es war so schlecht, primitiv und pubertär,“ klagte Kurator Michael Klenk, in einem Artikel des Haller Tagblatts. Nun handelte es sich bei „moving – circles – growing – lines“ zudem um eine Ausstellung, deren Konzept unter anderem die Veränderung war. Und da die eingetretenen Veränderungen wohl nicht in die Vorstellungswelt des Vorstandes des Kunstvereins passten, wurde halt dicht gemacht, ohne vorher ein Gespräch mit den Künstlern zu führen. Dazu genügte der Anrufbeantworter. Und für die unmündigen, vor sittlicher und moralischer Verwahrlosung zu bewahrenden Haller Bürger genügte ein HT-Bericht, dass nun zu ist. An die Tür hängte man ein Schild, dass wegen Umbau geschlossen sei. Warum nicht gleich ein Gefahrenstoffsymbol?

Wer sich jetzt noch eine eigene Meinung bilden wollte, konnte nur noch auf das Internet zurückgreifen. Bloß, worin der Skandal bestehen sollte, wird da auch nicht ganz klar. Mit Hakenkreuzschmierereien ist wohl unter anderem eine Gemeinschaftsarbeit der Künstler Scherl, Shin und Schilling gemeint. Wollte man den Malern etwa mit diesem, sich in einem rechten braunen Sumpfeck versinkenden gelbblaugrünen Nazisymbol rechtsradikale Tendenzen unterstellen? Und die als pornographisch bezeichneten sozialkritischen Collagen, deren eigentliche Themen Politik und Machtmissbrauch sind, werden auch niemand in ungeahnte Erregungszustände versetzt haben, trotz nackter Körperteile. Da sei doch mal dem Vorstand des Kunstvereins der Konsum einschlägiger Magazine, Filme und Internetseiten empfohlen, um den Begriff Pornographie adäquat herauszuarbeiten.

Schwäbisch Hall ist nicht Kassel

Der 1. kasseler avantgardestammtisch ist wahrscheinlich davon ausgegangen, dass dieses schon geschehen sei und heutzutage auch klar ist, dass Hakenkreuzdarstellungen in der Kunst nicht auf ein faschistisches Weltbild schließen lassen, sondern zuweilen eher auf das Gegenteil. Durch das von der Gruppe gestaltete Rahmenprogramms zum 1.internationalen punk!kongreß in Kassel 2004 fühlte sich niemand provoziert. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtete seinerzeit folgendes:“Niemand stört sich an den Hakenkreuzen im Schaufenster. Kein Aufruhr wegen der Pornohefte hinter der Scheibe. Nicht einmal der Schriftzug “Wir sind doch Nazis!” ruft die Polizei auf den Plan, obwohl deren Hauptwache gleich um die Ecke liegt. “Wahrscheinlich merkt einfach jeder sofort, dass hier Kunst passiert”, seufzt einer der jungen Künstler, die in der “galerie loyal” am Kasseler Hauptbahnhof ihr Alternativprogramm zum punk!kongreß” veranstalten und bei Flaschenbier und Musik Heftchen mit Namen wie Sex Express zerschnipseln. Kein Weltuntergang in Kassel.

Da in Kassel nun anscheinend eine andere Kunstauffassung herrscht als in Teilen von Schwäbisch Hall, wollte die Autorin dieses Artikels wissen, wo denn hier noch Kunst passiert.

Baselitz TOP ??

Ihr Erfahrungsbericht: Zuerst besuchte ich Baselitz TOP in der Kunsthalle Würth. Denn die beanstandete Hakenkreuzdarstellung von Schilling, Shin und Scherl ist quasi ein Remix der Remixbilder von Baselitz, der mit den betreffenden Bildern eine Kritik an den Mondrian’schen Vorstellungen der „Reinheit“ in der Kunst vollzieht. Was da zu sehen ist, wäre aber beim Kunstverein nie und nimmer durchgegangen! Überall hat der Meister die bei Mondrian noch versteckten Swastikazeichen herausgearbeitet. Im Gemälde „Kubistische Gasmaske“ wieder rechts unten ganz deutlich, wenn auch klein, das unselige Symbol! Und dann „Die große Nacht von damals“: Das Männlein hat ein Hitlerbärtchen und zeigt uns hier sein Geschlechtsteil! Da hat der Herr Würth aber unaufmerksames Personal. Da gehört doch zumindest ein Tüchlein darüber gehängt! Oder vielleicht ein paar Stellen retuschiert. In der Galerie am Markt ist das anders. Da wurde bei „moving – circles – growing – lines“ auch mal ein Bild umgedreht oder ein unzüchtiges PinUp- Girl abgehängt. Wohlgemerkt nicht von den Künstlern, sondern von der Geschäftsstellenleiterin (Sekretärin). Und außerdem ist doch „Die große Nacht von damals“ der Remix von „Die große Nacht im Eimer“, das zusammen mit „Der nackte Mann“ 1963 wegen Unsittlichkeit in Baselitz` erster Einzelausstellung beschlagnahmt wurde. Gibt es in Schwäbisch Hall verschiedene Zeitzonen? In der Langen Strasse ist 2009 und Am Markt noch 1963?

Vielleicht ließen sich ja die verschiedenen Zeitzonen besser überbrücken, wenn der Kunstverein seinem in der Satzung festgeschriebenen Vereinszweck besser nachkäme: Den Schwerpunkt seiner Tätigkeit sieht der Verein in der Vermittlung der bildenden Kunst der Gegenwart. Aber wenigstens hat es in der Kunsthalle nicht gestunken. Zum Schluss noch die „Alten Meister“

Jetzt war mir klar, warum dem von mir oben genannten letzten Besucher die Alten Meister in der Johanniterhalle so ans Herz gelegt wurden. Die Darstellungen sind einfach zu alt fürs Dritte Reich und Schweinereien gibt’s bei sakraler Kunst auch nicht oder wenn, dann nur versteckt, sublimiert und „verfeinert“, so wie sich’s gehört . Hier ist oder war die Kunstwelt also noch in Ordnung? Sind wir so tief im christlichen Kontext seit Kindesbeinen verwurzelt, dass wir die ganzen Kreuzigungsszenen und von Speeren durchbohrten Märtyrerkörper gar nicht mehr als Gewalt wahrnehmen? Und konnte zu dieser Zeit jede/r darstellen, was er oder sie wollte und wie er oder sie das wollte? Naja, sie war wahrscheinlich höchstens das Modell und er der Meister, aber auch nur im Rahmen der vorgegebenen kirchlichen und feudalen Weltordnung. Also andere sagen, was gemalt, gemeißelt oder geschnitzt wird. Es wäre doch schön, wenn der Kunstverein sich nicht an den „Alten“ und „Großen“ orientieren würde. Die hat doch sowieso schon Würth. Kleine und feine Kontrapunkte setzen und nicht gleich die Nase rümpfen, wenns mal angeblich riecht….

