„Ich sehe die Leistungen meiner Generation durch Sie massiv gefährdet“ – Offener Brief von Peter Aichelin an den Bundestagsabgeordneten Christian von Stetten (CDU)

Einen Offenen Brief hat Peter Aichelin aus Schwäbisch Hall an den Bundestagsabgeordneten Christian von Stetten (CDU) geschrieben. Er antwortet damit auf ein Schreiben des CDU-Abgeordneten. Hohenlohe-ungefiltert veröffentlicht den Offenen Brief in voller Länge. Die Zwischenüberschriften wurden zur besseren Lesbarkeit von der Redaktion eingefügt.

Von Peter Aichelin, Schwäbisch Hall

Der Brief von Christian von Stetten (CDU) zum Herunterladen als PDF-Datei:

Brief_von_Stetten

Der Offene Brief von Peter Aichelin:

An

Christian Freiherr von Stetten (MdB)
Amrichshäuser Str. 10
74653 Künzelsau

Offene Antwort auf Ihren Brief vom 7. September 2013

Sehr geehrter Herr von Stetten!

Vielen Dank für Ihren Brief. Wie Sie richtig geschrieben haben, gehöre ich „zu den Personen, die dieses Land mit aufgebaut haben und denen <meine> Generation viel zu verdanken hat“. Zur wirtschaftlichen Aufbaugeneration gehöre ich zwar nicht mehr, aber wir haben dem Land politisch wesentlich Gestalt gegeben.

Öffentlich für die Ostpolitik von Willy Brandt eingesetzt

Bei mir begann das schon in der Jugend, als ich mich öffentlich für die Ostpolitik von Willy Brandt eingesetzt habe, gegen den großen Teil meiner Mitbürger, der auch ein Vierteljahrhundert danach nicht akzeptieren wollte, dass Deutschland den 2. Weltkrieg verloren hat und viel Leid vor allem über die östlichen Nachbarvölker gebracht hat. Besonders schwierig war die Diskussion bei Personen, die bruchlos ihre NS-Karriere in einer BRD-Karriere weiterführen konnten. Konsequenterweise war ich danach und bis heute in der gewaltlosen Friedensbewegung aktiv und war 1981 einer der ersten Kasernenblockierer. Ein Freund, der neben mir saß, durfte deshalb nicht Lehrer werden. Ein hoher Einsatz.

CDU saß noch nach 1985 mit der SED in der DDR-Regierung

Es war übrigens genau diese Friedensbewegung, die 1985 die Wahl Gorbatschows zum Chef der Sowjetunion möglich machte, die das Ende des Kalten Krieges eingeleitet hat (so berichten jedenfalls Teilnehmer der Wahl). In dieser Friedensbewegung arbeiteten Menschen aus Ost und West, so gut es ging,  zusammen, und so darf ich sagen: Es waren meine Freunde und Gesinnungsgenossen in der DDR, die die Mauer zum Einsturz brachten, als die CDU (Anmerkung von Hohenlohe-ungefiltert: CDU der DDR) noch mit der SED gemeinsam in der Regierung saß.

Ausstieg aus Irrsinnstechnologie Atomkraft wird von Regierung behindert

Auch gegen die Atomkraft habe ich mich schon sehr früh und sehr ausdauernd eingesetzt. Zwar konnten wir diese Irrsinnstechnologie nicht verhindern, aber wenigstens ist nach zwei Totalkatastrophen der Ausstieg aus dieser Technologie beschlossen, wenn auch die Umsetzung von der jetzigen Regierung behindert und verschleppt wird.

Oberste 10 Prozent verfügen über mehr als 50 Prozent des Volksvermögens

Ein weiteres Projekt meiner Generation war die soziale Gerechtigkeit. In den späten Zeiten der Bonner Republik hatten wir da große Erfolge: Die Altersarmut war weitgehend verschwunden, die Arbeitslosigkeit war niedrig und die Chancen zu sozialem Aufstieg waren recht gut.
Inzwischen liegen diese Errungenschaften leider ziemlich darnieder: In keinem Land ist die Schulkarriere so vom Status und Einkommen der Eltern abhängig wie bei uns. Die obersten 10 Prozent verfügen über mehr als 50 Prozent des Volksvermögens, während die Hälfte der Bevölkerung gerade einmal 1 Prozent haben. Diese Entwicklung hat sich rasant unter der Führung der Bundeskanzlerin verstärkt.

Sie kündigen die europäische Solidarität auf

Europa ist für meine Generation ebenfalls ein wichtiges Thema. Wir durften als erste Generation Freundschaft und ungehinderte Reisemöglichkeiten in Westeuropa genießen. Dass dann die Osterweiterung unter Helmut Kohl so stark forciert wurde, war friedenspolitisch eine große Tat, europa-innenpolitisch fragwürdig und wirtschaftlich ein Fehler. Dass aber nun gerade aus der CDU (und dabei auch gerade von Ihnen) die europäische Solidarität, der wir einen Großteil unseren Wohlstandes verdanken, aufgekündigt wird, halte ich schlicht für schäbig.

