Religiosität hilft nicht – 2009 ist die Geburtenrate in Deutschland weiter gesunken

Die vermutete Korrelation zwischen Religiosität und Geburtenrate ist – auf Europa bezogen – schlicht Unfug: Europas Katholikennation Nummer Eins, Polen, hat, wie auch einige andere postkommunistische Länder, eine niedrige Geburtenrate, ebenso die katholisch geprägten Länder Portugal, Spanien und Italien. Auf der Suche nach Gründen werden nahe liegende Ursachen übersehen.

Gefunden von Axel Wiczorke, Hohenlohe-ungefiltert

Ein erhellender Artikel, der uns an die gern verdrängten Zusammenhänge erinnert: „Fruchtbarkeits-Europameister“ ist zum dritten Mal infolge Frankreich. Pro Frau werden dort 2,02 Kinder geboren, in Deutschland 1,35 Kinder. Auch die Geburtenzahlen der skandinavischen Länder, zählen zu den höchsten in Europa. Dies hat viel – wie der Artikel aufzeigt – mit nicht vorhandenen Betreuungsplätzen und dem Ausbau des Niedriglohnsektors zu tun:

„In den alten Bundesländern gibt es in vielen Regionen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes für nur fünf Prozent der unter Dreijährigen einen Betreuungsplatz in einer Kindertagesstätte (Frankreich: fast 50 Prozent). Während es in Deutschland auch noch für ein Drittel der Kinder im Alter von über drei Jahren keinen Platz gibt, gehen in Frankreich fast 100 Prozent der über Dreijährigen in eine Kindertagesstätte. (…)

Die arbeitsmarktstrukturellen Veränderungen der letzten Jahrzehnte haben entscheidend dazu beigetragen: Wie in kaum einem anderen Land in Westeuropa hat sich in Deutschland ein gigantischer Niedriglohnsektor etablieren können, die Realeinkommen sind weit stärker als im EU-Durchschnitt gesunken.

Ferner hat sich die Zahl der Selbstständigen in den letzten 20 Jahren rasant erhöht (nach Angaben des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn arbeitete im Jahr 2008 jede dritte Frau in Deutschland auf selbstständiger Basis). Da für Selbstständige die Arbeit nicht einfach mit der Geburt eines Kindes aufhört, sind sie besonders auf ein gut ausgebautes Betreuungssystem angewiesen.

In jedem Fall kann es sich die Mehrzahl der Berufstätigen hierzulande nicht (mehr) leisten, weniger zu verdienen oder auf ein Gehalt zu verzichten. In „postfeministischen“ Zeiten gehen Frauen schon lange nicht mehr ausschließlich aus Gründen der „Selbstverwirklichung“ arbeiten (dieser Aspekt dürfte für die Kassiererin bei Lidl oder die freundliche Dame am anderen Ende der Hotline auch wenig ausschlaggebend sein), sondern, weil das Einkommen des Mannes nicht ausreicht.“

http://www.zeit.de/gesellschaft/generationen/2010-02/geburtenrate-religion?page=1

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Ein Gedanke zu „Religiosität hilft nicht – 2009 ist die Geburtenrate in Deutschland weiter gesunken

  1. müsste dies dann nicht für alle in deutschland lebenden menschen gelten?

    auf jedenfall haben ausländische familien in der regel kein problem mit der geburtenrate und die leben im selben land unter ähnlichen bedingungen…

    und wie sieht es mit den reichen und superreichen aus? die habe ja genug kohle und hausmädchen und und und… daher auch 4-5 kinder? nö

    in welchem familien gibt es mehr kinder bei der oberschicht, mittelschicht oder unterschicht?

    die geburtenrate war auch schon in den 70er in deutschland unter 1,5.

    so viel dazu…

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