INFO: Wer noch einen Blick auf „moving – circles – growing – lines“ werfen will, wird im Internet auf den Seiten www.avantgardestammtisch.blogspot.com oder www.kasseler-schule.de und www.avantgardestammtisch.de fündig.

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Editorial „Auf ein Wort lieber Leser“

Liebe Leserinnen und Leser der Internetzeitung Hohenlohe-ungefiltert,
erstmals können Sie für die Region Hohenlohe eine kritische Zeitung für Politik, Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft und Sport ausschließlich im Internet lesen. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht hat, kritisch über Dinge zu berichten, die sich in dem Raum zwischen Unterdeufstetten, Crailsheim, Creglingen, Bad Mergentheim, Künzelsau, Dörzbach, Öhringen, Mainhardt, Schwäbisch Hall und Gaildorf ereignen.
Weil wir mit der unkritischen Berichterstattung der lokalen Medien unzufrieden waren und sind, haben wir mit Hohenlohe-ungefiltert einen Verein gegründet, der diesen Missstand künftig lindern will. Unser Motto lautet: Harte Fakten, statt weich gespülter Worte. Wir wollen Dinge in den Mittelpunkt unserer Berichte, Reportagen und Kommentare rücken, die die Menschen in der Region wissen sollten, um sich ein Bild vom politischen Geschehen in der Region machen zu können. Dabei handelt es sich nicht selten um Dinge, die andere möglichst verheimlichen wollen. Unser Ziel ist es, aufzuklären. Wir wollen Dinge beim Namen nennen und bewusst heiße Eisen anpacken.
Unsere Demokratie lebt von der Transparenz. Diese wollen wir in Politik, Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft und auch im Sportgeschehen in der Region herstellen. Dabei können auch Sie mithelfen. Wenn Sie von Dingen erfahren, die nicht so laufen, wie sie laufen sollten, sagen Sie es uns per Telefon, E-Mail oder per Post. Wir übernehmen dann die Recherche. Eine andere Möglichkeit, wie Sie sich einbringen können: Sie schreiben selbst einen Artikel. Die Fakten überprüfen wir vor der Veröffentlichung.

Bei unseren Autoren wollen wir größtmögliche Transparenz haben. Bei jedem Autor eines Artikels oder eines Beitrags wollen wir dem Leser mitteilen, wenn der Berichterstatter bei diesem Thema selbst beruflich oder privat selbst betroffen ist. Wir wollen vermeiden, dass bei uns ein ähnlicher Missstand wie bei manchen Lokalzeitungen der Region eintritt, wo es Journalisten gibt, die in der Zeitung über den eigenen Verein berichten, in dem sie selbst eine Führungsfunktion innehaben, oder über eine Firma schreiben, in der sie selbst in einem Entscheidungsgremium sitzen.

Eine regelmäßige Rubrik bei Hohenlohe-ungefiltert ist deshalb der Lokalmedienblog. Darin nehmen wir Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk und Fernsehen unter die Lupe, die sich in ihrer Berichterstattung mit unserer Region befassen. Wir wollen auch hinter die Kulissen blicken und Zusammenhänge zwischen Berichterstattung und den  Autoren beleuchten. Es ist in einer Lokalzeitung der Region schon vorgekommen, dass beispielsweise der Kämmerer einer Gemeinde mit neutraler Autorenzeile über den eigenen Haushalt der Kommune schreiben durfte. Den Lesern aber wurde dieser Zusammenhang vorenthalten. Das halten wir für untragbar und wollen es besser machen.

Wenn Sie Hohenlohe-ungefiltert unterstützen möchten, wenden Sie sich an die drei Mitglieder des Vorstands: Axel Wiczorke (Kirchberg an der Jagst), Hermann-Julius Bischoff (Schwäbisch Hall) oder Ralf Garmatter (Kirchberg an der Jagst).

Wir wünschen Ihnen nun viel Spaß beim Lesen, Hören und Schauen auf unserer Internetseite Hohenlohe-ungefiltert. Es lohnt sich, jeden Tag hier vorbei zu schauen.

Mit freundlichen Grüßen

Ralf Garmatter, Redaktionsleiter

Journalistische Grundsätze von Hohenlohe-ungefiltert

Nicht alle, die bei Hohenlohe-ungefiltert mitarbeiten, sind gelernte Journalisten. Trotzdem versuchen wir uns einen möglichst hohen Anspruch aufzuerlegen. Auch wenn es in der Praxis nicht immer in allen Details klappen wird, wollen wir uns an folgende journalistische Grundsätze, die in großen Teilen dem Verhaltenskodex des journalistischen Netzwerk Recherche entsprechen:

1. Journalisten berichten unabhängig, sorgfältig, umfassend und wahrhaftig.
Sie achten die Menschenwürde und Persönlichkeitsrechte.
2. Journalisten recherchieren, gewichten und veröffentlichen nach dem
Grundsatz „Sicherheit vor Schnelligkeit“.
3. Journalisten garantieren uneingeschränkten Informantenschutz als
Voraussetzung für eine seriöse Berichterstattung.
4. Journalisten garantieren handwerklich saubere und ausführliche Recherche
aller zur Verfügung stehenden Quellen.
5. Journalisten verzichten auf jegliche Vorteilsnahme und Vergünstigung.
6. Journalisten unterscheiden erkennbar zwischen Fakten und Meinungen.
7. Journalisten verpflichten sich zur sorgfältigen Kontrolle ihrer Arbeit und,
wenn nötig, umgehend zur Korrektur.
8. Journalisten ermöglichen und nutzen Fortbildung zur Qualitätsverbesserung
ihrer Arbeit.
9. Journalisten erwarten bei der Umsetzung dieses Leitbildes die Unterstützung
der in den Medienunternehmen Verantwortlichen. Wichtige Funktionen haben
dabei Redaktions- und Beschwerdeausschüsse sowie Ombudsstellen und eine
kritische Medienberichterstattung.
10. Wir berichten vor allem über konkrete Ereignisse, Themen und Personen aus der Region Hohenlohe. Insbesondere ist es uns ein Anliegen, über Themen zu berichten, die in den herkömmlichen Medien gar nicht vorkommen oder unkritisch und beschönigend dargestellt werden.
11. Ein kritischer Blickwinkel ist uns besonders wichtig. Wir wollen nichts verschweigen, sondern dazu beitragen, dass Dinge umfassend beleuchtet werden.
12. Wir machen keine Hofberichtserstattung.
13. Wir sind inhaltlich keiner politischen Richtung verpflichtet.
14. Wir sind keinem Sponsor, Spender oder Anzeigenkunden gegenüber verpflichtet.
15. Unsere wichtigste Aufgabe ist ein fairer und kritischer Umgang mit den handelnden Menschen im politischen, kulturellen, wirtschaftlichen und sportlichen Bereich.