„Ich werde Sie am 22. September nicht wählen“

Wie Sie aus meinen Ausführungen entnehmen können, sehe ich die Leistungen von mir und meiner Generation durch Sie und Ihre Partei massiv gefährdet und werde Sie deshalb am 22. September 2013 nicht wählen.

Grandiose Sache: Haller aus Sri Lanka, Brasilien, Rumänien und der Türkei…

Hätte ich dieses Wochenende Zeit, würde ich auch mit Sicherheit nicht zu Ihrem Messestand kommen, sondern mir die Zeit auf angenehme Weise beim Freundschaftsfest der Stadt Schwäbisch Hall vertreiben, bei der sich die Haller, die aus unterschiedlichsten  Ländern stammen, öffentlich präsentieren können. Dass es Haller aus Sri Lanka und aus Brasilien, aus Rumänien und aus der Türkei gibt, halte ich für eine grandiose Sache.

Wolfgang Bosbach ist gegen weltoffenes, tolerantes und buntes Deutschland

Deshalb werde ich natürlich auch nicht zu Ihrem Wahlkampfabschluss kommen. Denn Ihr Gast, Wolfgang Bosbach, dem ich seinen Ruhestand gönne und hoffe, dass er trotz seiner schweren Krankheit noch das Leben nach der Politik genießen kann, steht gegen alles, was zu einem weltoffenen, toleranten und bunten Deutschland des 21. Jahrhunderts gehört.

Mit freundlichen Grüßen

Peter Aichelin

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„Zeig Dich solidarisch, komm zum Gütetermin und unterstütze Deine Kolleginnen und Kollegen“ – Kündigungsschutzklage der Beschäftigten des Hol- und Bringdienstes im Haller Diakonie-Klinikum

Die sechs Kolleginnen und Kollegen des Hol- und Bringdienstes im Schwäbisch Haller Diakonie-Klinikum kämpfen weiterhin um ihr Recht auf Beschäftigung im Diak. Sie haben eine Kündigungsschutzklage eingereicht. Der Gütetermin dieser Kündigungsschutzklage findet am Dienstag, 17. September 2013, um 15.20 Uhr im Landratsamt Schwäbisch Hall, Münzstraße 1, Zimmer 266, statt.

Von Arne Gailing, verdi Heilbronn-Neckar-Franken

Solidaritätsaufruf

Bei diesem Gütetermin soll die fragliche Rechtmäßigkeit der Kündigungen durch die Diak-Dienstleistungs-GmbH geklärt werden. „Zeig Dich solidarisch, komm zum Gütetermin und unterstütze Deine Kolleginnen und Kollegen“, schreibt die Dienstleistungsgewerkschaft verdi Heilbronn-Neckar-Franken in einem Solidaritätsaufruf.

Diak kündigte

Weiter heißt es in dem verdi-Schreiben: „Der erste Versuch, die Beschäftigung beim Klinikum festzustellen, ist nach dem Gütetermin noch ohne Ergebnis. Wie bereits bekannt, hat die Diak-Dienstleistungs-GmbH den Kolleginnen und Kollegen die Kündigung ausgesprochen, mit der Begründung, den Auftrag für den Hol- und Bringdienst an die RTS verloren zu haben. Zusätzlich zu der Klage auf Beschäftigung im Diak haben die Betroffenen Kündigungsschutzklage eingereicht.

Weitere Informationen in Hohenlohe-ungefiltert über die gekündigten Diak-MitarbeiterInnen:

“Keine Fremdvergabe des Hol- und Bringdienst im Diakonie-Klinikum Schwäbisch Hall” – Info-Veranstaltung in der Kultbucht https://www.hohenlohe-ungefiltert.de/?p=16268

“Wer nicht fair bezahlt wird, kann auch keine gute Arbeit leisten” – Leserbrief von Siegfried Hubele zur geplanten Entlassung von Diak-MitarbeiterInnen https://www.hohenlohe-ungefiltert.de/?p=16374

“Kündigungen zurücknehmen” – Diak-Miarbeiter demonstrieren für ihre KollegInnen vom Hol- und Bring-Dienst https://www.hohenlohe-ungefiltert.de/?p=16335

“Mit Unterschriften gegen Kündigungen protestieren” – MitarbeiterInnen des Hol- und Bringdienstes im Schwäbisch Haller Diakonieklinikum werden gekündigt https://www.hohenlohe-ungefiltert.de/?p=16341

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