„Lang beschattete Täler“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden vierzehnter Teil

„Lang beschattete Täler“ – Eine Fortsetzungsgeschichte von Birgit Häbich: Der Episoden vierzehnter Teil. Die geschilderten Handlungen, Personen und Namen sind frei erfunden. Es werden keine realen Namen von Personen angegeben. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten, lebenden oder toten Personen wären rein zufällig und sind weder gewollt noch beabsichtigt.

Von Birgit Häbich

XIV Sterben

… Ausgeruht ging Carl Eugen am nächsten Vormittag frisch ans Werk, um das Treffen mit Paula vorzubereiten. Seinen vormittäglichen Spaziergang machte er daher nach der Rosenau, wo sich die Bühler in ihrem Flussbett vor ihm ausbreitete und sich idyllisch unter der alten Steinbrücke dahinschlängelte. Das Menü für das Treffen mit Paula war mit Hilfe von Klara Knollerie dann auch schnell zusammengestellt. „Hm!“ Allein schon bei der Überlegung, was es Feines geben würde, bahnte sich ein tiefer sinnlicher Seufzer den Weg an Carls Stimmbändern entlang. Auf dem Heimweg war er nicht nur wegen des geplanten Treffens mit Paula gut aufgelegt, sondern auch darüber, dass er endlich das vollumfängliche Genießen gelernt hatte und es jetzt beispielhaft mit Paula zusammen anwenden wollte. Voller Vorfreude bestellte er, unter Vorbehalt, ob es für freitags oder für den Samstagabend wäre, was der Gatte von Klara Knollerie mit viel Liebe in seiner blitzsauberen Gastronomieküche zaubern sollte. Carl ließ sich von Klara noch einen besonderen Aperitif empfehlen – einen laut riechenden und wunderbar spritzigen Holunderblüten-Secco – Wein zum Essen würde vermutlich nicht in Frage kommen, denn Paula wollte sicherlich abends wieder nach Hause fahren. Zufrieden mit sich und der Welt lenkte Carl seine Schritte wieder in Richtung seines idyllisch gelegenen heimatlichen Städtle.

Anmeldung

Als er wieder daheim war, läutete das Telefon. Carl Eugen kam jedoch gar nicht erst zu Wort. „Hallo Carl, ich bin es, Paul“, ertönte Pauls sonore Stimme aus dem Hörer: „Ich nehme morgen einen frühen Zug und bin am frühen Nachmittag bei Dir, Du brauchst mich nicht abzuholen, es fährt ein Bus vom Bahnhof direkt in die Straße, in der du wohnst.“ „Ja, gut, dann bis morgen!“ erwiderte Carl kurz Pauls Anmeldung und beendete das Gespräch mit der Bemerkung „Gut, ich freue mich auf Deinen Besuch, es gibt Kaffee und Kuchen, sobald du ankommst.“ „Danke, Carl“, war alles, was Paul noch sagte, dann war es still in der Leitung und Carl legte auf.

Grüne Gentechniklobby

Eigentlich wollte er sich noch Gedanken zu dem an seiner geliebten Paula verübten Überfall machen. Aber beim Bestellen vorhin bei Klara Knollerie kam das Gespräch auf die so genannten Grünen Gentechniker*. Absurd und in sich nicht stimmig, das Ansinnen der „Grünen Gentechniklobby“ ging ihm nicht mehr aus dem Sinn. Und Carl fragte sich, was sich wohl hinter dem Begriff verbarg – er hatte jahrelang liberal gedacht und aus gutem Grund jedoch, gerade bei Wahlen auf Landesebene, grün gewählt. Er war schließlich Nachfahre bodenständiger Hohenloher Landwirte und fleißiger Handwerker. Was hatte neuerdings die Gentechnik bei den Grünen verloren? Er las den Rundbrief, den ihm Klara Knollerie vorhin mitgab, nochmals genau durch. Und was da schwarz auf weiß geschrieben stand, ließ ihn die Augenbrauen heben und die Stirn runzeln. Es gab doch tatsächlich innerhalb der Grünen Leute, die sich bei der Verfassung von grünen Programmen für lebensfeindliche Ziele stark machten. Sie begründeten diese, bei der Ökopartei völlig neue Sichtweise gegenüber den gefährlichen Manipulationen am Erbgut, mit recht fragwürdigen wissenschaftlichen Forschungsergebnissen. Gleichzeitig bezichtigten diese einseitig akademisch Gebildeten die Kritiker von gentechnischen Eingriffen als entwicklungsfeindliche Ewiggestrige.

Gute Ernährung oder Naturheilverfahren

Carl Eugen atmete tief durch; es war ähnlich wie in der >Karinakrise<, wo man gesunde und gute Ernährung oder Naturheilverfahren überhaupt nicht in Überlegungen mit einbezog. Ergebnisse und Erfahrungsberichte aus der extensiven, naturnahen, biologischen Landwirtschaft wurden einfach ignoriert. Eine breite Diskussion mit Erfahrenen und Betroffenen wurde nicht geführt, man ließ sie nicht gleichwertig zu Wort kommen. Lediglich ausgesucht wenige Forscher aus der Linie derer, die sich an dem, was an Gift angepriesen wurde, früher oder später dumm und dämlich verdienen würden.