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Steuergelder für Klimakiller Palmöl – Stadtwerke Hall am Pranger

Die Stadtwerke Schwäbisch Hall fördern die Urwaldzerstörung. Seit  1. Januar 2009 gibt es doch wieder Steuergelder für den Klimakiller Palmöl.

Kommentar von Manfred Scherrmann, Schwäbisch Hall

Der Bedarf an Energie, weltweit betrachtet, steigt. Fossile Brennstoffe wie Erdöl und Erdgas werden zunehmend knapper. Immer mehr Treibhausgase gelangen in die Atmosphäre und verändern das Klima rund um unseren Globus. Zur Lösung der damit in Zusammenhang stehenden Probleme könnten – so wurde und wird behauptet – Agrotreibstoffe einen wichtigen Beitrag leisten. Obwohl die Klimabilanzen bei Agrotreibstoffen nicht günstig sind, werden diese im Vergleich zu den fossilen Brennstoffen als bessere Alternative dargestellt. Sowohl in der EU als auch in den USA wird voll auf eine Ausweitung des Anteils „Bioenergie“ gesetzt, vor allem durch die Einführung von gesetzlich vorgegebenen Beimischungsquoten für Benzin und Diesel.

Diese Politik führt weg von dem angestrebten Klimaziel einer CO2-Reduktion, denn sie verursacht in den Tropen in großem Umfang weitere Zerstörungen von Regenwäldern und Torfwäldern. Durch die Brandrodung großer Flächen war Indonesien im Jahr 2007 schon der drittgrößte Produzent von CO2-Gasen weltweit, und Brasilien lag an vierter Stelle. Sie hat darüber hinaus vielerlei weitere negative Folgen. Mit der Zerstörung der Wälder verschwindet unter anderem die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen, die in den Wäldern leben. Das schon jetzt bestehende Ausmaß an Entwaldung lässt sich durch viele Beispiele belegen, beispielsweise ganz einfach mit Hilfe von Weltraumaufnahmen. In den nächsten Jahren sollen noch zusätzlich riesige Flächen gerodet werden. In der Region der immergrünen Regenwälder mit ihrem warmen und feuchten Klima kann mit dem Anbau verschiedener Energiepflanzen mehr Energie pro Flächeneinheit erzeugt werden als in der gemäßigten Klimazone, in der wir leben. Daher soll der größte Teil der auf Grund der politischen Entscheidungen in Brüssel und in den USA in Zukunft benötigten gigantischen Mengen an Agrotreibstoffen in den Tropen produziert werden, allen voran Ethanol aus Zuckerrohr in Brasilien und Palmöl aus Indonesien.

Solange die Gesetzgebung den Trend durch entsprechende Regelungen fördert, sind Zerstörung und Ausbeutung vorprogrammiert. Als vermeintlichen Ausweg aus diesem Dilemma wird behauptet, mit einem Zwang zu Zertifikaten könnten diese negativen Folgen vermieden werden. Doch leider taugen Zertifikate nicht dazu, Zerstörung und Ausbeutung zu verhindern oder wenigstens einzudämmen. Über die Möglichkeiten, die negativen Folgen dieser Politik für Natur und Menschheit zu verhindern, werden viele falsche Behauptungen aufgestellt. Es läuft eine riesige Propagandamaschinerie – kein Wunder, denn für die Banken, für viele Energiekonzerne und Energielieferanten geht es um gigantische Summen. Sie geben daher auch viel Geld aus, um Einfluss zu nehmen auf Politik und öffentliche Meinung.

Im Zusammenhang mit der Verabschiedung der Neufassung des Gesetzes für Erneuerbare Energien EEG hat Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) am 6. Juni 2008 vor dem Bundestag folgendes mitgeteilt: „Auch wird der Einsatz von Palm- und Sojaöl im EEG auf absehbare Zeit ab dem 1.1.2009 nicht mehr gefördert. Damit verhindern wir, dass Regenwälder für diese Zwecke gerodet werden. Erst wenn auf europäischer Ebene verbindliche Kriterien für den nachhaltigen Anbau und die Nutzung der Biomasse festgelegt und deren Einhaltung auch überprüft wird, werden wir den Einsatz von Soja- und Palmöl wieder vergüten.“

Als der 1. Januar 2009 näher rückte, drohte der Geschäftsführer der Stadtwerke Schwäbisch Hall, van Bergen, der Bundeskanzlerin: „Wenn die Subventionen nicht weiter gezahlt würden, dann würde das eine ganze Branche in die Insolvenz treiben.“ Gemeint sind zirka 60 Firmen, die van Bergen als Geschäftsführer der German Bio Energy vertritt und die mit Blockheizkraftwerken Strom und Wärme überwiegend aus Palmöl produzieren. Da, gemessen an den enormen weltweiten Preisschwankungen beim Palmöl, die Subventionen nur einen geringeren Prozentsatz bei der Kalkulation ausmachen, ist diese Behauptung von van Bergen schlicht falsch. Doch er ist sich nicht zu schade, so Druck auf die Kanzlerin und den Umweltminister zu machen.

Seit Dezember 2008 sind die Aussagen von Minister Gabriel Makulatur. Er und die Regierungsparteien haben für 2009 beschlossen, den NawaRoBonus – das sind Subventionen an die Betreiber von Blockheizkraftwerken, die Palmöl verbrennen – wie bisher weiter zu zahlen. So werden weiterhin alle Stromkunden in Deutschland gezwungen, durch die zwangsweise Sonderabgabe für erneuerbare Energien die Zerstörung von Urwäldern und von Torfwäldern mitzufinanzieren. Die Einführung eines Zertifizierungssystems in der EU im Laufe des Jahres 2009 soll weitere Zerstörungen verhindern. Dazu folgende Anmerkungen:

Ein Zertifizierungssystem zu kreieren, das sein Papier wert ist, wie soll das möglich sein mit Ländern, deren Regierungen auf Grund kurzfristiger Geldinteressen riesige Ländereien verkaufen, ohne Rücksicht auf die Bewohner und die Natur? Mit Ländern wie Brasilien, Kolumbien und Indonesien, wo Rechtsstaatlichkeit so wenig existiert, dass staatliche Versprechen, wie das Stoppen der Regenwaldzerstörung, völlig wertlos sind? Und mit Ländern, in denen wirtschaftliche Interessen oft mit Gewalt und Korruption durchgesetzt werden?

Darüber hinaus fördert der Beimischungszwang von Agrosprit zum Diesel und zum Benzin weiter in großem Stil die Zerstörung ganzer Naturräume, denn die Produktion von Ethanol aus Zuckerrohr, Soja und Mais sowie die Produktion von Pflanzenölen unter anderem aus Ölpalmen und Jatropha bringt Geld, viel Geld, mehr als die Produktion von Nahrungsmitteln. In vielen Ländern tobt daher ein Agroenergierausch, zum Beispiel bei den Zuckerbaronen in Brasilien und bei den Aktionären zahlreicher Konzerne, die Agrosprit produzieren und vermarkten. Das aktuelle Tempo der Zerstörung ist gigantisch. Schon heute gibt es in vielen tropischen Ländern auf der einen Seite sehr wenige Gewinner und auf der anderen Seite viele Verlierer. Durch unsere Gesetzgebung finanzieren wir zwangsweise diese Entwicklung mit, durch Stromverbrauch und Autofahren. Urwaldzerstörung beginnt somit an der Zapfsäule und an der Steckdose.

Kapitalinteressen dominieren die Umweltpolitik, die Beispiele dazu häufen sich. Und daran wird sich in absehbarer Zeit wohl kaum etwas ändern. Eine glaubwürdige Umweltpolitik sieht anders aus. Die Stadtwerke Schwäbisch Hall und ihr Geschäftsführer van Bergen können sich ihr grünes Mäntelchen abschminken, es hat inzwischen unübersehbare große Löcher bekommen. Schade, bevor sie in den Agro-Energie-Markt eingestiegen sind, war ihre Geschäftspolitik rundum überzeugend und unterstützenswert. Dadurch haben sie als Geschäftspartner Greenpeace Energy, Naturstrom und die Elektrizitätswerke Schönau gewonnen, mit immerhin mehr als 60 Arbeitsplätzen in Schwäbisch Hall. Nun sind genau diese drei Ökostromlieferanten angefragt: Werden sie zulassen, dass die Stadtwerke nur noch mit einem Bein für den Umweltschutz stehen und mit dem anderen Bein zumindest indirekt Regenwaldzerstörungen fördern? Werden nicht die Kunden dieser drei Ökostromanbieter, die ja bei ihnen Strom beziehen, weil sie für den Umwelt- und Klimaschutz eintreten, dagegen Sturm laufen, wenn das bekannt wird? Die Stadtwerke Schwäbisch Hall erwirtschaften durch diese Dienstleistungen pro Jahr immerhin einen Gewinn von etwa 2,5 Millionen Euro. Das ist Grund genug, dass diese drei Ökostromanbieter gegenüber German Bio Energy und die Stadtwerke Schwäbisch Hall aktiv werden und ihren Geschäftspartner zwingen, zerstörerische Geschäftspraktiken wie den Einkauf von Palmöl zu beenden.

INFO: Wie die Stadtwerke Schwäbisch Hall seit 2007 bei der Ausbeutung von Natur und Menschen beteiligt sind und wie Greenpeace Energy damit umgeht, wird dokumentiert auf den Webseiten  www.info-palmoel.de . Auf diesen Seiten sind weitere Informationen zu den Themen Palmöl, Agrosprit und anderem zu finden.

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Brasilien: Indios wollen mitbestimmen

Rund 1200 südamerikanische Índios verteidigten auf dem Weltsozialforum (WSF) in Belém do Pará, vom 27. Januar  bis zum 1. Februar 2009 ihr Recht bei der Nutzung ihrer Reservate mitzubestimmen, berichtet die ökumenische Nachrichtenagentur ALC.

Von Silvio Meincke, attac-Gruppe Schwäbisch Hall

Die Índios erinnern daran, dass die Verteidigung ihrer Länder der gesamten Menschheit zu Gute kommt, weil sie die Umwelt schützen. Es ist Pflicht nicht nur der Índios, sondern jedes Menschen auf Erden, sich für Flüsse und Wälder einzusetzen, fordert der Häuptling Natanael Karajá. Nach ihrem Treffen zur Verteidigung ihrer Kultur und ihrer Reservate veranstalten die am WSF teilnehmenden Índios ein Ritual am Guamá-Fluss, um die Geister der Gewässer anzurufen.
Beim WSF wurde ein Heft herausgegeben, das 500 Dörfer in Brasilien, Argentinien und Paraguay aufzählt, in denen rund 100.000 Menschen um die Vermessung ihrer Länder kämpfen. Die Aggression, so zeigt es das Heft, geschieht hauptsächlich durch die Ausweitung der Monokultur von Soja, Zuckerrohr, Pinuswälder und Rinderzucht.
Die Forschung und die Herausgabe des Heftes werden unter anderen von Brot für die Welt, UNICEF, Survival International und die norwegische Botschaft unterstützt.