Handlanger der Pharmaindustrie

Auch die Wortwahl, die benützt wurde, ließ Carl den Kopf schütteln: „Die Agrartechnik neu denken“. Dahinter verbarg sich doch nur der Unsinn, etwas das gefährlich und fast schon verbrecherisch anmutet, ein möglichst harmloses Etikett zu verpassen. Man sollte sich in der Tat überlegen, ob solche Techniken wirklich hilfreich wären und vor allem, wer davon profitierte. Hatten diese gewissenlosen Handlanger der Pharmaindustrie nicht schon genug Schaden angerichtet? Medikamentenrückstände und Nitrat im Trinkwasser sind doch gefährlich genug. Und ihm kam der schreckliche Unfall in den Sinn, als vor fünf Jahren die ökologisch intakte Jagst mit Löschwasser, das mit Düngemitteln versetzt war, in eine todbringende Kloake voller verendeter Fische verwandelt wurde.

Blauer Globus

Carl erinnerte sich an den Unterricht im humanistischen Bubengymnasium, in der Kreisstadt, wo man ihm beigebracht hatte, dass Brunnenvergifter* einst schwer bestraft wurden. „Neu denken“ – wäre es nicht klüger, wenn diese grünen Neudenker ihre derart genialen Denkprozesse dafür verwenden würden, um endlich deutlich weniger Plastikmüll zu produzieren, clevere und funktionale Mehrwegsysteme umzusetzen und die Meere von dem elenden Plastikmüll zu reinigen? Das wäre ein enormer Dienst an der Menschheit und am Leben, und das würde dem blauen Globus guttun. Carl erinnerte sich an grausame Bilder von Walen, die zwangsläufig den Plastikmüll mit dem Plankton aus dem Meerwasser in sich aufnahmen und genauso elend daran verendeten, wie die wunderbar sanftmütig segelnden Albatrosse*.

Stochern im Nebel

Bei den Albatrossen dachte Carl wieder an Paula. Seit sein Freund Heiner ihm ins Gewissen geredet hatte, fing er an, das, was er Paula einst angetan hatte, zu bereuen. Und Carl Eugen Friedner schämte sich, sobald er nur daran dachte. Er fand aber oft nicht den Mut, sich mit seiner Mitschuld an dem Betrug auseinanderzusetzen. Carl stocherte im Nebel, sobald er versuchte, sich zu erinnern, warum er damals eigentlich lieber den alten Verbindungen gerecht wurde, als der Frau aufrecht zur Seite zu stehen, die er liebte. Nun würde er sich an die eigene Nase fassen müssen – er hatte sich damals Paula gegenüber unanständig, ja hinterhältig benommen – und er sollte sich dringend überlegen, wie er ihr aufrichtig sein Entgegenkommen zeigen könnte. Zuallererst würde er ihr erklären müssen, dass er erst jetzt richtig begriffen hat, was er ihr einst angetan hatte. Ohne seine aktive Beteiligung wäre der Betrug damals nämlich gar nicht ausführbar gewesen. Er hatte sie damit aufs übelste hintergangen – Paula hatte ja vor Jahr und Tag nicht nur einem klugen Steuerberater und streitbaren Rechtsanwalt ihre schwierigen finanziellen und rechtlichen Angelegenheiten übergeben, sondern vertraute sich gerade ihm persönlich als treuen Freund an. Und in Folge seines Versagens war sie dann auch noch überfallen worden, nicht auszudenken, wenn sie dabei gestorben wäre. Diese Vorstellung lastete wie ein schwerer Stein auf ihm … Fortsetzung folgt.

Erläuterungen:

*Grüne Gentechniklobby:
https://www.tagesspiegel.de/themen/agenda/es-geht-um-wahrheit-und-fakten-die- gruenen-hinterfragen-ihr-anti-gentechnik-dogma/24337056.html

https://www.freitag.de/autoren/ulrike-baureithel/lass-es-crispern

https://de.wikipedia.org/wiki/CRISPR/Cas-Methode

*Vergiftetes Wasser:
https://www.umweltbundesamt.de/themen/fakten-zur-nitratbelastung-in-grund- trinkwasser

http://www.hohenlohe-ungefiltert.de/?p=19798

https://www.duden.de/rechtschreibung/Brunnenvergifter

*Verendet durch Plastikmüll: https://www.youtube.com/watch?v=eOwC4luBzGo

https://www.br.de/nachrichten/wissen/warum-so-viele-tiere-durch-plastikmuell-im- meer-sterben,RMknbBd

Kontaktaufnahme zur Autorin ist möglich unter der E-Mail-Adresse:

b.haebich@web.de

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