Erklärung der Versammlung der sozialen Bewegungen anlässlich des Weltsozialforums 2009 in Belem (Brasilien) mit der Überschrift „Wir zahlen nicht für die Krise. Die Reichen müssen zahlen!“ im Wortlaut:

Wir, die sozialen Bewegungen aus aller Welt, sind anlässlich des 8. Weltsozialforums in
Belem im Bundesstaat Amazonien, in dem die Völker sich dem Versuch der Usurpation
der Natur, ihrer Ländereien und ihrer Kulturen widersetzt haben, zusammengekommen.
Wir befinden uns in Lateinamerika, wo sich die sozialen und indigenen Bewegungen im
Laufe des vergangenen Jahrzehnts zusammengeschlossen und das kapitalistische System
aus ihrer „Kosmovision“ heraus radikal in Frage gestellt haben.
In den letzten Jahren haben äußerst radikale soziale Auseinandersetzungen in Latein –
amerika zum Sturz neoliberaler Regierungen und zur Machtübernahme von Regierungen
geführt, die viele positive Reformen durchgeführt haben, beispielsweise die Verstaat-
lichung der wichtigsten Wirtschaftssektoren und demokratische Verfassungsreformen.
In diesem Zusammenhang haben die sozialen Bewegungen in Lateinamerika in ange –
messener Weise reagiert und beschlossen, die von diesen Regierungen verabschiedeten
positiven Maßnahmen zu unterstützen und eine kritische Distanz zu wahren. Diese
Erfahrungen werden dazu beitragen, den entschlossenen Widerstand der Völker gegen die
Politik der Regierungen, Unternehmen und Banken, die die Last der Krise den
Unterdrückten aufbürden, zu stärken. Wir, die sozialen Bewegungen der Welt, stehen
zurzeit vor einer historischen Herausforderung.
Die internationale Krise des Kapitalismus schadet der Menschheit auf verschiedene
Weise: Sie wirkt sich auf die Bereiche Ernährung, Finanzen, Wirtschaft, Klima, Energie,
Bevölkerungsbewegungen und die Zivilisation an sich aus, da auch die internationale
Ordnung und die politischen Strukturen eine Krise durchlaufen.
Wir sehen uns einer globalen Krise gegenüber, die unmittelbare Folge des kapitalistischen
Systems ist und deshalb nicht aus dem System selbst heraus gelöst werden kann. Alle
bisher zur Bewältigung der Krise getroffenen Maßnahmen zielen lediglich auf die
Vergesellschaftung der Verluste ab, um das Überleben eines Systems zu sichern, das auf
der Privatisierung strategischer Wirtschaftssektoren, öffentlicher Dienstleistungen,
natürlicher Ressourcen und Energieressourcen, die Vereinheitlichung des Produkt-
angebots und somit des Lebens („Kommoditisierung“) und Ausbeutung der Arbeitskraft
und der Natur sowie der Übertragung von Ressourcen von der Peripherie ins Zentrum und
von den Arbeitern zur kapitalistischen Klasse beruht.
Das gegenwärtige System beruht auf Ausbeutung, Wettbewerb, Förderung privater
Einzelinteressen zum Schaden des Gemeinwohls und der fieberhaften Anhäufung von
Reichtümern durch eine Handvoll reicher Menschen. Es führt zu blutigen Kriegen, heizt
Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und religiösen Fundamentalismus an und verschärft
die Ausbeutung von Frauen und Kriminalisierung von sozialen Bewegungen. Im
Zusammenhang mit der derzeitigen Krise werden den Menschen systematisch Rechte
vorenthalten.

Die wilde Aggression der israelischen Regierung gegen das palästinensische
Volk ist ein Verstoß gegen das Völkerrecht und läuft auf ein Kriegsverbrechen und ein
Verbrechen gegen die Menschlichkeit hinaus und symbolisiert die Vorenthaltung von
Rechten gegenüber einem Volk, was auch in anderen Teilen der Welt zu beobachten ist.
Die schändliche Straflosigkeit muss gestoppt werden. Die sozialen Bewegungen
bekräftigen ihre aktive Unterstützung für den Kampf des palästinensischen Volkes sowie
für alle Maßnahmen, die sich gegen die Unterdrückung von Völkern weltweit richten.
Um die Krise zu überwinden, müssen wir das Problem an der Wurzel anpacken und
schnellstmöglich Fortschritte im Hinblick auf den Aufbau einer radikalen Alternative
erzielen, die das kapitalistische System und die patriarchalische Herrschaft beseitigen
würde. Wir müssen auf eine Gesellschaft hinarbeiten, die sozialen Bedürfnissen Rechnung
trägt und die Rechte der Natur achtet sowie die demokratische Teilhabe im Zusammen-
hang mit voller politischer Freiheit unterstützt. Wir müssen dafür sorgen, dass alle
internationalen Verträge über unsere unteilbaren bürgerlichen, politischen, wirtschaft-
lichen, sozialen und kulturellen individuellen und kollektiven Rechte umgesetzt werden.
I n dieser Hinsicht müssen wir einen Beitrag zu einer möglichst großen Mobilisierung der
Völker leisten, um mehrere dringende Maßnahmen durchzusetzen, beispielsweise entschädigungslose Verstaatlichung des Bankensektors unter voller gesellschaftlicher Kontrolle; Reduzierung der Arbeitszeit ohne Lohneinbußen; Einleitung von Maßnahmen zur Sicherung der Nahrungsmittel – und Energiesouveränität; Beendigung von Kriegen, Rückzug von Besatzungstruppen und Abbau von
Militärstützpunkten im Ausland; Anerkennung der Souveränität und Autonomie der Völker unter Gewährleistung ihres Selbstbestimmungsrechts; Garantie des Rechts auf Land, Landgebiete, Arbeit, Bildung und Gesundheit für alle; Demokratisierung des Zugangs zu Kommunikationsmitteln und Wissen.
Der von den feministischen, ökologischen und sozialistischen Bewegungen im 21. Jahr-
hundert getragene soziale Emanzipationsprozess zielt auf die Befreiung der Gesellschaft
von der kapitalistischen Herrschaft der Produktions- und Kommunikationsmittel und
Dienstleistungen ab, was durch die Unterstützung bestimmter Formen der Eigenverant –
wortung erzielt wird, die dem gesellschaftlichen Interesse dienen: kleiner Familienbesitz
und öffentliches, gemeinschaftliches, kommunales und kollektives Eigentum.
Diese Alternative ist zwangsläufig feministisch, da es nicht möglicht ist, eine Gesellschaft
aufzubauen, die auf sozialer Gerechtigkeit und Gleichberechtigung beruht, wenn die
Hälfte der Menschheit unterdrückt und ausgebeutet wird.
Schließlich verpflichten wir uns zur Unterstützung des Aufbaus einer Gesellschaft auf der
Grundlage eines Lebens im Einklang mit sich selbst, den anderen und der Umgebung („el
buen vivir“) durch Anerkennung der aktiven Teilhabe und des Beitrags der indigenen
Völker.
Wir, die sozialen Bewegungen, haben die einmalige Chance in der Geschichte, emanzi-
patorische Initiativen auf globaler Ebene zu entwickeln. Nur durch den sozialen Kampf
der Massen können die Völker die Krise bewältigen. Um diesen Kampf zu unterstützen,
ist es wichtig, das Bewusstsein zu schärfen und die Mobilisierung von unten zu stärken.
Die Herausforderung für die sozialen Bewegungen besteht darin, die globale Mobilisie-
rung zu bündeln. Darüber hinaus müssen wir unsere Handlungsfähigkeit stärken, indem
wir die Bündelung aller Bewegungen unterstützen, die versuchen, Unterdrückung und
Ausbeutung zu widerstehen.

Folglich verpflichten wir uns, vom 28. März bis 4. April 2009 eine Globale Aktionswoche gegen Kapitalismus und
Krieg mit folgenden Schwerpunkten durchzuführen: Anti- G20-Mobilisierung am
28. März, Mobilisierung gegen Krieg und Krise am 30. März, Tag der Solidarität mit
dem palästinensischen Volk zur Unterstützung des Boykotts und des Rückzugs von
Investitionen sowie von Sanktionen gegen Israel am 30. März, Mobilisierung
anlässlich des 60. Jahrestags der Gründung der NATO am 4. April usw.; Erhöhung der Zahl der Anlässe für die Mobilisierung im Laufe des Jahres: Internationaler Frauentag (8. März), Internationaler Tag der Nahrungsmittel-
souveränität (17. April), Internationaler Tag der Arbeit (1. Mai), Globale Mobilisierung des Kampfes für Mutter Erde gegen die Kolonialisierung und Vermarktung des Lebens (12. Oktober).

Planung einer Agenda des Widerstands gegen den G8-Gipfel in Sardinien, den
Klimagipfel in Kopenhagen, den Amerika-Gipfel in Trinidad und Tobago usw.
Durch diese Forderungen und Initiativen reagieren wir mit radikalen und emanzipato-
rischen Lösungen auf die Krise.

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Mit dem Schienenbus von Dinkelsbühl nach Dombühl

Eine Fahrt mit dem Schienenbus VT 98 der BayernBahn: von Dombühl nach Dinkelsbühl und zurück. Für HD-Version zweimal auf das Fenster klicken und auf Youtube dann watch in HD anklicken.

Von Axel Wiczorke – Aufgenommen am 6.12.2008

SilberstreiFilm

Mehr Infos hierzu unter:

http://www.woernitz-franken.de

http://www.bayerisches-eisenbahnmuseum.de

http://de.wikipedia.org/wiki/Uerdinger_Schienenbus

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Aktuelle Termine

Veranstaltungshinweise in der Region:

Kino Klappe Kirchberg am Donnerstag, 12. März 2009, 20 Uhr: Knete, Mäuse und Moneten – Finanzabend von Bündnis90/DIE GRÜNEN und der UGL Kirchberg mit Dr. Gerhard Schick MdB (Bündnis 90/Die Grünen) und dem ehemaligen Chef der Raiffeisenbank in Gammesfeld, Fritz Vogt, zum Film „Let’s make money“ von Erwin Wagenhofer („We feed the world“). Nach dem Film „Let’s make money“ und der Vorstellung des GRÜNEN New Deal durch Gerhard Schick, werden die beiden über die Finanzkrise diskutieren und für Fragen bereitstehen. Es moderiert Harald Ebner, Kreisvorsitzender und Bundestagskandidat von Bündnis90/DIE GRÜNEN im Wahlkreis Schwäbisch Hall-Hohenlohe. Reservierung wird vom Veranstalter dringend empfohlen, Telefon. 07954/925566.

Die IG Metall Schwäbisch Hall weist auf eine öffentliche Veranstaltung zum Thema „Wir zahlen nicht für eure Krise“ hin, die von der Gewerkschaft ver.di (Bezirk Heilbronn-Neckar-Franken) organisiert wird. Diese Diskussion findet am Donnerstag, 12. März 2009, um 20 Uhr im Nebenzimmer der Gaststätte Rose in Schwäbisch Hall in der Bahnhofstraße 9 statt. Es kommt Michael Schlecht, Chefvolkswirt der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di). Mit ihm soll auch über Alternativen zur Bewältigung der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise diskutiert werden. Verdi in seiner Ankündigung: „Demonstrieren allein reicht nicht aus. Wichtig ist auch, die Hintergründe der Krise, die ökonomischen und politischen Zusammenhänge und die Auswirkungen auf unsere Gesellschaftsordnung zu erkennen.“ Nähere Infos gibt es bei Heidi Scharf, 1. Bevollmächtigte der IG Metall, Haller Straße 37, 74523 Schwäbisch Hall, Telefon 0791/95028-25; Handy 0160/5330009.

Der gelernte Bankkaufmann und Finanzbetriebswirt Friedhelm Krätzer aus Lendsiedel berichtet im Kirchberger Kino Klappe am Sonntag, 22. März 2009, um 18 Uhr über seine Erfahrungen im Mikrokreditwesen in Guatemala. Friedhelm Krätzer war über ein Jahr lang für eine Mikrokreditorganisation in Guatemala unterwegs und hat dort Projekte betreut und begleitet. Weitere Infos zum Klappe-Programm gibt es im Internet auf den Seiten www.kinoklappe.de.

Am Samstag, 28. März 2009 finden in Frankfurt und Berlin Demonstrationen unter dem Motto „Wir zahlen nicht für eure Krise“ – Für eine solidarische Gesellschaft statt. Der IG Metall-Ortsvorstand Schwäbisch Hall hat bei seiner jüngsten Sitzung beschlossen, zu dieser Demonstration aufzurufen und auch Busse einzusetzen. Die Metall-Gewerkschafter wollen versuchen, mit so vielen Menschen wie möglich, vorher ein breites Bündnis zu schmieden und gemeinsam aus der gesamten Region nach Frankfurt zu fahren. Die IG Metall lädt deshalb am Donnerstag, 26. Februar, um 19.30 Uhr zu einem Bündnistreffen ins Haus der Gewerkschaften, Haller Straße 37, Schwäbisch Hall-Hessental.

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Journalistische Grundsätze von Hohenlohe-ungefiltert

Nicht alle, die bei Hohenlohe-ungefiltert mitarbeiten, sind gelernte Journalisten. Trotzdem versuchen wir uns einen möglichst hohen Anspruch aufzuerlegen. Auch wenn es in der Praxis nicht immer in allen Details klappen wird, wollen wir uns an folgende journalistische Grundsätze, die in großen Teilen dem Verhaltenskodex des journalistischen Netzwerk Recherche entsprechen:

1. Journalisten berichten unabhängig, sorgfältig, umfassend und wahrhaftig.
Sie achten die Menschenwürde und Persönlichkeitsrechte.
2. Journalisten recherchieren, gewichten und veröffentlichen nach dem
Grundsatz „Sicherheit vor Schnelligkeit“.
3. Journalisten garantieren uneingeschränkten Informantenschutz als
Voraussetzung für eine seriöse Berichterstattung.
4. Journalisten garantieren handwerklich saubere und ausführliche Recherche
aller zur Verfügung stehenden Quellen.
5. Journalisten verzichten auf jegliche Vorteilsnahme und Vergünstigung.
6. Journalisten unterscheiden erkennbar zwischen Fakten und Meinungen.
7. Journalisten verpflichten sich zur sorgfältigen Kontrolle ihrer Arbeit und,
wenn nötig, umgehend zur Korrektur.
8. Journalisten ermöglichen und nutzen Fortbildung zur Qualitätsverbesserung
ihrer Arbeit.
9. Journalisten erwarten bei der Umsetzung dieses Leitbildes die Unterstützung
der in den Medienunternehmen Verantwortlichen. Wichtige Funktionen haben
dabei Redaktions- und Beschwerdeausschüsse sowie Ombudsstellen und eine
kritische Medienberichterstattung.
10. Wir berichten vor allem über konkrete Ereignisse, Themen und Personen aus der Region Hohenlohe. Insbesondere ist es uns ein Anliegen, über Themen zu berichten, die in den herkömmlichen Medien gar nicht vorkommen oder unkritisch und beschönigend dargestellt werden.
11. Ein kritischer Blickwinkel ist uns besonders wichtig. Wir wollen nichts verschweigen, sondern dazu beitragen, dass Dinge umfassend beleuchtet werden.
12. Wir machen keine Hofberichtserstattung.
13. Wir sind inhaltlich keiner politischen Richtung verpflichtet.
14. Wir sind keinem Sponsor, Spender oder Anzeigenkunden gegenüber verpflichtet.
15. Unsere wichtigste Aufgabe ist ein fairer und kritischer Umgang mit den handelnden Menschen im politischen, kulturellen, wirtschaftlichen und sportlichen Bereich.

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F-16-Absturz Hornberg: Kanalisierte Aufmerksamkeitsverteilung führt zum Crash

HORNBERG – Heftigen Widerstand in der Bevölkerung erregten die tieffliegenden Düsenjets über Hohenlohe in den 1980er Jahren. Die Angst war begründet: Ein F-16-Kampfflugzeug der US-Luftwaffe stürzte am 10. Mai 1983 mitten in die Ortschaft Hornberg bei Kirchberg an der Jagst. Wie erst jetzt von offizieller Seite des Bundesverteidigungsministeriums bekannt gegeben wurde, soll eine „kanalisierte Aufmerksamkeitsverteilung“ des Piloten für den Absturz verantwortlich gewesen sein.

Von Ralf Garmatter, Freier Journalist aus Kirchberg an der Jagst

Die Einflugschneise beim Absturz des Kampfflugzeugs F 16 am 10. Mai 1983 in Hornberg. FOTO: US-AIRFORCE

Die Einflugschneise beim Absturz des Kampfflugzeugs F 16 am 10. Mai 1983 in Hornberg. FOTO: US-AIRFORCE

Der Fachbegriff „Kanalisierte Aufmerksamkeitsverteilung“ bedeutet, dass die Aufmerksamkeit des Piloten beim Fliegen zu sehr auf einen der zahlreichen wichtigen Parameter konzentriert gewesen sein muss, teilt die Pressestelle des Bundesverteidigungsministerium auf Nachfrage von Hohenlohe-ungefiltert mit. Frei übersetzt bedeutet dies, dass der 28-jährige Pilot, Oberleutnant Steven Wallis, bei einem komplexen Flugmanöver den Überblick verloren hat. Die F-16, damals einer der modernsten US-Düsenjets verlor an Höhe, streifte das Hornberger Feuerwehrgerätehaus, riss ein großes Loch in den Giebel, schlitzte das Dach und das Obergeschoss auf, prallte auf die Dorfstraße und raste mit voller Wucht in ein altes Bauernhaus, dessen Bewohner kurz zuvor das Gebäude verlassen hatten.

Der Pilot hatte keinen Rettungsversuch mit dem Schleudersitz unternommen. Augenzeugen berichteten, dass der Düsenjäger auf dem Rücken fliegend das nahegelegene Hornberger Schloss passiert habe. Dies könnte zur Folge gehabt haben, dass der Pilot beim Hochziehen des Steuerknüppels das Flugzeugg nach unten lenkte und abstürzte.

25 Jahre lang war von US-Behörden und von deutschen Dienststellen nichts über die Absturzursache bekannt gegeben worden. Erst direkte Anfragen der Stadtverwaltung Kirchberg/Jagst – im Auftrag des Hornberger Ortschaftsrats – im Februar 2008 bei US-Militärdienststellen, beim baden-württembergischen Innenministerium, dem Bundesverteidigungsministerium und anderen Ministerien und Behörden führte zu einigen dürren Informationen zum Absturzhergang. Nicht korrekt ist eine Auskunft des deutschen Verteidigungsministeriums Referat Grundsatz Flugsicherheit vom 2. Juli 2008 an das Innenministerium Baden-Württemberg, das dem Autor vorliegt. Dort heißt es, dass der Untersuchungsbericht für den Flugunfall vom 10. Mai 1983 „leider nicht mehr“ existiere. Er sei laut Auskunft der zuständigen US-Dienststelle „nach der vorgeschriebenen Aufbewahrungsfrist von 6 Jahren nach Abschluss der Schadensregulierung vernichtet“ worden.

Ein umfangreicher Untersuchungsbericht des Flugunfalls liegt Hohenlohe-ungefiltert jedoch vor. Darin sind viele Details über den technischen Zustand der Maschine, über abgelegte Prüfungen und Schulungen des Piloten auf dem Flugzeugtyp F-16 und dergleichen mehr enthalten. Keine konkreten Angaben gibt es darin jedoch über die konkrete Absturzursache. Wahrscheinlich gibt es aber einen nicht-öffentlichen Teil des Berichts, der dem Bundesverteidigungsministerium (BMfVg) vorliegt. Denn nur so ist es zu erklären, dass das deutsche Verteidiungsministerium den Absturz auf menschliches Versagen zurückführt. Das BMVg wörtlich: Nach „nunmehr vorliegenden Informationen“ habe sich das „tragische Geschehen im Raum Kirchberg am 10. Mai 1983″ folgendermaßen abgespielt: „Im Rahmen eines Übungsfluges von zwei in Rheinland-Pfalz stationierten F-16 der amerikanischen Luftstreitkräfte über Baden-Württemberg, im Raum Crailsheim, sollten Abfangübungen durchgeführt werden. Bei der zweiten Abfangübung berührte eines der Kampfflugzeuge ein leerstehendes Haus in der Ortschaft Hornberg und stürzte ab. Der Pilot unternahm keinen Rettungsversuch mit dem Schleudersitz und wurde beim Absturz getötet. Das Luftfahrzeug sowie ein Haus mit Nebengebäuden wurden zerstört. Das zweite Luftfahrzeug landete sicher am Heimatflugplatz.“ Zusammenfassend sei festgestellt worden, dass eine „kanalisierte Aufmerksamkeitsverteilung des Piloten zur Unterschreitung der vorgegebenen Mindestflughöhe und in der Folge zur Hindernisberührung und zum Absturz führte“.
Hornberg entging damals nur knapp einer Katastrophe. Völlig zerstört wurde ein altes landwirtschaftliches Anwesen, in dessen Scheune und Schuppen unter anderem Ölfässer gelagert waren, welche die Löscharbeiten erschwerten. Schwere Schäden erlitten das Dach und das Obergeschoss des Hornberger Bürgerhauses, in dem sich auch das Feuerwehrmagazin befindet. Durch den Explosionsdruck, durch Wrackteile und den Feuerball nach dem Aufschlag wurden auch einige weiter entfernt stehende Häuser beschädigt. Einziges Todesopfer des Unglücks war der 28-jährige Pilot Oberleutnant Steven L. Wallis vom 50. Taktischen Jagdgeschwader des US-Luftwaffenstützpunkts Hahn im Hunsrück. Weil die Bewohner des zerstörten Hauses kurz zuvor ihre Wohnung verlassen hatten, ist Hornberg von noch größerem Unheil verschont geblieben. Wäre das Kampfflugzeug nur 50 Meter weiter rechts in eine Häuserzeile gekracht, hätte es eine Katastrophe gegeben. An Bord des Abfangjägers befanden sich über 500 Schuss Munition für die 20-Millimeter-Bordkanone sowie eine Rakete ohne Sprengstoff.

Die Staatsanwaltschaft Ellwangen hatte das Ermittlungsverfahren nach eigenen Angaben bereits acht Tage nach dem Absturz eingestellt. Das Finanzministerium Baden-Württemberg teilte mit: „Alle geltend gemachten, berechtigten Ansprüche wurden beglichen. Die Schadensakte wurde hier Ende der 80er-Jahre geschlossen.“ Amerikanische Behörden hatten den Schaden an Gebäuden und Grundstücken in einem ersten Kostenvoranschlag auf zwei Millionen Mark (rund 1,02 Million Euro) geschätzt. Das deutsche Amt für Verteidigungslasten zahlte später insgesamt 630000 Mark (etwa 320000 Euro) für den in Hornberg entstandenen Sachschaden aus. Das zerstörte landwirtschaftliche Anwesen wurde nicht mehr aufgebaut. Dort ist noch heute eine Baulücke.
Dem Piloten Steven L. Wallis bescheinigten die Prüfer noch am 8. März 1983 eine gute Beherrschung des Flugzeugs. Aufgefallen ist bei einem Flugzeugcheck am Tag vor dem Absturz jedoch, dass der Voice-Recorder das Tonband gefressen hat. Auch vom Absturztag ist nach US-Angaben nur ein kurzer Gesprächsfetzen erhalten geblieben, der aber keinen Zusammenhang mit dem Unglück hat.
In Hornberg spielten sich am 10. Mai 1983 dramatische Szenen ab. Wegen Explosionsgefahr und giftiger Gase sollte ein Teil der Hornberger Bevölkerung evakuiert werden. Doch dazu kam es glücklicherweise nicht. Besondere Sorgen bereitete ein Zusatztank der F 16, befüllt mit 24 Litern hochgiftigem Hydrazin, einer chemischen Substanz, die zum Befeuern des Nachbrenners benötigt wurde. Nach offiziellen Angaben ist das Hydrazin gleich nach dem Aufprall verpufft. Nach dem Löscheinsatz erhielten die Feuerwehrleute von einem Stabsarzt der Bundeswehr ein cortisonhaltiges Inhalationsspray gegen Rauchgasvergiftung.
Von amerikanischen, kanadischen und deutschen Soldaten wurde Hornberg nach dem Absturz hermetisch abgeriegelt. Nur Einwohner, Hilfskräfte und Pressevertreter durften in die Nähe des Unfallorts. Aufwändig waren die Aufräum- und Bergungsarbeiten. Die Leichenteile des Piloten und Wrackteile waren weithin verstreut. Amerikanische Soldaten suchten die Wiesen, Gärten und Hausgrundstücke genau ab. Anschließend mussten 200 Tonnen ölverseuchtes Erdreich aus dem Bereich des Absturzkraters entfernt und auf der Sondermülldeponie in Schwabach bei Nürnberg entsorgt werden. Allein der Abtransport der Überreste des zerstörten Flugzeugs mit Hubschraubern kostete nach US-Angaben rund acht Millionen Dollar.
Für Empörung bei Lehrern und Eltern sorgten wenige Tage nach der Hornberger Beinahe-Katastrophe amerikanische Soldaten auf dem Kirchberger Schulhof. Sie verteilten an die Schüler Aufkleber mit dem Geschwaderabzeichen, zu dem auch die zerschellte F 16 gehörte. Es zeigt einen hochsteigenden Atompilz und einen Lorbeerzweig als Symbole des Sieges und des Todes.
Nach wie vor hält sich in Hornberg das Gerücht, dass die F 16 durch „leichtsinniges Kriegspielen“ abgestürzt ist. Eine Augenzeugin berichtete seinerzeit, dass das Flugzeug auf dem Rücken fliegend am Hornberger Schloss vorbeigeflogen sei. Einige Schüler der Kirchberger Schule wollten gesehen haben, dass der Düsenjet schon vor dem Aufprall eine dicke Rauchwolke hinter sich hergezogen hatte.

INFO: Am 10. Mai 1983 stürzte nahe des belgischen Orts Bierbeek eine weitere F16 ab. Dort konnte sich der Pilot noch mit dem Schleudersitz retten.

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